Erle­di­gung – und die Kos­ten­ent­schei­dung bei meh­re­ren Betei­lig­ten

Nach­dem die Klä­ge­rin­nen den Rechts­streit für erle­digt erklärt haben und kei­ner der Betei­lig­ten (Beklag­te, Streit­hel­fer) nach Hin­weis gemäß § 91a Abs. 1 Satz 2 ZPO inner­halb von zwei Wochen seit der Zustel­lung der Erklä­run­gen wider­spro­chen hat, ist nach § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO über die Kos­ten des Rechts­streits unter Berück­sich­ti­gung des bis­he­ri­gen Sachund Streit­stands nach bil­li­gem Ermes­sen zu ent­schei­den. Bil­li­gem Ermes­sen in einem sol­chen Fall mit meh­re­ren Betei­lig­ten ent­spricht es, die Kos­ten des Rechts­streits, des­sen Aus­gang im Hin­blick auf strei­ti­ge Rechts­fra­gen offen war, den Pro­zess­be­tei­lig­ten nach dem am Streit­wert gemes­se­nen Umfang ihrer Betei­li­gung auf­zu­er­le­gen.

Erle­di­gung – und die Kos­ten­ent­schei­dung bei meh­re­ren Betei­lig­ten

Der Aus­gang des Rechts­streits war im vor­lie­gen­den Fall offen. Ob die bei­den Kla­gen, soweit es die Beschluss­fas­sung der Haupt­ver­samm­lung der Beklag­ten über die Gel­tend­ma­chung von Ersatz­an­sprü­chen nach § 147 AktG sowie die Abwahl des Ver­samm­lungs­lei­ters betrifft, mut­maß­lich Erfolg gehabt hät­ten, lie­ße sich nur nach der Ent­schei­dung umstrit­te­ner Rechts­fra­gen beant­wor­ten. Hier­von sieht der Bun­des­ge­richts­hof im Rah­men der nach § 91a ZPO erfor­der­li­chen Kos­ten­ent­schei­dung ab.

Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn der Rechts­streit meh­re­re unge­klär­te Rechts­fra­gen auf­warf. Es ist – zumal in der Revi­si­ons­in­stanz – aber nicht Zweck einer Ent­schei­dung über die Kos­ten des Rechts­streits nach § 91a ZPO, Rechts­fra­gen von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zu klä­ren oder das Recht fort­zu­bil­den, soweit es um Fra­gen des mate­ri­el­len Rechts geht. Grund­la­ge der Ent­schei­dung ist dem­ge­mäß ledig­lich eine sum­ma­ri­sche Prü­fung, bei der das Gericht auch bei einer Ent­schei­dung im Revi­si­ons­ver­fah­ren grund­sätz­lich davon abse­hen kann, in einer recht­lich schwie­ri­gen Sache nur wegen der Ver­tei­lung der Kos­ten alle für den hypo­the­ti­schen Aus­gang bedeut­sa­men Rechts­fra­gen zu klä­ren 1.

Da im Hin­blick auf die unglei­che Betei­li­gung der Pro­zess­par­tei­en an dem Rechts­streit eine sonst bei offe­nem Aus­gang übli­che Kos­ten­auf­he­bung aus­schei­det, ent­spricht es bil­li­gem Ermes­sen, die Kos­ten des Rechts­streits den Pro­zess­be­tei­lig­ten nach dem am Streit­wert gemes­se­nen Umfang ihrer Betei­li­gung auf­zu­er­le­gen.

Bil­li­gem Ermes­sen ent­spricht es grund­sätz­lich man­gels ande­rer Ver­tei­lungs­kri­te­ri­en die Ver­fah­rens­kos­ten gegen­ein­an­der auf­zu­he­ben, wenn es offen ist, wie ein Ver­fah­ren hin­sicht­lich strei­ti­ger Fra­gen geen­det hät­te 2. Ist im Hin­blick auf die Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se eine Kos­ten­auf­he­bung nicht mög­lich, ent­spricht bei unge­wis­sem Aus­gang des Ver­fah­rens die Tei­lung der Kos­ten ent­spre­chend dem Ver­hält­nis der Betei­li­gung am Rechts­streit der Bil­lig­keit 3.

