Rizi­nus­schrot – Grenz­wert statt Tier­ver­such

Gar­ten­dün­ger kann ver­bo­ten wer­den, wenn das dar­in ver­wen­de­te Rizi­nus­schrot einen zu hohen Gehalt von Ricin auf­weist ohne dass die Gif­tig­keit dar­über hin­aus noch im Tier­ver­such nach­ge­wie­sen wer­den muss.

Rizi­nus­schrot – Grenz­wert statt Tier­ver­such

So hat es das Ver­wal­tungs­ge­richt gebil­ligt, dass die rhein­land-pfäl­zi­sche Auf­sichts- und Dienst­leis­tungs­di­rek­ti­on (ADD) in Trier einer rhein­land-pfäl­zi­schen Fir­ma unter Anord­nung des Sofort­voll­zugs unter­sagt, 211 Ton­nen des Dün­ge­mit­tels Rizi­nus­schrot wegen eines bedenk­li­chen Ricin­ge­hal­tes in den Ver­kehr zu brin­gen: Die ADD war dar­über infor­miert wor­den, dass die Antrag­stel­le­rin gepress­ten Rizi­nus­schrot als Dün­ge­mit­tel in Ver­kehr bringt, der eine bedenk­li­che Men­ge an Ricin ent­hält. Dies beruh­te auf einer Mel­dung des Robert-Koch-Insti­tuts, das auf Ver­an­las­sung der Antrag­stel­le­rin Pro­ben deren Rizi­nus­schrots unter­sucht und dabei einen Ricin­ge­halt deut­lich über dem wis­sen­schaft­lich aner­kann­ten Grenz­wert fest­ge­stellt hat­te.

Rizi­nus­schrot ent­hält in unter­schied­li­chen Men­gen das Pflan­zen­gift Ricin, das zu den stärks­ten Gif­ten bio­lo­gi­scher Her­kunft gehört. Da es kein Gegen­mit­tel gibt, kön­nen Ricin­ver­gif­tun­gen nur sym­pto­ma­tisch behan­delt wer­den. Es besteht der Ver­dacht, dass Todes­fäl­le von Hun­den in frü­he­ren Jah­ren im Zusam­men­hang mit der Auf­brin­gung von Rizi­nus­schrot als Dün­ger ste­hen.

Die ADD zog in der Fol­ge bei der Antrag­stel­le­rin wei­te­re Pro­ben von unbe­han­del­tem und wär­me­be­han­del­tem Rizi­nus­schrot, bei deren Unter­su­chung durch das Robert-Koch-Insti­tut sich erneut Ricin­ge­hal­te über dem Grenz­wert erga­ben. Dar­auf­hin unter­sag­te die ADD der Antrag­stel­le­rin, den Schrot in den Ver­kehr zu brin­gen und ord­ne­te den Sofort­voll­zug die­ser Ver­fü­gung an.

Mit dem Antrag, den Sofort­voll­zug aus­zu­set­zen, wand­te sich die Antrag­stel­le­rin an das Ver­wal­tungs­ge­richt. Die Behör­de dür­fe nicht an Hand abso­lu­ter Grenz­wer­te, son­dern nur im Rah­men von Tier­ver­su­chen an Rat­ten ermit­teln, ob Rizi­nus­schrot einen bedenk­li­chen Ricin­ge­halt auf­weist. Sie habe ihr Mate­ri­al in einem Labor in Thai­land im Tier­ver­such tes­ten las­sen; bei kei­nem der Ver­suchs­tie­re sei­en toxi­sche Wir­kun­gen auf­ge­tre­ten.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz haben den Antrag abge­lehnt. Das behörd­li­che Ver­bot sei rech­tens, befan­den sie. Die Ana­ly­se der amt­li­chen Pro­ben habe einen Ricin­ge­halt erge­ben, der um ein Viel­fa­ches über dem auf gesi­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen beru­hen­den, als unbe­denk­lich anzu­se­hen­den Höchst­wert lie­ge. Ange­sichts ihrer Auf­ga­be, Gefah­ren für Mensch und Tier durch das Inver­kehr­brin­gen von Dün­ge­mit­teln abzu­wen­den, dür­fe die Behör­de jede wis­sen­schaft­lich gesi­cher­te Erkennt­nis her­an­zie­hen, auf deren Grund­la­ge die Unbe­denk­lich­keit von Rizi­nus­schrot bezüg­lich sei­nes Ricin­ge­hal­tes geklärt wer­den kön­ne. Wenn wie hier der Ricin­ge­halt auf die­se Wei­se geklärt sei, kom­me eine dies­be­züg­li­che Über­prü­fung durch Ver­su­che an Rat­ten nicht mehr in Fra­ge. Hier­von abge­se­hen sei bezüg­lich der in Thai­land durch­ge­führ­ten Ver­su­che an Rat­ten zu sehen, dass der dort getes­te­te Rizi­nus­schrot nach den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen nicht ein­deu­tig der Antrag­stel­le­rin zuge­ord­net wer­den kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 8. Sep­tem­ber 2010 – 1 L 832/​10.MZ