Recht­li­ches Gehör – vor der Ent­schei­dung

Recht­li­ches Gehör zu Stel­lung­nah­men der Gegen­sei­te ist vor Zugang einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu gewäh­ren.

Recht­li­ches Gehör – vor der Ent­schei­dung

Arti­kel 103 Abs. 1 GG gewährt jedem Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten die grund­sätz­li­che Mög­lich­keit, sich im Ver­fah­ren in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht zu äußern 1. Die Gele­gen­heit zur Äuße­rung muss grund­sätz­lich zu jedem dem Gericht unter­brei­te­ten Vor­trag ein­ge­räumt wer­den, der für die Ent­schei­dung erheb­lich ist 2. Dazu gehö­ren Stel­lung­nah­men der Gegen­sei­te 3.

Dies gilt – auch wenn der Gehörs­ver­stoß nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Auf­he­bung der ergan­ge­nen Ent­schei­dung nur unter der Vor­aus­set­zung führt, dass sie auf dem Ver­stoß beruht 4 – grund­sätz­lich unab­hän­gig davon, ob unter den gege­be­nen Umstän­den von der Mög­lich­keit aus­zu­ge­hen ist, dass eine etwai­ge Äuße­rung Ein­fluss auf das Ent­schei­dungs­er­geb­nis gewinnt oder nicht. Denn der grund­recht­li­che Anspruch auf recht­li­ches Gehör dient nicht nur der Gewähr­leis­tung sach­rich­ti­ger Ent­schei­dun­gen, son­dern auch der Wah­rung der Sub­jekt­stel­lung der Betei­lig­ten im gericht­li­chen Ver­fah­ren 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. März 2016 – 2 BvR 550/​15

  1. vgl. BVerfGE 19, 32, 36; 49, 325, 328; BVerfGK 7, 438, 441[]
  2. vgl. BVerfGE 19, 32, 36; 49, 325, 328; 89, 381, 392; BVerfGK 7, 438, 441[]
  3. vgl. BVerfGK 7, 438, 441; BVerfG, Beschlüs­se vom 15.11.2010 – 2 BvR 1183/​09 22; und vom 21.03.2011 – 2 BvR 301/​11 2[]
  4. vgl. BVerfGE 7, 239, 241; 13, 132, 145; 52, 131, 152 f.; 89, 381, 392 f.[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.06.2011 – 2 BvR 2076/​08 3 m.w.N.[]