Wie­der­ein­set­zung bei über­lan­ger Dau­er der Tele­fa­x­über­mitt­lung

Die (Beschwer­de-)Frist ist nur gewahrt, wenn der frist­ge­bun­de­ne Schrift­satz vor Frist­ab­lauf voll­stän­dig ein­ge­gan­gen ist 1.

Wie­der­ein­set­zung bei über­lan­ger Dau­er der Tele­fa­x­über­mitt­lung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs trifft einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten kein Ver­schul­den an dem ver­spä­te­ten Ein­gang eines frist­ge­bun­de­nen Schrift­sat­zes, wenn die Tele­fa­x­über­mitt­lung ‑etwa wegen tech­ni­scher Stö­run­gen am Emp­fangs­ge­rät oder wegen Lei­tungs­stö­run­gen- einen Zeit­raum bean­sprucht, mit dem er nicht rech­nen muss­te 2.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist nach dem glaub­haft gemach­ten Vor­brin­gen des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers von einem sol­chen Fall aus­zu­ge­hen. Denn sein Vor­trag, er habe um 23:50 Uhr mit der Über­mitt­lung sei­ner Beschwer­de­be­grün­dung begon­nen, deckt sich mit dem Auf­druck sei­nes Fax­ge­räts auf Sei­te 1 des klä­ge­ri­schen Schrift­sat­zes. Um 23:54 Uhr, also vier Minu­ten spä­ter, wur­de Sei­te 7 der Beschwer­de­be­grün­dung über­mit­telt. Für die Über­mitt­lung der rest­li­chen acht Sei­ten der Beschwer­de­schrift vor 0 Uhr ver­blie­ben somit noch knap­pe sechs Minu­ten, die ‑so der Schrift­satz wei­ter so zügig über­mit­telt wor­den wäre- aus­ge­reicht hät­ten. Sei­te 8 der Beschwer­de­schrift erreich­te den BFH aller­dings erst um 23:57 Uhr und Sei­te 9 wur­de um 00:02 Uhr, also bereits am 28.12 2012, über­mit­telt. Mit Über­tra­gungs­dau­ern von meh­re­ren Minu­ten je Sei­te (zwi­schen der Über­tra­gung der Sei­te 14 und der Sei­te 15 lie­gen fünf Minu­ten, obwohl die Sei­te 15 nur zur Hälf­te beschrie­ben ist) muss­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers nicht rech­nen, son­dern durf­te dar­auf ver­trau­en, dass die Beschwer­de­be­grün­dung inner­halb der übli­chen Über­tra­gungs­dau­er an den Bun­des­fi­nanz­hof über­mit­telt wird. An der mög­li­cher­wei­se auf Lei­tungs­stö­run­gen beru­hen­den län­ge­ren Über­tra­gungs­dau­er bei der Über­mitt­lung des Schrift­sat­zes vom 27.12 2012 trifft ihn daher kein ihm zuzu­rech­nen­des Ver­schul­den. Dies gilt auch dann, wenn man berück­sich­tigt, dass das gesam­te Doku­ment beim Fax­ge­rät des Bun­des­fi­nanz­hofs um 0:28 Uhr ein­ge­gan­gen ist, das Fax­ge­rät des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers es aber bereits um 0:27 Uhr, also eine Minu­te frü­her, gesen­det hat. Berück­sich­tigt man die­se Über­tra­gungs­zeit bei dem Gesamt­do­ku­ment, ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Beschwer­de­be­grün­dung bei einer nor­ma­len Über­tra­gungs­dau­er noch vor 24 Uhr beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­gan­gen wäre.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. März 2014 – X B 230/​12

  1. BFH, Beschluss vom 08.07.2011 – III B 7/​10, BFH/​NV 2011, 1895[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.07.2012 – VIII ZB 15/​12, HFR 2013, 267, m.w.N.[]