Grund­stücks­ver­kauf und der nach­träg­li­che Schuld­zin­sen­ab­zug

Schuld­zin­sen, die auf Ver­bind­lich­kei­ten ent­fal­len, wel­che der Finan­zie­rung von Anschaf­fungs­kos­ten eines zur Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung genutz­ten Wohn­grund­stücks dien­ten, kön­nen auch nach einer nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie grund­sätz­lich wei­ter als (nach­träg­li­che) Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den, wenn und soweit die Ver­bind­lich­kei­ten durch den Ver­äu­ße­rungs­er­lös nicht getilgt wer­den kön­nen. Auch auf ein Refi­nan­zie­rungs- oder Umschul­dungs­dar­le­hen gezahl­te Schuld­zin­sen kön­nen im Ein­zel­fall durch die (frü­he­re) Ein­künf­te­er­zie­lung ver­an­lasst sein.

Grund­stücks­ver­kauf und der nach­träg­li­che Schuld­zin­sen­ab­zug

War der Steu­er­pflich­ti­ge an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt, ist ihm ein von der Gesell­schaft zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten eines zur Ver­mie­tung bestimm­ten Wohn­grund­stücks auf­ge­nom­me­nes und ursprüng­lich durch die­se Ein­künf­te­er­zie­lung ver­an­lass­tes Dar­le­hen nach der Been­di­gung der Gesell­schaft grund­sätz­lich in dem Umfang zuzu­rech­nen, in dem ihm vor­mals auch Ein­künf­te antei­lig zuzu­rech­nen waren.

Der Klä­ger des hier vom Bun­des­fi­nanz­hofs ent­schie­de­nen Rechts­streits war an einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) betei­ligt, die im Jahr 1996 ein Mehr­fa­mi­li­en­haus errich­te­te, wel­ches nach Fer­tig­stel­lung der Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung dien­te. Die GbR ver­äu­ßer­te das Mehr­fa­mi­li­en­haus im Jahr 2007 – nach Ablauf der Ver­äu­ße­rungs­frist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG). Der Erlös aus der nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie reich­te nicht aus, um die im Zuge der Her­stel­lung des Objekts auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hens­ver­bind­lich­kei­ten voll­stän­dig aus­zu­glei­chen. Das ver­blie­be­ne Rest­dar­le­hen wur­de daher antei­lig durch den Klä­ger getilgt. Hier­für muss­te er ein neu­es (Umschuldungs-)Darlehen auf­neh­men; die auf die­ses Dar­le­hen gezahl­ten Schuld­zin­sen mach­te der Klä­ger im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen für die Streit­jah­re 2009 und 2010 als (nach­träg­li­che) Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen nicht; das Finanz­ge­richt gab dem Klä­ger dem­ge­gen­über recht. Der Bun­des­fi­nanz­hof hob nun das finanz­ge­richt­li­che Urteil auf und ver­wies die Sache zurück an das Finanz­ge­richt. Nach den bis­her getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts konn­te der Bun­des­fi­nanz­hof nicht ent­schei­den, ob die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen im Ein­zel­fall als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sind.

Die jet­zi­ge Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs knüpft an sein Urteil vom 20.06.2012 1 an, mit dem der Bun­des­fi­nanz­hof den nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen­ab­zug auch schon im Fal­le einer nach § 23 EStG steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung zuge­las­sen hat­te. In sei­ner jet­zi­gen Ent­schei­dung erwei­tert der Bun­des­fi­nanz­hof die Mög­lich­keit des Schuld­zin­sen­ab­zugs: ein sol­cher ist grund­sätz­lich auch nach einer nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie mög­lich, wenn und soweit die Ver­bind­lich­kei­ten durch den Ver­äu­ße­rungs­er­lös nicht getilgt wer­den kön­nen. Vor­aus­set­zung ist dafür aber u.a., dass der Steu­er­pflich­ti­ge den aus der Ver­äu­ße­rung der bis­lang ver­mie­te­ten Immo­bi­lie erziel­ten Erlös ‑soweit nicht Til­gungs­hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen- stets und in vol­lem Umfang zur Ablö­sung des Anschaf­fungs­dar­le­hens ver­wen­det. Auch auf Refi­nan­zie­rungs- oder Umschul­dungs­dar­le­hen gezahl­te Schuld­zin­sen erkennt der BFH grund­sätz­lich an, soweit die Valu­ta des Umschul­dungs­dar­le­hens nicht über den abzu­lö­sen­den Rest­dar­le­hens­be­trag hin­aus­geht und die Umschul­dung sich im Rah­men einer markt­üb­li­chen Finan­zie­rung ‑wozu regel­mä­ßig auch eine ver­trag­lich fixier­te Til­gungs­ver­ein­ba­rung gehört- bewegt.

