Mar­ken­streit: Ver­let­zungs­ver­fah­ren vs. Löschungs­ver­fah­ren

Eine Aus­set­zung des mar­ken­recht­li­chen Ver­let­zungs­ver­fah­rens im Hin­blick auf ein gegen die Kla­ge­mar­ke gerich­te­tes Löschungs­ver­fah­ren schei­det im Regel­fall aus, wenn kei­ne über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit für den Erfolg des Löschungs­ver­fah­rens besteht.

Mar­ken­streit: Ver­let­zungs­ver­fah­ren vs. Löschungs­ver­fah­ren

Die Aus­set­zung eines mar­ken­recht­li­chen Ver­let­zungs­ver­fah­rens gemäß § 148 ZPO ist aller­dings in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen und damit auch noch im Revi­si­ons­ver­fah­ren mög­lich 1. Dies gilt auch im vor­lie­gen­den Fall einer par­al­le­len Anhän­gig­keit von Ver­let­zungs­kla­ge und regis­ter­recht­li­chem Löschungs­ver­fah­ren beim Bun­des­ge­richts­hof 2.

Die Ent­schei­dung über die Aus­set­zung des Ver­fah­rens liegt, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 148 ZPO erfüllt sind, im Ermes­sen des Gerichts. Abzu­wä­gen sind das Inter­es­se des Klä­gers des Ver­let­zungs­ver­fah­rens an einer zeit­na­hen Ent­schei­dung, das Inter­es­se des Beklag­ten, nicht auf­grund einer löschungs­rei­fen Mar­ke ver­ur­teilt zu wer­den, und das Inter­es­se, wider­sprüch­li­che Ent­schei­dun­gen zu ver­mei­den. Eine Ver­fah­rens­aus­set­zung kommt in Betracht, wenn eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit für die Löschung der Mar­ke im regis­ter­recht­li­chen Ver­fah­ren besteht, die die mit der Aus­set­zung ver­bun­de­ne Pro­zess­ver­zö­ge­rung recht­fer­tigt 3.

Davon kann im hier ent­schie­de­nen Fall beim der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­stand nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Der Löschungs­an­trag war vor dem Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt und dem Bun­des­pa­tent­ge­richt erfolg­los. Die Erfolgs­aus­sich­ten des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens sind offen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2014 – I ZR 228/​12

  1. vgl. BGHZ 171, 89 Rn. 17 Pra­li­nen­form I; Musielak/​Stadler, ZPO, 11. Aufl., § 148 Rn. 2[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.06.2013 – I ZR 176/​12 2 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.11.1986 – X ZR 56/​85, GRUR 1987, 284 Trans­port­fahr­zeug; Urteil vom 28.08.2003 – I ZR 257/​00, BGHZ 156, 112, 119 Kin­der I[]