Betriebs­über­gang – bei der Über­nah­me ein­zel­ner Betriebs­mit­tel

Ein Betriebs- oder Betriebs­teil­über­gang iSv. § 613a Abs. 1 BGB liegt vor, wenn ein neu­er Rechts­trä­ger eine bestehen­de wirt­schaft­li­che Ein­heit unter Wah­rung ihrer Iden­ti­tät fort­führt [1].

Betriebs­über­gang – bei der Über­nah­me ein­zel­ner Betriebs­mit­tel

Dabei muss es um eine auf Dau­er ange­leg­te Ein­heit gehen, deren Tätig­keit nicht auf die Aus­füh­rung eines bestimm­ten Vor­ha­bens beschränkt ist. Um eine sol­che Ein­heit han­delt es sich bei jeder hin­rei­chend struk­tu­rier­ten und selb­stän­di­gen Gesamt­heit von Per­so­nen und Sachen zur Aus­übung einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit eige­nem Zweck [2].

Die Ein­heit muss bereits vor dem Über­gang über eine aus­rei­chend funk­tio­nel­le Auto­no­mie ver­fü­gen. Die­se ist gege­ben, wenn deren Lei­tung Befug­nis­se ein­ge­räumt sind, um die Arbeit der zur Ein­heit gehö­ren­den, unter­ge­ord­ne­ten Arbeit­neh­mer frei und unab­hän­gig zu orga­ni­sie­ren; sie muss in der Lage sein, die­sen Arbeit­neh­mern Wei­sun­gen zu ertei­len und die Auf­ga­ben auf die­se zu ver­tei­len [3].

Uner­heb­lich ist, ob es sich bei der genann­ten Ein­heit um ein "Unter­neh­men", einen "Betrieb" oder einen "Unter­neh­mens-" oder "Betriebs­teil" – auch im Sin­ne des jewei­li­gen natio­na­len Rechts – han­delt [4]. Ent­schei­dend ist, dass der Über­gang eine wirt­schaft­li­che Ein­heit im genann­ten Sinn betrifft [5].

Den für das Vor­lie­gen eines Über­gangs maß­ge­ben­den Kri­te­ri­en kommt dabei je nach der aus­ge­üb­ten Tätig­keit und je nach den Pro­duk­ti­ons- oder Betriebs­me­tho­den unter­schied­li­ches Gewicht zu [6]. Kommt es nicht im Wesent­li­chen auf die mensch­li­che Arbeits­kraft an, da die Tätig­keit bei­spiels­wei­se in erheb­li­chem Umfang mate­ri­el­le Betriebs­mit­tel erfor­dert, ist bei der Wür­di­gung vor allem zu berück­sich­ti­gen, ob die­se vom alten auf den neu­en Inha­ber über­ge­gan­gen sind [7].

Für die Annah­me eines iden­ti­täts­wah­ren­den Über­gangs einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit reicht es, wenn die funk­tio­nel­le Ver­knüp­fung zwi­schen den über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­ten und es dem Erwer­ber der­art ermög­licht wird, die­se Fak­to­ren zu nut­zen, um der­sel­ben oder einer gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen [8]. Nicht erfor­der­lich ist, dass der Erwer­ber die kon­kre­te Orga­ni­sa­ti­on der ver­schie­de­nen über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hält [9].

Bei der Fra­ge des Vor­lie­gens eines Betriebs(teil)übergangs ist die Bewer­tung der maß­geb­li­chen Tat­sa­chen nach Uni­ons­recht Sache der natio­na­len Gerich­te [10]. In tat­säch­li­cher Hin­sicht kommt den Tat­sa­chen­in­stan­zen hier­bei ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zu [11].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 25. Febru­ar 2020 – 1 ABR 39/​18

  1. vgl. nur EuGH 8.05.2019 – C‑194/​18 – [Dodi] Rn. 30, 33 mwN; BAG 12.06.2019 – 1 AZR 154/​17, Rn. 29 mwN[]
  2. vgl. EuGH 13.06.2019 – C‑664/​17 – [Elli­ni­ka Naf­pi­geia] Rn. 60 mwN; BAG 19.03.2015 – 8 AZR 119/​14, Rn. 17 mwN[]
  3. vgl. EuGH 6.03.2014 – C‑458/​12 – [Ama­to­ri ua.] Rn. 32 mwN[]
  4. vgl. EuGH 9.09.2015 – C‑160/​14 – [Fer­rei­ra da Sil­va e Bri­to ua.] Rn. 25; 20.01.2011 – C‑463/​09 – [CLECE] Rn. 30[]
  5. BAG 12.06.2019 – 1 AZR 154/​17 – aaO[]
  6. näher EuGH 15.12.2005 – C‑232/​04 ua. – [Güney-Gör­res ua.] Rn. 35 mwN; BAG 22.08.2013 – 8 AZR 521/​12, Rn. 40 ff. mwN[]
  7. vgl. EuGH 25.01.2001 – C‑172/​99 – [Liiken­ne] Rn. 39; BAG 12.06.2019 – 1 AZR 154/​17, Rn. 30 mwN[]
  8. vgl. EuGH 12.02.2009 – C‑466/​07 – [Kla­ren­berg] Rn. 53; BAG 19.03.2015 – 8 AZR 119/​14, Rn.20 mwN[]
  9. vgl. EuGH 12.02.2009 – C‑466/​07 – [Kla­ren­berg] Rn. 47[]
  10. vgl. EuGH 15.12.2005 – C‑232/​04 ua. – [Güney-Gör­res ua.] Rn. 35, 44[]
  11. vgl. BAG 19.03.2015 – 8 AZR 119/​14, Rn. 22 mwN[]