Grund­was­ser­ent­nah­me durch eine Glas­hüt­te

Grund­was­ser­ent­nah­men sind gebüh­ren­pflich­tig. Dies gilt auch dann, wenn die Ent­nah­me gleich­zei­tig der Sanie­rung der städ­ti­schen Trink­was­ser­ge­win­nung dient. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lan­des die Kla­ge der Saint-Gobain PAM Deutsch­land GmbH (frü­her: Hal­ber­ger­hüt­te GmbH) gegen die Fest­set­zung von Ent­gelt für geför­der­tes Grund­was­ser abge­wie­sen.

Grund­was­ser­ent­nah­me durch eine Glas­hüt­te

Die Hal­ber­ger Hüt­te ist im Besitz einer bis zum 31.12.2017 befris­te­ten Bewil­li­gung, aus vier Boh­run­gen Grund­was­ser bis zu einer Jah­res­höchst­men­ge von ins­ge­samt 2 Mio. m³, jedoch nicht mehr als 7.000 m³/​Tag, zu för­dern und zu betrieb­li­chen Zwe­cken abzu­lei­ten.

Nach­dem auf­grund von Pro­be­boh­run­gen auf dem Gelän­de der ehe­ma­li­gen Teer­fa­brik der Ver­dacht der Boden­kon­ta­mi­na­ti­on auf­ge­kom­men war, gab die Lan­des­haupt­stadt Saar­brü­cken, die in der Nähe einen Trink­was­ser­brun­nen betreibt, der Klä­ge­rin im Novem­ber 1988 auf, die Boh­rung „Schä­fers­feld“ unver­züg­lich als Abwehr­brun­nen zu betrei­ben und das Was­ser in einen Schmutz­was­ser­ka­nal ein­zu­lei­ten, der zu einer Klär­an­la­ge führt. Bei einer Bespre­chung am 03.09.1991 wur­de zwi­schen den Betei­lig­ten eine „Mini­mal­lö­sung zur Siche­rung des Trink­was­ser­schutz­ge­biets der Lan­des­haupt­stadt Saar­brü­cken“ getrof­fen. Danach gin­gen die Betei­lig­ten davon aus, dass bei einer geför­der­ten Min­dest­was­ser­men­ge von monat­lich 91.200 m³ kei­ne Trink­was­ser­ge­fähr­dung zu besor­gen sei.

Nach Inkraft­tre­ten des Grund­was­ser­ent­nah­me­ent­gelt­ge­set­zes zum 1. Mai 2008 setz­te das Lands­amt für Umwelt und Arbeits­schutz für das Jahr 2008 ein Grund­was­ser­ent­nah­me­ent­gelt von 42.578,85 € gegen die Klä­ge­rin fest und erließ zwei Vor­aus­zah­lungs­be­schei­de für das Jahr 2009, mit denen jeweils 31.934,14 € als Vor­aus­zah­lun­gen für 2009 gefor­dert wur­den. Die Klä­ge­rin hat sich hier­ge­gen mit der Begrün­dung gewandt, auf­grund der ver­ein­bar­ten Mini­mal­lö­sung sei sie von der Ent­gelt­zah­lung befreit.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt folg­te die­ser Auf­fas­sung jedoch nicht. Zwar wer­de nach dem Gesetz kein Ent­gelt erho­ben für behörd­lich ange­ord­ne­te Benut­zun­gen im Sin­ne des Saar­län­di­schen Was­ser­ge­set­zes sowie für die Ent­nah­me von Grund­was­ser zum Zwe­cke der Besei­ti­gung von Grund­was­ser­ver­un­rei­ni­gun­gen oder zur Boden­sa­nie­rung. Die ver­ein­bar­te Mini­mal­lö­sung sei jedoch kei­ne behörd­li­che Anord­nung gewe­sen. Auch einen Sanie­rungs­ver­trag hät­ten die Betei­lig­ten weder schrift­lich noch münd­lich geschlos­sen. Die zustän­di­gen Behör­den sei­en seit Kennt­nis von der Boden­kon­ta­mi­na­ti­on auf dem Gelän­de der ehe­ma­li­gen Teer­fa­brik davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ge­rin eine hin­rei­chen­de Men­ge von Grund­was­ser für betrieb­li­che Zwe­cke för­dert und dies den Neben­ef­fekt hat, dass das Grund­was­ser im Bereich der Trink­was­ser­brun­nen der Lan­des­haupt­stadt Saar­brü­cken rein bleibt. Da das geför­der­te Grund­was­ser kei­ne Schad­stof­fe ent­hal­te, die­ne die För­de­rung nicht der Besei­ti­gung einer Grund­was­ser­ver­un­rei­ni­gung und auch nicht der Boden­sa­nie­rung.

Ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lands, Urteil vom 3. August 2011 – 5 K 1711/​10