Bei der auf die­ser Grund­la­ge zu tref­fen­den Kos­ten­ent­schei­dung ist die Betei­li­gung von Neben­in­ter­ve­ni­en­ten zu beach­ten.

Wer für die durch eine ein­fa­che Neben­in­ter­ven­ti­on ver­ur­sach­ten Kos­ten auf­zu­kom­men hat, ist in § 101 Abs. 1 ZPO gere­gelt. Die­se sind dem Geg­ner der unter­stütz­ten Haupt­par­tei auf­zu­er­le­gen, soweit die­ser nach §§ 91 bis 98 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen hat. Wegen des danach maß­geb­li­chen Grund­sat­zes der Kos­ten­par­al­le­li­tät ent­spricht der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Neben­in­ter­ve­ni­en­ten inhalt­lich dem Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch, den die von ihm unter­stütz­te Haupt­par­tei gegen den Geg­ner hat 4.

Die Ver­tei­lung der Kos­ten­last wird zudem durch den Umfang der Neben­in­ter­ven­ti­on bestimmt. Tritt der ein­fa­che Neben­in­ter­ve­ni­ent nur bezüg­lich eines Teils des Streit­ge­gen­stands bei, so bestimmt sich die Ver­tei­lung der Kos­ten­last nach dem Schick­sal die­ses Teils, das heißt bei einer Beschrän­kung der Neben­in­ter­ven­ti­on auf einen Teil des Rechts­streits ist dem Geg­ner von den Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on der­sel­be Kos­ten­an­teil auf­zu­er­le­gen, den er von den Kos­ten des Rechts­streits tra­gen müss­te, wenn der Rechts­streit nur hin­sicht­lich die­ses Teils geführt wor­den wäre. Auf die unter Ein­be­zie­hung der wei­te­ren Pro­zess­tei­le zu bil­den­de Gesamt­kos­ten­quo­te kommt es nicht an, da der Grund­satz der Kos­ten­par­al­le­li­tät aus Grün­den der Kos­ten­ge­rech­tig­keit zuguns­ten des Neben­in­ter­ve­ni­en­ten nicht wei­ter rei­chen kann, als sich Neben­in­ter­ven­ti­on und Rechts­streit decken 5.

Für die streit­ge­nös­si­sche Neben­in­ter­ven­ti­on gilt der Grund­satz der Kos­ten­par­al­le­li­tät nicht. Viel­mehr sind aus­schließ­lich § 101 Abs. 2, § 100 ZPO anzu­wen­den, die den streit­ge­nös­si­schen Neben­in­ter­ve­ni­en­ten kos­ten­recht­lich unein­ge­schränkt einem Streit­ge­nos­sen der Haupt­par­tei gleich­stel­len. Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Streit­ge­nos­sen bestimmt sich ent­spre­chend den aus § 100 ZPO her­ge­lei­te­ten Kos­ten­grund­sät­zen nach sei­nem per­sön­li­chen Obsie­gen und Unter­lie­gen im Ver­hält­nis zum Geg­ner. Dar­an anknüp­fend ist über die Kos­ten des streit­ge­nös­si­schen Neben­in­ter­ve­ni­en­ten eigen­stän­dig und unab­hän­gig von der für die unter­stütz­te Haupt­par­tei getrof­fe­nen Kos­ten­ent­schei­dung auf der Grund­la­ge der für ihn maß­ge­ben­den Umstän­de zu befin­den 6. Auf der ande­ren Sei­te haf­tet der streit­ge­nös­si­sche Neben­in­ter­ve­ni­ent in der Regel mit der Haupt­par­tei nach Kopf­tei­len (§ 101 Abs. 2, § 100 Abs. 1 ZPO) 7. Ist der streit­ge­nös­si­sche Neben­in­ter­ve­ni­ent aller­dings allei­ni­ger Rechts­mit­tel­füh­rer, fal­len ihm bei des­sen Erfolg­lo­sig­keit die Kos­ten des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens gemäß § 97 Abs. 1 ZPO allein zur Last 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2019 – II ZR 94/​17