Da das Finanz­ge­richt die letzt­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen im Rah­men der Vor­ent­schei­dung nicht geprüft hat, hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Sache an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Wer­bungs­kos­ten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Hier­zu zäh­len auch Schuld­zin­sen, soweit die­se mit einer Ein­kunfts­art, vor­lie­gend den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung i.S. des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG, im wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 Satz 1 EStG).

Ein steu­er­recht­lich anzu wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang von Schuld­zin­sen mit Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs gege­ben, wenn ein objek­ti­ver Zusam­men­hang die­ser Auf­wen­dun­gen mit der Über­las­sung eines Ver­mie­tungs­ob­jek­tes zur Nut­zung besteht und sub­jek­tiv die Auf­wen­dun­gen zur För­de­rung die­ser Nut­zungs­über­las­sung gemacht wer­den. Mit der erst­ma­li­gen (d.h. tat­säch­li­chen) Ver­wen­dung einer Dar­le­hens­va­lu­ta zur Anschaf­fung eines Ver­mie­tungs­ob­jek­tes wird die maß­geb­li­che Ver­bind­lich­keit die­sem Ver­wen­dungs­zweck unter­stellt 2.

Mit dem genann­ten Urteil in BFHE 237, 368, BSt­Bl II 2013, 275 hat der BFH die in der frü­he­ren Recht­spre­chung ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zur beschränk­ten Abzieh­bar­keit nach­träg­li­cher Schuld­zin­sen bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung 3 auf­ge­ge­ben.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ging in der genann­ten Grund­satz­ent­schei­dung davon aus, dass die die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung prä­gen­de Erwä­gung, ein ursprüng­lich bestehen­der wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen einem zur Finan­zie­rung von Anschaf­fungs­kos­ten auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen und den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung sei mit der Ver­äu­ße­rung des Grund­stücks been­det und das anschlie­ßend fort­be­stehen­de (Rest-)Darlehen habe sei­ne Ursa­che in dem im pri­va­ten Ver­mö­gens­be­reich erlit­te­nen, nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ver­lust, vor dem Hin­ter­grund der mit dem Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999/​2000/​2002 getrof­fe­nen gesetz­ge­be­ri­schen Grund­ent­schei­dung, Wert­stei­ge­run­gen bei der Ver­äu­ße­rung von Wirt­schafts­gü­tern des Pri­vat­ver­mö­gens in deut­lich erwei­ter­tem Umfang zu erfas­sen, nicht län­ger tra­gen kön­ne. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die­se sys­tem­prä­gen­den und ‑ver­än­dern­den gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zum Anlass genom­men, sei­ne von der sog. "Sur­ro­ga­ti­ons­be­trach­tung" getra­ge­ne Recht­spre­chung, mit der er auch schon bis­her den Abzug "nach­träg­li­cher" Schuld­zin­sen bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zuge­las­sen hat, zu erwei­tern, um die not­wen­di­ge steu­er­recht­li­che Gleich­be­hand­lung von nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen bei den Gewinn- und den Über­schus­s­ein­künf­ten wie­der her­zu­stel­len.

