Ter­mins­ver­schie­bung in Fami­li­en­sa­chen wegen noch anhän­gig zu machen­der Fol­ge­sa­chen

Das Ver­fah­ren des Amts­ge­richts ist nicht zu bean­stan­den, soweit es den Ter­min in der Schei­dungs­sa­che so bestimmt hat, dass es der Antrags­geg­ne­rin nach Zugang der Ladung unter Ein­hal­tung der Zwei­Wo­chen­Frist des § 137 Abs. 2 Satz 1 FamFG und unter Berück­sich­ti­gung einer zusätz­li­chen Woche für die Vor­be­rei­tung des Antra­ges mög­lich gewe­sen wäre, eine Fol­ge­sa­che im Schei­dungs­ver­bund anhän­gig zu machen1.

Ter­mins­ver­schie­bung in Fami­li­en­sa­chen wegen noch anhän­gig zu machen­der Fol­ge­sa­chen

Dem Amts­ge­richt kann nicht vor­ge­wor­fen wer­den, dem in der münd­li­chen Ver­hand­lung von der Antrags­geg­ne­rin geäu­ßer­ten Wunsch nach Ver­ta­gung der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht ent­spro­chen zu haben. Da die Ter­mins­be­stim­mung durch das Amts­ge­richt nicht zu bean­stan­den war, hat­te die Antrags­geg­ne­rin kei­nen Anspruch auf Ter­mins­än­de­rung2. Im Übri­gen kom­men Ter­mins­än­de­run­gen auf Antrag oder von Amts wegen nur aus erheb­li­chen Grün­den in Betracht (§ 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG iVm § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Dem­je­ni­gen Ehe­gat­ten, der eine Schei­dungs­fol­ge in den Ver­bund ein­be­zie­hen will, obliegt es grund­sätz­lich selbst, für sei­ne anwalt­li­che Ver­tre­tung und dafür zu sor­gen, dass der Fol­ge­an­trag inner­halb der gesetz­li­chen Fris­ten bei dem Amts­ge­richt ange­bracht wird. Der Wunsch eines Ehe­gat­ten, trotz Ver­säu­mung der Frist des § 137 Abs. 2 Satz 1 FamFG noch eine Fol­ge­sa­che im Schei­dungs­ver­bund anhän­gig machen zu kön­nen, begrün­det des­halb für sich genom­men kei­nen erheb­li­chen Grund für eine Ter­mins­än­de­rung, und zwar auch dann nicht, wenn wie hier – zwi­schen den betei­lig­ten Ehe­leu­ten außer­ge­richt­lich bereits über die­se Fol­ge­sa­che ver­han­delt wird3. Etwas ande­res ergibt sich unter den obwal­ten­den Umstän­den auch nicht aus den Bestim­mun­gen des in der münd­li­chen Ver­hand­lung erör­ter­ten Schei­dungs­fol­gen­ver­tra­ges, wonach die Rege­lung des nach­ehe­li­chen Unter­halts „der geson­der­ten Rege­lung im Schei­dungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten” wer­den soll­te. Hier­aus lässt sich nicht her­lei­ten, dass der Antrag­stel­ler (oder das Gericht) eine Mit­ver­ant­wor­tung für die recht­zei­ti­ge Ein­be­zie­hung des nach­ehe­li­chen Unter­halts als Fol­ge­sa­che in den Schei­dungs­ver­bund zu über­neh­men hät­ten.

Das Fami­li­en­ge­richt ist grund­sätz­lich auch nicht ver­pflich­tet, die geschlos­se­ne münd­li­che Ver­hand­lung in einer Ehe­sa­che nur des­halb wie­der zu eröff­nen, um einem Ehe­gat­ten noch die Gele­gen­heit zur Ein­be­zie­hung von Fol­ge­sa­chen in den Schei­dungs­ver­bund zu ermög­li­chen4.

Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich hier auch nicht im Hin­blick dar­auf, dass der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te der Antrags­geg­ne­rin die von ihr in der münd­li­chen Ver­hand­lung erklär­te Zustim­mung zur Ehe­schei­dung nach Ein­sicht in die Gerichts­ak­ten gege­be­nen­falls schon in einem wei­te­ren Schrift­satz gegen­über dem Amts­ge­richt und nicht erst in der Beschwer­de­be­grün­dung hät­te wider­ru­fen kön­nen. Die Zustim­mung zur Schei­dung kann nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung wider­ru­fen wer­den (§ 134 Abs. 2 Satz 1 FamFG). Dies schließt es frei­lich nicht von vorn­her­ein aus, dass das Gericht einen nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung erklär­ten Wider­ruf nach sei­nem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen zur Ver­mei­dung eines Rechts­mit­tel­ver­fah­rens zum Anlass für die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung nimmt (§ 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG iVm §§ 296 a Satz 2, 156 Abs. 1 ZPO). Unter die­sem Gesichts­punkt wird eine Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung aller­dings nur dann in Betracht kom­men, wenn der Wider­ruf mit dem ein­deu­ti­gen und vor­be­halt­lo­sen Ziel erfolgt, die Ehe auf­recht­zu­er­hal­ten5. Ver­folgt der Ehe­gat­te mit sei­nem Wider­ruf wie es hier erklär­ter­ma­ßen der Fall war und ist dage­gen ledig­lich das Ziel, Anträ­ge in Fol­ge­sa­chen inner­halb des Schei­dungs­ver­bun­des mög­lich zu machen, kann auf den Wider­ruf der Zustim­mung zur Schei­dung weder ein Rechts­mit­tel6 noch ein Begeh­ren auf Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung gestützt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2013 – XII ZB 87/​12

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 05.06.2013 – XII ZB 427/​11 Fam­RZ 2013, 1300 Rn. 10; und vom 21.03.2012 – XII ZB 447/​10 Fam­RZ 2012, 863 Rn. 24
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 447/​10 Fam­RZ 2012, 863 Rn. 25
  3. vgl. auch Nickel in Beck­OK FamFG [Stand: Juli 2013] § 137 Rn. 29a
  4. Hk-ZPO/K­em­per 5. Aufl. § 137 FamFG Rn. 12
  5. vgl. dazu BGH, Urteil BGHZ 89, 325, 328 f. = Fam­RZ 1984, 350, 351
  6. Neu­mann in Beck­OK BGB [Stand: Mai 2013] § 1566 Rn. 8; vgl.auch OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2013, 652, 653