  1. BGH, Beschluss vom 17.03.2004 – IV ZB 21/​02, WM 2005, 394 Rn. 8 mwN; Beschluss vom 17.07.2006 – II ZR 163/​03, AG 2006, 666 Rn. 3; Beschluss vom 28.10.2008 – VIII ZB 28/​08, NJW-RR 2009, 422 Rn. 5; Beschluss vom 15.09.2009 – IX ZB 36/​08, Zin­sO 2009, 2113 Rn. 3; Urteil vom 18.04.2013 – III ZR 156/​12, BGHZ 197, 147 Rn. 13; Beschluss vom 07.02.2017 – II ZR 28/​15, GmbHR 2017, 519 Rn. 15; Beschluss vom 07.02.2018 – VII ZB 28/​17 10; Beschluss vom 05.12 2018 – VII ZB 17/​18 8[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.06.2005 XII ZR 177/​03, BGHZ 163, 195; Beschluss vom 17.07.2006 – II ZR 163/​03, AG 2006, 666 Rn. 4; Beschluss vom 28.10.2008 – VIII ZB 28/​08, NJW-RR 2009, 422 Rn. 5; Beschluss vom 15.09.2009 – IX ZB 36/​08, Zin­sO 2009, 2113 Rn. 4; Beschluss vom 07.02.2018 – VII ZB 28/​17 10; Beschluss vom 05.12 2018 – VII ZB 17/​18 8[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 07.02.2017 – II ZR 28/​15, GmbHR 2017, 519 Rn. 16[]
  4. BGH, Beschluss vom 03.04.2003 – V ZB 44/​02, BGHZ 154, 351, 354; Beschluss vom 14.07.2003 – II ZB 15/​02, NJW 2003, 3354, 3355; Beschluss vom 18.06.2007 – II ZB 23/​06, ZIP 2007, 1337 Rn. 6[]
  5. vgl. OLG Hamm, OLGR Hamm 2008, 195, 196; Beck­OK ZPO/​Jaspersen, 34. Edi­ti­on vom 01.09.2019, § 101 Rn. 12; Prütting/​Gehrlein/​Schneider, ZPO, 11. Aufl., § 101 Rn.19; Saenger/​Gierl, ZPO, 8. Aufl., § 101 Rn. 6; Musielak/​Voit/​Flockenhaus, ZPO, 16. Aufl., § 101 Rn. 3; Zöller/​Herget, ZPO, 32. Aufl., § 101 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 5. Aufl., § 101 Rn. 14; aA OLG Cel­le, MDR 2005, 778, 779; OLG Saar­brü­cken, MDR 1996, 967, 968; Stein/​Jonas/​Muthorst, ZPO, 23. Aufl., § 101 Rn. 5[]
  6. BGH, Beschluss vom 03.06.1985 – II ZR 248/​84, JZ 1985, 853, 854; Beschluss vom 18.06.2007 – II ZB 23/​06, ZIP 2007, 1337 Rn. 7 f.; Beschluss vom 15.06.2009 – II ZB 8/​08, ZIP 2009, 1538 Rn. 12; Beschluss vom 14.06.2010 – II ZB 15/​09, ZIP 2010, 1771 Rn. 9; Beschluss vom 15.09.2014 – II ZB 22/​13, WM 2014, 2222 Rn. 6[]
  7. BGH, Beschluss vom 14.05.2013 – II ZR 262/​08, ZIP 2013, 1691 Rn. 12; Beschluss vom 07.02.2017 – II ZR 28/​15, GmbHR 2017, 519 Rn. 14; Stein/​Jonas/​Muthorst, ZPO, 23. Aufl., § 100 Rn. 6[]
  8. Beck­OK ZPO/​Jaspersen, 34. Edi­ti­on vom 01.09.2019, ZPO § 101 Rn. 26a; Stein/​Jonas/​Muthorst, ZPO, 23. Aufl., § 100 Rn. 7; Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 5. Aufl., § 100 Rn. 8[]