Die bei allen Ein­künf­ten i.S. des § 2 Abs. 1 EStG zur Anwen­dung kom­men­de Sur­ro­ga­ti­ons­be­trach­tung geht von fol­gen­der Grund­über­le­gung aus: Wird ein ein­zel­nes Wirt­schafts­gut (oder eine kom­plet­te Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit von Wirt­schafts­gü­tern, wie etwa ein Betrieb), in das (oder in die) der Steu­er­pflich­ti­ge Dar­le­hens­mit­tel inves­tiert hat, ver­äu­ßert und der Ver­äu­ße­rungs­er­lös sei­ner­seits zum Zwe­cke der Ein­kunfts­er­zie­lung ein­ge­setzt, kön­nen die für das zurück­be­hal­te­ne bzw. auf­recht­erhal­te­ne Dar­le­hen gezahl­ten Zin­sen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen wei­ter als Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben bei der neu­en Ein­kunfts­quel­le zu berück­sich­ti­gen sein. Die Anwen­dung der Sur­ro­ga­ti­ons­be­trach­tung bei der Prü­fung des ‑fort­dau­ern­den- Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs im Fal­le von Ände­run­gen in der Ver­wen­dung von Dar­le­hens­mit­teln ent­spricht der stän­di­gen, von der Finanz­ver­wal­tung in vol­lem Umfang akzep­tier­ten Recht­spre­chung des BFH 4 und ist auch in der Lite­ra­tur all­ge­mein aner­kannt 5.

Auch die Finanz­ver­wal­tung sieht es im Hin­blick auf den Grund­satz der steu­er­li­chen Gleich­be­hand­lung von nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen bei Gewinn- und Über­schus­s­ein­kunfts­ar­ten als not­wen­dig an, Schuld­zin­sen, die bis­her ohne Rück­griff auf die Sur­ro­ga­ti­ons­be­trach­tung aus ande­ren Erwä­gun­gen als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung Aner­ken­nung fan­den 6, künf­tig nach die­sem, für alle Ein­künf­te ein­heit­li­chen Maß­stab und unter Berück­sich­ti­gung des sog. Grund­sat­zes des Vor­rangs der Schul­den­til­gung ‑s. unter II. 4.b aa der Grün­de- zu behan­deln 7.

Die voll­stän­di­ge Über­tra­gung die­ser Erwä­gun­gen auf die Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung führt dazu, dass ein ein­mal begrün­de­ter (und zwi­schen­zeit­lich auch nicht aus ande­ren Grün­den weg­ge­fal­le­ner) wirt­schaft­li­cher Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang eines Dar­le­hens mit Ein­künf­ten i.S. des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nicht allein des­halb ent­fällt, weil die mit den Dar­le­hens­mit­teln ange­schaff­te Immo­bi­lie ver­äu­ßert wird. Viel­mehr setzt sich der ursprüng­li­che Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Dar­le­hen und den Ein­künf­ten aus der Ver­mie­tung ‑unab­hän­gig von der Ver­äu­ße­rung und mit­hin auch unab­hän­gig von der Fra­ge ihrer Steu­er­bar­keit- am Ver­äu­ße­rungs­preis fort. Daher sind nach­träg­li­che Schuld­zin­sen, die auf ein sol­ches Dar­le­hen ent­fal­len, grund­sätz­lich auch nach einer Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie außer­halb der Frist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG wei­ter als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen, wenn und soweit die Ver­bind­lich­kei­ten durch den Ver­äu­ße­rungs­er­lös nicht getilgt wer­den kön­nen 8.

Für die Berück­sich­ti­gung nach­träg­li­cher Schuld­zin­sen bei den Ein­künf­ten i.S. des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG ist daher maß­geb­lich, was mit dem Ver­äu­ße­rungs­preis geschieht.

Schafft der Steu­er­pflich­ti­ge damit eine neue Ein­kunfts­quel­le ‑etwa ein zur Ver­mie­tung bestimm­tes Immo­bi­li­en­ob­jekt- an, besteht der Zusam­men­hang (ggf. antei­lig in Höhe des ver­wen­de­ten Erlö­ses) am neu­en Objekt fort 9.

