Neue Bei­hil­fen – und das euro­päi­sche Uni­ons­recht

Das Pri­mär­recht selbst spricht in Art. 108 Abs. 3 Satz 1 AEUV ledig­lich von der "Ein­füh­rung oder Umge­stal­tung von Bei­hil­fen", defi­niert die­se Begrif­fe aber nicht wei­ter.

Neue Bei­hil­fen – und das euro­päi­sche Uni­ons­recht

Der Begriff "neue Bei­hil­fen" wird in Art. 1 Buch­sta­be c Ver­ord­nung (EU) Nr.2015/1589 des Rates vom 13.07.2015 über beson­de­re Vor­schrif­ten für die Anwen­dung von Arti­kel 108 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on 1 – Bei­hil­fe­Ver­fO – durch eine nega­ti­ve Abgren­zung defi­niert. Dar­un­ter wer­den alle Bei­hil­fen ver­stan­den, die kei­ne bestehen­den Bei­hil­fen sind, ein­schließ­lich Ände­run­gen bestehen­der Bei­hil­fen. Die Ände­rung einer bestehen­den Bei­hil­fe ist jede Ände­rung nicht nur rein for­ma­ler oder ver­wal­tungs­tech­ni­scher Art, die Ein­fluss auf die Wür­di­gung der Ver­ein­bar­keit der Bei­hil­fe­maß­nah­me mit dem Gemein­sa­men Markt haben kann (Art. 4 Abs. 1 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1125/​2009 der Kom­mis­si­on vom 23.11.2009 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 794/​2004 zur Durch­füh­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 659/​1999 des Rates über beson­de­re Vor­schrif­ten für die Anwen­dung von Arti­kel 93 des EG-Ver­trags 2.

Für die Ein­stu­fung als neue oder umge­stal­te­te Bei­hil­fe hat der Uni­ons­ge­richts­hof zunächst dar­auf abge­stellt, ob die Rechts­vor­schrif­ten, mit denen die Begüns­ti­gung gewährt wur­de, geän­dert wur­den, ins­be­son­de­re was die Natur der Vor­tei­le und die Tätig­keit der öffent­li­chen Ein­rich­tung betraf 3. Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat dar­aus geschlos­sen, dass die ursprüng­li­che Rege­lung durch die Ände­rung nur dann in eine neue Bei­hil­fe­re­ge­lung umge­wan­delt wird, wenn sie von der in der Geneh­mi­gungs­ent­schei­dung zuge­las­se­nen Rege­lung wesent­lich abweicht, ins­be­son­de­re, wenn die Ände­rung sie in ihrem Kern betrifft 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 18. Juli 2018 – 1 BvR 1675/​161 BvR 745/​171 BvR 836/​17 und 1 BvR 981/​17

  1. ABl Nr. L 248 vom 24.09.2015, S. 9[]
  2. ABl Nr. L 308 vom 24.11.2009, S. 5) – Durch­füh­rungs­ver­ord­nung[]
  3. vgl. EuGH, Urteil vom 09.08.1994, Namur-Les Assuran­ces du Cré­dit, – C‑44/​93, EU:C:1994:311, Rn. 28 f.[]
  4. vgl. EuG, Urteil vom 30.04.2002, Gibral­tar, T‑195/​01 u.a., EU:T:2002:111, Rn. 111; Urteil vom 28.11.2008, Hotel Cipria­ni, T‑254/​00 u.a., EU:T:2008:537, Rn. 358, 362; Urteil vom 20.09.2011, Regio­ne auto­no­ma del­la Sar­degna, T‑394/​08 u.a., EU:T:2011:493, Rn. 175 f.; bestä­tigt von EuGH, Urteil vom 13.06.2013, Regio­ne auto­no­ma del­la Sar­degna, – C‑630/​11 P u.a., EU:C:2013:387, Rn. 90 ff.; vgl. auch EuGH, Urteil vom 18.07.2013, P Oy, – C‑6/​12, EU:C:2013:525, Rn. 47[]