Lahn­stein und die Abstu­fung von Stra­ßen

Eine Stra­ße ist gemäß den Vor­schrif­ten des Lan­des­stra­ßen­ge­set­zes Rhein­land-Pfalz nach ihrer Ver­kehrs­be­deu­tung unter Berück­sich­ti­gung ihrer raum­ord­ne­ri­schen Funk­ti­on als Landes‑, Kreis‑, Gemein­de- und sons­ti­ge Stra­ße ein­zu­stu­fen. Han­delt es sich bei dem Ver­kehr auf Lan­des- und Kreis­stra­ßen über­wie­gend um ört­li­chen Ver­kehr, kann eine Abstu­fung der Stra­ßen vor­ge­nommn wer­den.

Lahn­stein und die Abstu­fung von Stra­ßen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Abstu­fung von Stra­ßen inner­halb von Lahn­stein als recht­mä­ßig ange­se­hen und eine Kla­ge der Stadt abge­wie­sen. 1995 stell­te der Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz fest, dass es sich nach sei­ner Ein­schät­zung bei dem Ver­kehr auf der L 335 inner­halb Lahn­steins und Teil­stre­cken von Kreis­stra­ßen über­wie­gend um ört­li­chen Ver­kehr han­de­le. Die­se Stra­ßen hät­ten daher die Funk­ti­on einer Gemein­de­stra­ße und sei­en feh­ler­haft ein­ge­stuft. Hier­ge­gen wand­te die Stadt ein, sie sei im Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramm als Mit­tel­zen­trum aus­ge­wie­sen und es wür­den in ihrem Gebiet Hafen­an­la­gen vor­ge­hal­ten. Das zustän­di­ge Minis­te­ri­um wies 1996 dar­auf hin, die Abstu­fung der Stra­ßen wer­de erst nach der Ver­kehrs­frei­ga­be einer Lahn­brü­cke erfol­gen. Nach deren Frei­ga­be bekun­de­te der Stadt­rat von Lahn­stein im Rah­men einer Reso­lu­ti­on, man wer­de sich gegen die Abstu­fun­gen der o.g. Stra­ßen­ab­schnit­te zur Wehr set­zen. Dar­auf­hin teil­te der dama­li­ge rhein­land-pfäl­zi­sche Ver­kehrs­mi­nis­ter im Jahr 2001 mit, die Abstu­fung der L 335 und damit ver­bun­den der K 62 und der K 68 wer­de so lan­ge zurück­ge­stellt, bis Bau­recht für eine Ent­las­tungs­stra­ße vor­lie­ge. Die­se Ent­schei­dung ste­he unter dem Vor­be­halt, dass die Klä­ge­rin gegen eine Abstu­fung kei­ne Rechts­mit­tel ein­le­gen wer­de. Um schrift­li­che Bestä­ti­gung wer­de gebe­ten. Eine sol­che Erklä­rung gab die Stadt Lahn­stein aller­dings nicht ab. Nach der Pla­nung der Ent­las­tungs­stra­ße sowie wei­te­rem Schrift­wech­sel der Stadt mit den zustän­di­gen Stel­len des Lan­des stuf­te der Lan­des­be­trieb Mobi­li­tät bei genau­er Anga­be der betrof­fe­nen Stre­cken­ki­lo­me­ter die durch das Stadt­ge­biet ver­lau­fen­de L 335 nebst zwei­er Kreis­ver­kehrs­plät­ze (Län­ge ins­ge­samt 5,459 km) sowie Teil­stre­cken der K 62 und der K 68 mit Wir­kung zum 1. April 2010 zu Gemein­de­stra­ßen ab. Hier­mit war die Stadt nicht ein­ver­stan­den und erhob nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass eine Stra­ße gemäß den Vor­schrif­ten des Lan­des­stra­ßen­ge­set­zes nach ihrer Ver­kehrs­be­deu­tung unter Berück­sich­ti­gung ihrer raum­ord­ne­ri­schen Funk­ti­on als Landes‑, Kreis‑, Gemein­de- und sons­ti­ge Stra­ße ein­zu­stu­fen sei. Hier­an knüp­fe wie­der­um die Stra­ßen­bau­last an. Die­se Ein­tei­lung sei ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Stadt aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den. Indem das Gesetz für die Ein­stu­fung von Stra­ßen aus­schließ­lich auf ver­kehr­li­che Gesichts­punk­te und damit objek­ti­ve Kri­te­ri­en abstel­le, wer­de gera­de eine Gleich­be­hand­lung der Kom­mu­nen sicher­ge­stellt. Bei den abge­stuf­ten Stra­ßen han­de­le es sich um sol­che, die über­wie­gend dem ört­li­chen Ver­kehr dien­ten und damit die Funk­ti­on von Gemein­de­stra­ßen hät­ten. Dies habe der Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz bereits im Mai 1995 fest­ge­stellt. Die­se Fest­stel­lun­gen sei­en plau­si­bel und wür­den durch das Vor­brin­gen der Stadt Lahn­stein selbst unter­mau­ert. Auch nach deren Ein­schät­zung wer­de das hohe Ver­kehrs­auf­kom­men auf der L 335 durch die im Stadt­ge­biet gele­ge­nen Ein­rich­tun­gen und Betrie­be aus­ge­löst. Die­se Ver­kehrs­vor­gän­ge sei­en dem ört­li­chen Ver­kehr zuzu­rech­nen. Der Durch­gangs­ver­kehr flie­ße vor­nehm­lich über die B 42 und die B 260, über die die Stadt – wie im Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramm dar­ge­stellt – an das über­ört­li­che Stra­ßen­ver­kehrs­netz ange­bun­den sei. Schließ­lich grei­fe auch nicht der Ein­wand der Stadt durch, sie wer­de durch die Abstu­fungs­ent­schei­dung gegen­über ande­ren Kom­mu­nen benach­tei­ligt. Bei der Abstu­fung von Stra­ßen habe der Lan­des­be­trieb kei­nen Ermes­sens- oder Beur­tei­lungs­spiel­raum. Von daher spie­le es für die Recht­mä­ßig­keit der Abstu­fung kei­ne Rol­le, ob in ande­ren Kom­mu­nen Stra­ßen feh­ler­haft ein­ge­stuft sei­en. Jedes ande­re Ver­ständ­nis wür­de dazu füh­ren, dass das Land und der Land­kreis Stra­ßen­bau­last­trä­ger der abge­stuf­ten Stre­cken blie­ben sowie die hier­mit ver­bun­de­nen Las­ten tra­gen müss­ten statt der an sich zustän­di­gen Kom­mu­ne, die dann gegen­über ande­ren Gemein­den, in deren Gebiet die Stra­ßen in recht­mä­ßi­ger Wei­se ein­ge­stuft sei­en, bevor­zugt wäre.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2014 – 1 K 40/​14.KO