Der Schutz der Fisch­po­pu­la­ti­on

Ein Plan­fest­stel­lungs­be­scheid miss­ach­tet kei­ne Vor­schrif­ten, deren Über­prü­fung eine aner­kann­te Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gung zum Bau eines Was­ser­kraft­wer­kes ver­lan­gen könn­te, wenn die Aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens auf Umwelt­be­lan­ge aus­rei­chend geprüft wor­den und die durch­ge­führ­te Umwelt­ver­träg­lich­keits­vor­prü­fung den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genügt.

Der Schutz der Fisch­po­pu­la­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des Bun­des für Umwelt und Natur­schutz (BUND) gegen den Bau eines Was­ser­kraft­wer­kes bei Bad Ems an der Lahn abge­wie­sen. Ein Ener­gie­un­ter­neh­men beab­sich­tigt, in Bad Ems an der Lahn bei der Insel Sil­berau („Kalk­spit­ze“) eine Was­ser­kraft­an­la­ge (800 kW-Anla­ge mit einem jähr­li­chen Ener­gie­er­trag von 3,3 Mio. kWh zur Ver­sor­gung von ca. 1.000 Haus­hal­ten) zu errich­ten. In die­sem Teil ist die Lahn durch ein ca. 160 m lan­ges Streich­wehr stau­ge­re­gelt. Vor dem Wehr wur­de im Jahr 1997 rechts­sei­tig eine Fisch­auf­stiegs­an­la­ge („Raue Ram­pe“) errich­tet. In dem Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren brach­te der BUND eine Viel­zahl von Ein­wen­dun­gen vor. Gleich­wohl geneh­mig­te die Struk­tur- und Geneh­mi­gungs­di­rek­ti­on (SGD) Nord mit Plan­fest­stel­lungs­be­scheid vom 11. Okto­ber 2012 das Vor­ha­ben. Dar­auf­hin ist vom BUND Kla­ge erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz miss­ach­te der Plan­fest­stel­lungs­be­scheid kei­ne Vor­schrif­ten, deren Über­prü­fung eine aner­kann­te Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gung ver­lan­gen kön­ne. Die durch­ge­führ­te Umwelt­ver­träg­lich­keits­vor­prü­fung genü­ge den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, da die Aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens auf Umwelt­be­lan­ge aus­rei­chend geprüft wor­den sei­en. Fer­ner sei­en die not­wen­di­gen Maß­nah­men zum Schutz der Fisch­po­pu­la­ti­on der Lahn getrof­fen. So habe die SGD Nord durch ent­spre­chen­de Neben­be­stim­mun­gen die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der bestehen­den Fisch­auf­stiegs­an­la­ge (Raue Ram­pe) gesi­chert. Zudem tra­ge eine von dem Unter­neh­men geplan­te zwei­te Fisch­auf­stiegs­an­la­ge, ein soge­nann­ter Bors­ten­fisch­pass, dem Fisch­schutz Rech­nung. Durch die Maß­nah­men wer­de die Durch­gän­gig­keit der Lahn ins­be­son­de­re für die Tier­ar­ten Lachs und Aal, ein wich­ti­ges Bewirt­schaf­tungs­ziel für die­sen Fluss, gewähr­leis­tet. Durch die tech­ni­sche Kon­struk­ti­on der Was­ser­kraft­an­la­ge wer­de der Ver­lust von ein­zel­nen Tie­ren, auch von Aalen, soweit wie mög­lich ver­mie­den. Ange­sichts des­sen füh­re das Vor­ha­ben zu kei­ner rele­van­ten Ver­schlech­te­rung des öko­lo­gi­schen Zustands der Lahn. Der vor­ge­se­he­ne Stand­ort sei für die Nut­zung der Was­ser­kraft, die zu den erneu­er­ba­ren Ener­gi­en gehö­re, wegen des bereits bestehen­den Weh­res geeig­net. Berück­sich­ti­ge man die gesetz­li­che Ver­pflich­tung zur För­de­rung sol­cher Ener­gi­en, habe die SGD Nord die Was­ser­kraft­an­la­ge zulas­sen dür­fen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 2. Juli 2013 – 1 K 1158/​12.KO