Pen­si­ons­zah­lun­gen des Euro­päi­schen Raum­fahrt­kon­troll­zen­trums – und ihre Besteue­rung

Grund­sätz­lich han­delt es sich bei der Euro­päi­schen Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on (ESA) – und damit auch beim Euro­päi­schen Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum (ESOC) als einem der Ope­ra­ti­ons­zen­tren der ESA – wie der NATO um Koor­di­nier­te Orga­ni­sa­tio­nen, die jeweils rück­wir­kend für die Zeit ab 1.07.1974 ein ein­heit­li­ches Pen­si­ons­sys­tem für ihre in den Ruhe­stand tre­ten­den Bediens­te­ten ein­führ­ten. Nach die­sem Sys­tem wer­den die Ruhe­ge­häl­ter bei allen koor­di­nier­ten Orga­ni­sa­tio­nen (ESA, Euro­pa­rat, NATO, Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit ‑OECD‑, West­eu­ro­päi­sche Uni­on und Euro­päi­sches Zen­trum für mit­tel­fris­ti­ge Wet­ter­vor­her­sa­ge) aus dem lau­fen­den Haus­halt der ein­zel­nen Orga­ni­sa­ti­on gezahlt. Die bis­he­ri­ge Finan­zie­rung der Ruhe­ge­häl­ter aus einem Ver­sor­gungs­fonds (Kapi­tal­an­samm­lungs­fonds) wur­de über­ge­lei­tet [1]. Die­ses Pen­si­ons­sys­tem gilt auch für die Euro­päi­sche Patent­or­ga­ni­sa­ti­on [2].

Pen­si­ons­zah­lun­gen des Euro­päi­schen Raum­fahrt­kon­troll­zen­trums – und ihre Besteue­rung

Für die Pen­si­ons­zah­lun­gen der ESA gel­ten mit­hin die glei­chen Grund­sät­ze, wie sie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits für den Fall der Ruhe­ge­halts­zah­lun­gen an ehe­ma­li­ge Bediens­te­te der Nord­at­lan­tik­ver­trags­or­ga­ni­sa­ti­on (NATO) auf­ge­stellt hat [3].

Soweit bei der ESA ein im Ver­gleich zur NATO unter­schied­li­ches Sys­tem zur Ermitt­lung des jewei­li­gen Grund­ge­halts besteht, von dem die Bei­trä­ge zu den Alters­ver­sor­gungs­sys­te­men der NATO und der ESA berech­net und ein­be­hal­ten wer­den, ist die­se Fra­ge im vor­lie­gen­den Fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob auf­grund der Ein­be­hal­te bereits steu­er­pflich­ti­ger Lohn zuge­flos­sen ist. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof hin­sicht­lich der Berech­nung der Gehäl­ter der NATO ver­neint [4]. Er hat aus­drück­lich aus­ge­führt, dass es für die­se Fra­ge allein auf ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Grund­sät­ze ankom­me. Uner­heb­lich sei, wie die Höhe der Gehäl­ter zustan­de gekom­men sei.

Inso­weit unter­schei­den sich die Berech­nung der Gehäl­ter der NATO und der ESA nicht. Auch im Fall der Berech­nung der Gehäl­ter der ESA erfolgt ledig­lich ein Abzug eines Rechen­pos­tens ana­log zu der für die Besteue­rung der NATO-Bezü­ge zu ermit­teln­den Rechen­grö­ße. Steu­er­ein­nah­men ver­zeich­net weder die deut­sche noch eine ande­re Finanz­ver­wal­tung.

Inlän­di­sche Steu­er­ein­nah­men auf­grund der ESA-Bezü­ge lie­gen auch nicht des­halb vor, weil die übri­gen Ein­künf­te des ESA-Bediens­te­ten wäh­rend sei­ner akti­ven Dienst­zeit unter Anwen­dung des Pro­gres­si­ons­vor­be­halts nach § 32b EStG besteu­ert wer­den. Inso­weit fehlt es bereits an der sich hier­aus für das Gehalt des ESA-Bediens­te­ten erge­be­nen Steu­er. Die mit­tel­ba­re Wir­kung auf ande­re Ein­künf­te reicht nicht aus.

Wie im Fall der NATO-Bediens­te­ten wer­den die Ruhe­ge­halts­zah­lun­gen der ESA-Bediens­te­ten folg­lich nicht aus ver­steu­er­ten Bei­trä­gen der­sel­ben finan­ziert. Es lie­gen (ledig­lich) Gehalts­kür­zun­gen vor. Das sich hier­aus erge­ben­de Inne­ha­ben von Ansprü­chen gegen­über der ESA als Arbeit­ge­be­rin führt auch nicht zu dem Zufluss von Ein­nah­men und damit noch nicht zu steu­er­pflich­ti­gem Arbeits­lohn [5], gleich­gül­tig wie der Arbeit­ge­ber dies intern kas­sen­tech­nisch orga­ni­siert [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Juli 2015 – X B 172/​14

  1. vgl. nur BMF, Schrei­ben vom 16.08.1977 – IV C 6‑S 1311 – 25/​77 II, BStBl I 1977, 436, unter Tz. 1[]
  2. vgl. BMF, Schrei­ben vom 03.08.1998 – IV C 6‑S 1311 – 97/​98, BStBl I 1998, 1042, Tz. 1[]
  3. BFHE 216, 124, BStBl II 2007, 402[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 216, 124, BStBl II 2007, 402[]
  5. so auch wei­ter­hin die aktu­el­le Recht­spre­chung des VI. Senats des BFH in sei­nen Urtei­len vom 15.09.2011 – VI R 36/​09, BFH/​NV 2012, 201; und vom 05.07.2012 – VI R 11/​11, BFHE 238, 408, BStBl II 2013, 190[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 216, 124, BStBl II 2007, 402, unter II. 2.c[]