Unfall­ver­si­che­rungs­schutz beim Essen

Kraft Geset­zes sind in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auch Kin­der ver­si­chert wäh­rend des Besuchs von Tages­ein­rich­tun­gen, deren Trä­ger für den Betrieb der Ein­rich­tun­gen der Erlaub­nis nach § 45 SGB VIII oder einer Erlaub­nis auf­grund einer ent­spre­chen­den lan­des­recht­li­chen Rege­lung bedür­fen sowie für Kin­der, die durch geeig­ne­te Tages­pfle­ge­per­so­nen im Sin­ne von § 23 SGB VIII betreut wer­den, § 2 Abs. 1 Nr. 8 a SGB VII.

Unfall­ver­si­che­rungs­schutz beim Essen

Die­ser unfall­ver­si­che­rungs­recht­li­che Schutz von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen nach § 2 Abs. 1 Nr. 8a SGB VII ist umfas­send. Von ihm wird ins­be­son­de­re auch die Ein­nah­me von Mahl­zei­ten umfasst. Dif­fe­ren­zie­run­gen nach dem Alter der Kin­der sind weder nach dem Geset­zes­wort­laut noch nach der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te noch nach Sinn und Zweck der Norm vor­zu­neh­men.

Schü­ler ste­hen daher wäh­rend ihrer Betreu­ung in Hort­ein­rich­tun­gen auch beim Essen unter dem erwei­ter­ten Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Dies hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men im Fal­le eines damals 7‑jährigen Jun­gen ent­schie­den, der seit einem tra­gi­schen Unfall im Rah­men einer Hort­be­treu­ung schwerst­be­hin­dert ist und um die Fest­stel­lung strei­tet, dass es sich hier­bei um einen Arbeits­un­fall han­delt.

Die Hort­ein­rich­tung, die als pri­va­ter ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein orga­ni­siert ist, hat­te im Dezem­ber 2003 ein gemein­sa­mes Schwim­men mit den von ihr betreu­ten Schü­lern in einem Hal­len­bad in Han­no­ver orga­ni­siert. Nach dem Schwim­men sam­mel­ten sich die Kin­der, soweit sie mit dem Umzie­hen und Föh­nen fer­tig waren, nach und nach im Vor­raum des Schwimm­ba­des. Eine anwe­sen­de Erzie­he­rin ver­teil­te dort an die schon war­ten­den Kin­der mit­ge­brach­te Lebens­mit­tel, u. a. Pfann­ku­chen. Nach einer Wei­le ent­deck­te sie den damals 7‑jährigen Klä­ger leb­los am Boden. Trotz ein­ge­lei­te­ter Wie­der­be­le­bung und Not­arzt­ein­satz lei­det der Jun­ge seit­dem unter einer schwe­ren Mehr­fach­be­hin­de­rung (u. a. voll­stän­di­ge Immo­bi­li­tät, schwe­re kogni­ti­ve Defi­zi­te sowie Blind­heit).

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat damit die Ent­schei­dung des erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­ten Sozi­al­ge­richts Han­no­ver 1 bestä­tigt, dass das Kind damals einen Arbeits­un­fall erlit­ten und damit unter dem Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung gestan­den hat. Ange­grif­fen wor­den war dies von der Lan­des­un­fall­kas­se Nie­der­sach­sen, dem zustän­di­gen Trä­ger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Die Lan­des­un­fall­kas­se hat­te auch im Beru­fungs­ver­fah­ren bezwei­felt, dass der Herz­still­stand des Jun­gen über­haupt durch ein­ge­at­me­te Pfann­ku­chen­res­te aus­ge­löst wor­den ist, und sich dar­über hin­aus gegen einen so weit­rei­chen­den Unfall­ver­si­che­rungs­schutz von Kin­dern in Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen gewandt, wenn die Kin­der bereits das Schul­al­ter erreicht haben.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men hat in der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung ins­be­son­de­re dar­auf ver­wie­sen, dass auch das gemein­sa­me Essen wäh­rend der Betreu­ung des Schü­lers durch die Hort­ein­rich­tung unter dem Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung gestan­den hat. Dem­ge­gen­über ist das Essen und Trin­ken bei Erwach­se­nen regel­mä­ßig dem per­sön­li­chen Lebens­be­reich zuzu­ord­nen, so dass hier­bei kein gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rungs­schutz besteht.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Cel­le hat fer­ner fest­ge­stellt, dass der Unfall mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit durch das Ein­at­men von Pfann­ku­chen­tei­len her­bei­ge­führt wor­den ist. Dies sei u. a. dar­aus zu schlie­ßen, dass man Krü­mel im Mund des Jun­gen gefun­den habe, als die­ser reg­los am Boden lag, und dass Ver­än­de­run­gen im Rönt­gen­bild der Lun­ge erkenn­bar gewor­den sei­en, die typisch für die Ein­at­mung von Fremd­kör­pern sei­en.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 24. Febru­ar 2009 – L 9 U 41/​06

  1. SG Han­no­ver – S 36 U 454/​04[]