Wird kein neu­es Objekt und auch kei­ne ander­wei­ti­ge Ein­kunfts­quel­le ange­schafft, kommt es dar­auf an, ob der Ver­kaufs­er­lös aus­reicht, um das Dar­le­hen abzu­lö­sen.

Ist dies der Fall, endet der wirt­schaft­li­che Zusam­men­hang i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG mit der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung, und zwar unab­hän­gig davon, ob der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich das Dar­le­hen ablöst, oder ob er den Ver­äu­ße­rungs­er­lös ander­wei­tig (pri­vat) ver­wen­det und das Dar­le­hen bestehen lässt. Denn im letzt­ge­nann­ten Fall wird der grund­sätz­lich fort­be­stehen­de Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang von einer pri­vat moti­vier­ten Ent­schei­dung ‑die Nicht­ab­lö­sung des Dar­le­hens bzw. der ander­wei­ti­gen Ver­wen­dung des Ver­kaufs­er­lö­ses- ersetzt 10.

Ein dahin gehen­des, pri­vat moti­vier­tes Ver­hal­ten stün­de zudem im Wider­spruch zu dem aus den gesell­schafts­recht­li­chen Bestim­mun­gen der §§ 734, 735 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches und § 145 des Han­dels­ge­setz­bu­ches abge­lei­te­ten und im Rah­men der Berück­sich­ti­gung nach­träg­li­cher Schuld­zin­sen bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung sinn­ge­mäß anzu­wen­den­den sog. Grund­satz des Vor­rangs der Schul­den­til­gung 11. Nach die­sem Grund­satz hat die Til­gung von Schul­den der Gesell­schaft im Zuge ihrer Auf­lö­sung ‑mit­tels des dem Gesell­schaf­ter zur Ver­fü­gung ste­hen­den (Betriebs-)Vermögens- Vor­rang vor der Befrie­di­gung pri­va­ter Bedürf­nis­se der Gesell­schaf­ter oder ihrer Ansprü­che gegen­über der Gesell­schaft 12. Ver­wer­tungs­hin­der­nis­se recht­fer­ti­gen im Ein­zel­fall eine Aus­nah­me vom Grund­satz des Vor­rangs der Schul­den­til­gung; dies gilt jedoch nur für sol­che Ver­wer­tungs­hin­der­nis­se, die ihren Grund in der ursprüng­li­chen ein­künf­te­be­zo­ge­nen Sphä­re haben 13.

Über­tra­gen auf die Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung bedeu­tet dies, dass der Steu­er­pflich­ti­ge den aus der Ver­äu­ße­rung der bis­lang ver­mie­te­ten Immo­bi­lie erziel­ten Erlös ‑soweit nicht Til­gungs­hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen- stets und in vol­lem Umfang zur Ablö­sung eines im Zusam­men­hang mit der Ein­künf­te­er­zie­lung auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hens ver­wen­den muss 14.

Ver­äu­ßert der Steu­er­pflich­ti­ge dem­ge­gen­über die ver­mie­te­te Immo­bi­lie, reicht der Ver­kaufs­er­lös aber nicht aus, ein hier­für auf­ge­nom­me­nes Dar­le­hen abzu­lö­sen, bleibt ‑in einem ers­ten Schritt- der nicht ablös­ba­re Teil des (fort­ge­führ­ten) Anschaf­fungs­dar­le­hens im Zusam­men­hang mit den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung 8.

