Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung

Aus der Ver­fas­sungs­be­schwer­de muss deut­lich wer­den, inwie­weit durch die ange­grif­fe­nen Maß­nah­men das bezeich­ne­te Grund­recht ver­letzt sein soll. Liegt zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Ver­fas­sungs­fra­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bereits vor, so ist der behaup­te­te Grund­rechts­ver­stoß in Aus­ein­an­der­set­zung mit den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben zu begrün­den [1].

Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung

Nicht anders als bezüg­lich der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss sich die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch mit der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te aus­ein­an­der­set­zen, wenn deren Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on [2] für die Aus­le­gung des als ver­letzt gerüg­ten Grund­rechts bedeut­sam ist [3].

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser Recht­spre­chung ist ins­be­son­de­re erfor­der­lich, wenn mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gera­de gel­tend gemacht wird, die ange­grif­fe­nen inner­staat­li­chen Rege­lun­gen und ihre Anwen­dung durch die Gerich­te in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen stün­den mit den Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on nicht in Ein­klang. In die­sem Fall ist zudem dar­zu­le­gen, dass in die­sem Fall der kon­ven­ti­ons­recht­lich eröff­ne­te Ermes­sens­spiel­raum des Staa­tes über­schrit­ten ist.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Janu­ar 2020 – 1 BvR 2715/​18

  1. vgl. BVerfGE 130, 1, 21 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.09.2018 – 2 BvR 745/​18, Rn. 41; sie­he auch BVerfGE 141, 186, 218 Rn. 73 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.09.2014 – 2 BvR 1795/​14, Rn. 6 sowie BVerfG, Beschluss vom 06.09.2019 – 1 BvR 1763/​18, Rn. 5[]