Meh­re­re Gesell­schaf­ter im Gleichordnungskonzern?

Zwei Betrie­be bil­den kei­nen Gleich­ord­nungs­kon­zern, wenn sie durch meh­re­re Per­so­nen beherrscht werden.

Meh­re­re Gesell­schaf­ter im Gleichordnungskonzern?

Nach § 4h Abs. 3 Satz 6 EStG gehört ein Betrieb auch dann zu einem Kon­zern, wenn sei­ne Finanz- und Geschäfts­po­li­tik mit einem oder meh­re­ren ande­ren Betrie­ben ein­heit­lich bestimmt wer­den kann („Gleich­ord­nungs­kon­zern“).

Ein Kon­zern i.S. des § 4h Abs. 3 Satz 6 EStG setzt min­des­tens zwei recht­lich selb­stän­di­ge Rechts­trä­ger mit Betrie­ben vor­aus. Ein Betrieb kann grund­sätz­lich durch nur einen ein­zel­nen mit­tel­bar oder unmit­tel­bar betei­lig­ten Rechts­trä­ger beherrscht wer­den1. Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt, wenn eine ein­zel­ne selbst nicht unter­neh­me­risch täti­ge natür­li­che Per­son oder eine ver­mö­gens­ver­wal­ten­de Gesell­schaft min­des­tens zwei Gesell­schaf­ten beherrscht2. Ein Gleich­ord­nungs­kon­zern liegt nicht vor, wenn zwei Rechts­trä­ger durch eine Grup­pe von Per­so­nen beherrscht wer­den3. Die Geset­zes­ma­te­ria­li­en4 ver­wei­sen hin­sicht­lich des Gleich­ord­nungs­kon­zerns auf Inter­na­tio­nal Accoun­ting Stan­dard (IAS) 27 a.F.5. Nach IAS 27.4 a.F. sind die Kon­kre­ti­sie­run­gen des Beherr­schungs­be­griffs in IAS 27.13 a.F. unter dem Kri­te­ri­um zu prü­fen, ob eine Mut­ter-Toch­ter-Bezie­hung zwi­schen Unter­neh­men durch Beherr­schung besteht. Es wird dar­auf abge­stellt, ob ein ein­zel­ner Gesell­schaf­ter ohne Stim­men­mehr­heit einen beherr­schen­den Ein­fluss ent­fal­ten kann. Im Fall einer Per­so­nen­grup­pe beherrscht nicht ein ein­zel­ner Gesell­schaf­ter, son­dern beherr­schen meh­re­re Per­so­nen die bei­den Unter­neh­men6. Daher reicht bei­spiels­wei­se die Beherr­schung durch zwei Per­so­nen ‑ins­be­son­de­re dann, wenn eine Per­son nur Gesell­schaf­ter eines der Betrie­be ist- für das Vor­lie­gen eines Gleich­ord­nungs­kon­zerns nicht aus.

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Für die Fra­ge, ob ein Betrieb zu einem Kon­zern gehört, ist auf die Ver­hält­nis­se im Besteue­rungs­zeit­punkt abzu­stel­len7.

Der Vor­la­ge­be­schluss des BFH vom 14.10.20158 an das BVerfG wegen einer mög­li­chen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 4h EStG 2002 i.d.F. des Bür­ger­ent­las­tungs­ge­set­zes Kran­ken­ver­si­che­rung vom 16.07.20099 i.V.m. § 8 Abs. 1 und § 8a des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes 2002 i.d.F. des Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­set­zes 2008 vom 14.08.200710 steht einer Bezug­nah­me auf § 4h EStG im Rah­men des § 13b Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Satz 2 Buchst. c ErbStG a.F. nicht ent­ge­gen. Der BFH geht für die ertrag­steu­er­recht­li­che Anwen­dung zwar von einem Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes aus, weil das durch die Rege­lun­gen der Zins­schran­ke aus­ge­lös­te Abzugs­ver­bot für Zins­auf­wen­dun­gen die ergeb­nis­ab­hän­gi­ge ‑und in der Gestalt des nega­ti­ven Zins­sal­dos sämt­li­chen betrieb­li­chen Finan­zie­rungs-/Zins­auf­wand betref­fen­de- Zins­ab­zugs­be­schrän­kung das Gebot der fol­ge­rich­ti­gen Aus­ge­stal­tung des Ertrag­steu­er­rechts (bzw. des Kör­per­schaft­steu­er­rechts) nach Maß­ga­be der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen ver­let­ze11. Der erb­schaft­steu­er­recht­li­che Ver­weis in § 13b Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Satz 2 Buchst. c ErbStG a.F. bezieht sich aber ledig­lich auf den Kon­zern­be­griff i.S. des § 4h EStG. Des­sen Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät wird durch den Vor­la­ge­be­schluss nicht in Fra­ge gestellt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Febru­ar 2021 – II R 26/​18

  1. vgl. BMF, Schrei­ben vom 04.07.2008 – IV C 7‑S 2742‑a/​07/​10001, BStBl I 2008, 718, Rz 59[]
  2. vgl. BMF, Schrei­ben in BStBl I 2008, 718, Rz 60[]
  3. vgl. Korn in Korn, § 4h EStG Rz 156; Goebel/​Eilinghoff, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 2010, 487[]
  4. vgl. BT-Drs. 16/​4841 vom 27.03.2007, 50[]
  5. vgl. Anhang der Ver­ord­nung (EG) 494/​2009 vom 03.06.2009, ABl.EG L 149 vom 12.06.2009, 6[]
  6. vgl. Leve­dag, GmbH-Rund­schau 2008, 281 ff.[]
  7. RE 13b.12 Satz 4 Erb­StR 2011; wei­ter­hin RE 13b.16 Satz 4 Erb­StR 2019[]
  8. BFH; vom 14.10.2015 – I R 20/​15, BFHE 252, 44, BStBl II 2017, 1240[]
  9. BGBl I 2009, 1959, BStBl I 2009, 782[]
  10. BGBl I 2007, 1912, BStBl I 2007, 630[]
  11. BFH, Beschluss in BFHE 252, 44, BStBl II 2017, 1240, Rz 9[]

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