Da die Recht­spre­chung des BFH zur Aner­ken­nung von Schuld­zin­sen als Wer­bungs­kos­ten indes nicht allein auf den ursprüng­li­chen, mit der Schuld­auf­nah­me ver­folg­ten Zweck und damit aus­schließ­lich auf die erst­ma­li­ge Ver­wen­dung der Dar­le­hens­mit­tel abstellt, kön­nen ‑in einem zwei­ten Schritt- auch auf ein Refi­nan­zie­rungs– oder Umschul­dungs­dar­le­hen gezahl­te Schuld­zin­sen dem Grun­de nach durch die (frü­he­re) Ein­künf­te­er­zie­lung ver­an­lasst sein 15. Vor die­sem Hin­ter­grund kann auch ein Dar­le­hen, das nicht unmit­tel­bar dazu dient, Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten einer zur Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung genutz­ten Immo­bi­lie zu finan­zie­ren, son­dern auf­ge­nom­men wird, um ein bereits frü­her auf­ge­nom­me­nes und nach Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie fort­ge­führ­tes Anschaf­fungs­dar­le­hen umzu­schul­den, mit Blick auf die Sur­ro­ga­ti­ons­be­trach­tung noch in einem mit­tel­ba­ren ‑und damit hin­rei­chen­den 16- wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG mit der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung ste­hen. Hat das "Alt­dar­le­hen" der Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten eines Wirt­schafts­guts gedient, dient in die­sen Fäl­len ‑wirt­schaft­lich gese­hen- auch das umge­schul­de­te "neue Dar­le­hen" (noch immer) der Finan­zie­rung die­ser Anschaf­fungs- bzw. Her­stel­lungs­kos­ten, soweit die Valu­ta des Umschul­dungs­dar­le­hens nicht über den abzu­lö­sen­den Rest­dar­le­hens­be­trag hin­aus­geht und die Umschul­dung sich im Rah­men einer markt­üb­li­chen Finan­zie­rung ‑wozu regel­mä­ßig auch eine ver­trag­lich fixier­te Til­gungs­ver­ein­ba­rung gehört- bewegt 17.

Hat der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne ursprüng­li­che steu­er­ba­re Tätig­keit in gesell­schafts­recht­li­cher Ver­bun­den­heit aus­ge­übt, ist es für die Berück­sich­ti­gung von nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen nach Ver­äu­ße­rung der bis­lang zur Ein­künf­te­er­zie­lung genutz­ten Immo­bi­lie über­dies von Bedeu­tung, in wel­chem Umfang der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ner­zeit den objek­ti­ven Tat­be­stand des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG selbst erfüllt hat. Die Fra­ge nach dem objek­ti­ven Tat­be­stand des § 21 EStG ist dabei vor­nehm­lich eine Fra­ge der Zurech­nung von Ein­künf­ten 18; für die Zurech­nung von zur Ein­künf­te­er­zie­lung genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern ‑auch für Dar­le­hen- gilt inso­weit die Bruch­teils­be­trach­tung 19. War der Steu­er­pflich­ti­ge ‑wie im Streit­fall- an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt, ist ihm daher ein von der Gesell­schaft zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten einer zur Ver­mie­tung bestimm­ten Immo­bi­lie auf­ge­nom­me­nes und ursprüng­lich durch die­se Ein­künf­te­er­zie­lung ver­an­lass­tes Dar­le­hen nach der Been­di­gung der Gesell­schaft grund­sätz­lich in dem glei­chen Umfang zuzu­rech­nen, in dem ihm vor­mals auch Ein­künf­te antei­lig zuzu­rech­nen waren. Jeden­falls in die­sem Umfang kann der Steu­er­pflich­ti­ge ‑unter den ein­gangs genann­ten wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen- grund­sätz­lich auch Schuld­zin­sen als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten gel­tend machen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. April 2014 – IX R 45/​13

