Türen, Fenster und die Wohnungseigentümergemeinschaft

Die Wohnungseigentümer sind nach der gesetzlichen Kompetenzzuweisung für die Beschlussfassung über die Instandsetzung und den Austausch der Türen und Fenster zuständig (§ 21 Abs. 1 und Abs. 5 Nr. 2 WEG bzw. § 22 WEG)). Sie müssen die damit verbundenen Kosten tragen1. Die Beschlüsse betreffen keine Maßnahmen an dem Sondereigentum des betroffenen Eigentümers, für die generell keine Beschlusskompetenz der Wohnungseigentümer besteht2, weil die Türen und Fenster im gemeinschaftlichen Eigentum stehen.

Türen, Fenster und die Wohnungseigentümergemeinschaft

Die Kellerausgangstür steht gemäß § 5 Abs. 2 WEG zwingend im Gemeinschaftseigentum. Sie bildet die räumliche Abgrenzung zwischen der Sondereigentumseinheit “Kellerraum” und dem im Gemeinschaftseigentum stehenden Kellerhals mit Kelleraußentreppe. Damit gehört sie, wie eine Wohnungseingangstür, räumlich und funktional (auch) zu dem Gemeinschaftseigentum und steht als einheitliche Sache insgesamt im gemeinschaftlichen Eigentum3.

Für die Frage der Zugehörigkeit der Nebenausgangstür der Garage zum Sondereigentum oder zum Gemeinschaftseigentum gelten die vorstehenden Ausführungen entsprechend. Auch diese Tür steht gemäß § 5 Abs. 2 WEG zwingend im Gemeinschaftseigentum.

Dasselbe gilt für die Fenster in der Wohnung4.

Durch Vereinbarung können die Wohnungseigentümer abweichend von § 21 Abs. 5 Nr. 2, § 16 Abs. 2 WEG die Pflicht zur Instandsetzung und Instandhaltung von Teilen des gemeinschaftlichen Eigentums und zur Tragung der damit verbundenen Kosten durch eine klare und eindeutige Regelung einzelnen Sondereigentümern auferlegen5.

Daran fehlt es jedoch im hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall: Die Teilungserklärung enthält Regelungen zur Instandhaltung und Instandsetzung von Türen und Fenstern sowie zu Veränderungen der Fenster. Maßgebend für die Auslegung dieser in der Grundbucheintragung in Bezug genommenen Bestimmungen sind ihr Wortlaut und ihr Sinn, wie sie sich aus unbefangener Sicht als nächstliegende Bedeutungen der Eintragung ergeben, weil sie auch Sonderrechtsnachfolger der Wohnungseigentümer binden. Umstände außerhalb der Eintragung dürfen nur herangezogen werden, wenn sie nach den besonderen Verhältnissen des Einzelfalls für jedermann ohne weiteres erkennbar sind6.

Die genannten Bestimmungen verpflichten den einzelnen Wohnungseigentümer zur Instandhaltung und Instandsetzung von im Gemeinschaftseigentum stehenden Türen und Fenstern, die sich im Bereich seines Sondereigentums befinden; der Farbanstrich der Außenseite der Wohnungsabschlusstüren und der Fenster ist allerdings davon ausgenommen. Das erlaubt nicht den Schluss, dass alle anderen Maßnahmen dem einzelnen Wohnungseigentümer obliegen, sondern führt im Zweifel dazu, dass der Austausch der Fenster und der Wohnungsabschlusstüren Gemeinschaftsaufgabe ist. Behält sich die Gemeinschaft schon den Außenanstrich vor, gilt dies erst recht für die vollständige Erneuerung. Mit einer solchen Regelung wollen die Wohnungseigentümer nämlich eine einheitliche Außenansicht des Gebäudes sicherstellen. Ein Austausch der Fenster und – wie bei Wohnungsabschlusstüren – der Ausgangstüren kann die Außenansicht in gleichem oder noch stärkerem Maß als ein Anstrich beeinflussen7. Ob das im Einzelfall zutrifft oder nicht, ist unerheblich.

Nach § 7 (4) unterliegen Veränderungen der Fenster und der farblichen Gestaltung der Wohnungsabschlusstüren einem Mehrheitsbeschluss der Wohnungseigentümer. Aus dieser Regelung lässt sich keine Zuständigkeit einzelner Sondereigentümer für den Austausch der Türen und Fenster herleiten. Denn sie enthält lediglich eine Modifizierung des Mehrheitsprinzips durch das Erfordernis einer qualifizierten Mehrheit und somit eine bloße Stimmrechtsregelung.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 22. November 2013 – V ZR 46/13

  1. § 16 Abs. 2 WEG []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 08.02.2013 – V ZR 238/11, ZfIR 2013, 511 Rn. 14 mwN []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2013 – V ZR 212/12 Rn. 10 f. []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 02.03.2012 – V ZR 174/11, NJW 2012, 1722, 1723 Rn. 7 []
  5. BGH, Urteil vom 02.03.2012 – V ZR 174/11, aaO []
  6. siehe nur BGH, Urteil vom 02.03.2012 – V ZR 174/11, aaO, Rn. 8 []
  7. BGH, Urteil vom 02.03.2012 – V ZR 174/11, NJW 2012, 1722, 1723 Rn. 9 []