Dich­tig­keits­prü­fung für Abwas­ser­an­la­gen

In Nie­der­sach­sen kön­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer kön­nen durch eine kom­mu­na­le Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­sat­zung ver­pflich­tet wer­den, ihre pri­va­ten Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen ent­spre­chend der DIN 1986?30 bis zum 31. Dezem­ber 2015 und danach alle 20 Jah­re auf eige­ne Kos­ten Dicht­heits­prü­fun­gen zu unter­zie­hen. Zu den pri­va­ten Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen gehö­ren alle der Abwas­ser­be­sei­ti­gung die­nen­den Ein­rich­tun­gen (ins­be­son­de­re Lei­tun­gen) auf einem Grund­stück bis zu der Stel­le, an der die öffent­li­che Abwas­ser­an­la­ge beginnt (häu­fig am Revi­si­ons­schacht oder an der Grund­stücks­gren­ze).

Dich­tig­keits­prü­fung für Abwas­ser­an­la­gen

Nach Ansicht des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in Lüne­burg unter­lie­gen die pri­va­ten Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen gemäß der Nie­der­säch­si­schen Gemein­de­ord­nung sowie dem Nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­ge­setz der Rege­lungs­be­fug­nis des kom­mu­na­len Sat­zungs­ge­bers, soweit damit das Ziel ver­folgt wird, das Ein­drin­gen von Fremd­was­ser in das kom­mu­na­le Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­sys­tem zu ver­hin­dern und auf die­se Wei­se eine Erschwe­rung oder Beein­träch­ti­gung der öffent­li­chen Abwas­ser­be­sei­ti­gung aus­zu­schlie­ßen. Zu die­sem Zweck darf auch eine Über­prü­fung der Dicht­heit der pri­va­ten Anla­ge zu den in der DIN 1986?30 vor­ge­se­he­nen Ter­mi­nen ange­ord­net wer­den.

Unzu­läs­sig sind hin­ge­gen Sat­zungs­re­ge­lun­gen, die was­ser­recht­li­che Ziel­set­zun­gen, wie den Schutz des Grund­was­sers, ver­fol­gen oder den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer unver­hält­nis­mä­ßig belas­ten. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat daher Vor­schrif­ten für unwirk­sam erklärt, wonach eine Dicht­heits­prü­fung – unab­hän­gig von der DIN 1986?30 – bei Grund­stü­cken in einem Was­ser­schutz­ge­biet und an einer Stra­ße, in der die öffent­li­che Abwas­ser­an­la­ge saniert oder umge­baut wird, ange­ord­net wer­den kann.

Wirk­sam sind indes­sen Rege­lun­gen, die zusätz­li­che Dicht­heits­prü­fun­gen vor­se­hen bei Grund­stü­cken in einem Gebiet mit hohem Fremd­was­ser­an­fall und beim Vor­lie­gen kon­kre­ter Erkennt­nis­se dar­über, dass die Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­ge undicht ist. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat fer­ner die Sat­zungs­re­ge­lun­gen für unwirk­sam erklärt, die die Ertei­lung von Beschei­ni­gun­gen über die Ergeb­nis­se der Dicht­heits­prü­fun­gen bestimm­ten Fach­be­trie­ben vor­be­hal­ten. Das Lüne­bur­ger Gericht hält die­se Rege­lun­gen für unwirk­sam, weil sie die EU?Richt­li­nie über Dienst­leis­tun­gen im Bin­nen­markt, wonach auf euro­päi­scher Ebe­ne erteil­te gleich­wer­ti­ge Berech­ti­gun­gen einer Berech­ti­gung nach deut­schem Recht gleich­ste­hen, nicht berück­sich­ti­gen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Janu­ar 2012 – 9 KN 162/​10