  1. BFH, Urteil vom 20.06.2012 – IX R 67/​10, BSt­Bl II 2013, 275[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 237, 368, BSt­Bl II 2013, 275, m.w.N.[]
  3. vgl. etwa BFH, Urtei­le vom 25.04.1995 – IX R 114/​92, BFH/​NV 1995, 966; vom 07.08.1990 – VIII R 67/​86, BFHE 162, 48; vom 21.12 1982 – VIII R 48/​82, BFHE 138, 47, BSt­Bl II 1983, 373[]
  4. z.B. BFH, Urtei­le vom 01.10.1996 – VIII R 68/​94, BFHE 182, 312, BSt­Bl II 1997, 454; vom 07.07.1998 – VIII R 5/​96, BFHE 186, 526, BSt­Bl II 1999, 209; vom 08.04.2003 – IX R 36/​00, BFHE 202, 280, BSt­Bl II 2003, 706; vom 17.08.2005 – IX R 23/​03, BFHE 211, 143, BSt­Bl II 2006, 248; vom 27.03.2007 – VIII R 28/​04, BFHE 217, 460, BSt­Bl II 2007, 699[]
  5. z.B. Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 438 "Ände­rung der Darlehensqualifikation/​Umwidmung"; Blümich/​Thürmer, § 9 EStG Rz 210; Schmidt/​Loschelder, EStG, 33. Aufl., § 9 Rz 82; Blümich/​Ebling, § 17 EStG Rz 546; Pfirr­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 21 EStG Rz 300 "Nach­träg­li­che Schuld­zin­sen" und "Umwid­mung von Dar­le­hen", jeweils als Unter­punkt bei "Schuld­zin­sen"; Blümich/​Heuermann, § 21 EStG Rz 276; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 13. Aufl., § 24 EStG Rz 42[]
  6. s. BFH, Urteil vom 16.09.1999 – IX R 42/​97, BFHE 190, 165, BSt­Bl II 2001, 528; vom 12.10.2005 – IX R 28/​04, BFHE 211, 255, BSt­Bl II 2006, 407, zu Schuld­zin­sen für dar­le­hens­fi­nan­zier­te Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen[]
  7. BMF, Schrei­ben vom 15.01.2014, BSt­Bl I 2014, 108[]
  8. vgl. BFH, Urteil in BFHE 237, 368, BSt­Bl II 2013, 275[][]
  9. so schon BFH, Urteil in BFHE 202, 280, BSt­Bl II 2003, 706[]
  10. vgl. BFH, Urteil vom 25.02.2009 – IX R 52/​07, BFH/​NV 2009, 1255[]
  11. vgl. allg. BFH, Urteil vom 27.11.1984 – VIII R 2/​81, BFHE 143, 120, BSt­Bl II 1985, 323[]
  12. vgl. BFH, Urtei­le vom 13.02.1996 – VIII R 18/​92, BFHE 180, 79, BSt­Bl II 1996, 291; vom 12.11.1997 – XI R 98/​96, BFHE 184, 502, BSt­Bl II 1998, 144; vom 28.03.2007 – X R 15/​04, BFHE 217, 507, BSt­Bl II 2007, 642, sowie in BFHE 143, 120, BSt­Bl II 1985, 323, und in BFHE 237, 368, BSt­Bl II 2013, 275[]
  13. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 217, 507, BSt­Bl II 2007, 642; vom 19.08.1998 – X R 96/​95, BFHE 187, 21, BSt­Bl II 1999, 353[]
  14. in die­sem Sin­ne auch zutref­fend BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2014, 108, zu Schuld­zin­sen für dar­le­hens­fi­nan­zier­te Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen[]
  15. so schon BFH, Urteil vom 07.07.1998 – VIII R 57/​96, BFH/​NV 1999, 594[]
  16. vgl. BFH, Urteil vom 17.07.2007 – IX R 2/​05, BFHE 218, 353, BSt­Bl II 2007, 941[]
  17. vgl. hier­zu auch BFH, Urteil vom 19.01.2010 – VIII R 40/​06, BFHE 228, 216, BSt­Bl II 2011, 254, zur steu­er­schäd­li­chen Dar­le­hens­ver­wen­dung bei Lebens­ver­si­che­run­gen[]
  18. s. Blümich/​Heuermann, § 21 EStG Rz 41[]
  19. vgl. BFH, Urteil vom 20.06.2012 – IX R 29/​11, BFH/​NV 2012, 1952[]