Inhalt­li­che Bestimmt­heit eines Grund­er­werb­steu­er­be­schei­des

Gemäß § 119 AO muss ein Ver­wal­tungs­akt inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt sein. Steu­er­be­schei­de müs­sen die fest­ge­setz­te Steu­er nach Art und Betrag bezeich­nen und ange­ben, wer die Steu­er schul­det (§ 157 Abs. 1 Satz 2 AO). Bei Grund­er­werb­steu­er­be­schei­den ist die Anga­be des zu besteu­ern­den Erwerbs­vor­gangs uner­läss­lich 1. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, ist im Wege der Aus­le­gung unter Berück­sich­ti­gung der Aus­le­gungs­re­geln der §§ 133, 157 BGB zu ermit­teln. Ent­schei­dend sind der erklär­te Wil­le der Behör­de und der sich dar­aus erge­ben­de objek­ti­ve Erklä­rungs­in­halt der Rege­lung, wie ihn der Betrof­fe­ne nach den ihm bekann­ten Umstän­den unter Berück­sich­ti­gung von Treu und Glau­ben ver­ste­hen konn­te 2.

Inhalt­li­che Bestimmt­heit eines Grund­er­werb­steu­er­be­schei­des

Ein Grund­er­werb­steu­er­be­scheid ist zwar nicht allein des­halb rechts­wid­rig, weil der der Besteue­rung unter­wor­fe­ne Rechts­vor­gang nicht an dem in dem Steu­er­be­scheid genann­ten, son­dern an einem ande­ren Tage zustan­de gekom­men ist 3. Etwas ande­res gilt jedoch dann, wenn die Behör­de einen ande­ren als den im Steu­er­be­scheid benann­ten Erwerbs­vor­gang besteu­ern woll­te 4. Reicht der vom Grund­er­werb­steu­er­be­scheid erfass­te Lebens­sach­ver­halt nicht aus, um den Tat­be­stand, an den das GrEStG die Steu­er­pflicht knüpft, zu erfül­len, ist der Bescheid rechts­wid­rig, ohne dass die Behör­de ‑etwa im Ein­spruchs­ver­fah­ren 5- den im Bescheid bezeich­ne­ten ‑unzu­tref­fen­den- Erwerbs­vor­gang durch einen ande­ren ‑zutref­fen­den- erset­zen könn­te 4. Das gilt ins­be­son­de­re für Erwerbs­vor­gän­ge, bei denen man­gels Ver­ein­ba­rung einer Gegen­leis­tung eine Bewer­tung des Grund­stücks gemäß § 8 Abs. 2 GrEStG vor­zu­neh­men ist, denn die Bewer­tung hat auf den zutref­fen­den Zeit­punkt zu erfol­gen. Die­ser muss im Wege der Aus­le­gung unmiss­ver­ständ­lich dem Grund­er­werb­steu­er­be­scheid zu ent­neh­men sein.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall bezeich­nen die bei­den ange­foch­te­nen Grund­er­werb­steu­er­be­schei­de jeweils Rechts­vor­gän­ge, die den Tat­be­stand des § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG nicht erfül­len. Die Rechts­vor­gän­ge, die der Besteue­rung unter­wor­fen wur­den, sind im Ein­zel­nen jeweils unter Anga­be von Datum und UR-Nr. genau bezeich­net. Sie kön­nen gegen ihren Wort­laut nicht dahin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass sie statt der bezeich­ne­ten Rechts­vor­gän­ge die durch eine drit­te Erklä­rung aus­ge­lös­te Anteils­ver­ei­ni­gung erfas­sen soll­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 14 – II R 46/​12

  1. BFH, Urtei­le vom 13.09.1995 – II R 80/​92, BFHE 178, 468, BSt­Bl II 1995, 903; und vom 22.08.2007 – II R 44/​05, BFHE 218, 494, BSt­Bl II 2009, 754[]
  2. BFH, Urteil vom 21.07.2011 – II R 7/​10, BFH/​NV 2011, 1835, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 17.03.2006 – II B 157/​05, BFH/​NV 2006, 1341, m.w.N.[]
  4. vgl. Pahlke/​Franz, a.a.O., Vorb § 15 Rz 3[][]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 28.07.1993 – II R 50/​90, BFH/​NV 1993, 712[]