Der erst­mals in der Beru­fungs­in­stanz gestell­ten Beschäf­ti­gungs­an­trag

Bei dem erst­mals in der Beru­fungs­in­stanz gestell­ten Beschäf­ti­gungs­an­trag han­delt es sich um eine Kla­ger­wei­te­rung i. S. v. § 533 ZPO.

Der erst­mals in der Beru­fungs­in­stanz gestell­ten Beschäf­ti­gungs­an­trag

Eine sol­che Kla­gän­de­rung ist trotz feh­len­der Zustim­mung der Gegen­sei­te gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG i. V. m. § 533 Nr. 2 Alt. 2 und Nr. 2 ZPO zuläs­sig, wenn das Beru­fungs­ge­richt sie für sach­dien­lich erach­tet und die Kla­ger­wei­te­rung auf Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, die das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Beru­fung ohne­hin nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen hat.

Die Beur­tei­lung der Sach­dien­lich­keit erfor­dert eine Berück­sich­ti­gung, Bewer­tung und Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen. Dabei ist ent­schei­dend, ob und inwie­weit die Zulas­sung der geän­der­ten Kla­ge unter Berück­sich­ti­gung des bis­he­ri­gen – erst- und zweit­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­vor­tra­ges der Par­tei­en – den Streit im Rah­men des anhän­gi­gen Rechts­streits aus­räumt, so dass sich ein wei­te­rer Pro­zess ver­mei­den lässt [1].

Der Begriff der Sach­dien­lich­keit ist mit­hin vor­nehm­lich unter dem Gesichts­punkt der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit zu betrach­ten. Es steht der Sach­dien­lich­keit einer in der zwei­ten Instanz vor­ge­nom­me­nen Kla­ge­än­de­rung nicht ent­ge­gen, dass der Beklag­te im Fall ihrer Zulas­sung eine Tat­sa­chen­in­stanz ver­liert [2].

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – 5 Sa 437/​14

  1. BGH, Urteil vom 04.07.2012 – VIII ZR 109/​11, Rn.20[]
  2. BGH, Urteil vom 27.01.2012 – V ZR 92/​11, Rn. 18[]