Der zweit­in­stanz­lich erho­be­ne Kün­di­gungs­schutz­an­trag

Ist ein Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren bereits zweit­in­stanz­lich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt anhän­gig, kann der Kün­di­gungs­schutz­an­trag wegen einer neu­er­li­chen Kün­di­gung in die­sem Beru­fungs­ver­fah­ren erho­ben wer­den.

Der zweit­in­stanz­lich erho­be­ne Kün­di­gungs­schutz­an­trag

Dem ste­hen weder der Wort­laut des § 4 KSchG ent­ge­gen, wonach die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vor dem Arbeits­ge­richt zu erhe­ben ist, noch die Sys­te­ma­tik des § 6 KSchG. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts 1 kann eine Kün­di­gungs­schutz­kla­ge immer dann zweit­in­stanz­lich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt erho­ben wer­den, wenn das anhän­gi­ge Ver­fah­ren dort schwebt.

Die Begrün­dung hier­für, der Wort­laut des § 4 KSchG (§ 3 KSchG a.F.) dür­fe nicht im tech­ni­schen Sinn ver­stan­den wer­den, son­dern mei­ne nur "die Gerich­te für Arbeits­sa­chen", ist eben­so wie die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Sys­te­ma­tik über­zeu­gend.

Es gibt kei­ne aus­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür, dass durch die Beson­der­hei­ten des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes von den all­ge­mein im Arbeits­ge­richt gel­ten­den Grund­sät­zen, nach denen auch zweit­in­stanz­lich gemäß § 533 ZPO eine Kla­ge erwei­tert wer­den kann, abge­wi­chen wer­den soll­te. Selbst wenn durch § 6 KSchG eine gewis­se Kon­zen­tra­ti­on der Prü­fung der Kün­di­gungs­grün­de in der ers­ten Instanz erzielt wer­den soll­te, so lässt doch auch gera­de die Neu­fas­sung des § 5 KSchG erken­nen, dass Fall­kon­stel­la­tio­nen, in denen die Kün­di­gung zweit­in­stanz­lich mate­ri­ell recht­lich über­prüft wird (Kün­di­gungs­grün­de, Betriebs­rats­an­hö­rung etc.), nicht aus­zu­schlie­ßen sind und auch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – 5 Sa 909/​16

  1. BAG, Urteil vom 10.12.1970, 2 AZR 82/​70[]