Tages­müt­ter – und der Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld

Wird eine selb­stän­di­ge „Tages­mut­ter“, die nach §§ 22 ff., § 43 SGB VIII als Tages­pfle­ge­per­son Kin­der in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge betreut, schwan­ger, hat sie kei­nen Anspruch auf Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld nach dem Mut­ter­schutz­ge­setz.

Tages­müt­ter – und der Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld

Ein sol­cher Anspruch folgt auch nicht aus euro­päi­schen Uni­ons­recht.

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war de Tages­mut­ter als Tages­pfle­ge­per­son in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge tätig. Der beklag­te Land­kreis erteil­te ihr als ört­lich zustän­di­ger Trä­ger der öffent­li­chen Kin­der- und Jugend­hil­fe die Erlaub­nis zur Betreu­ung von bis zu fünf gleich­zei­tig anwe­sen­den frem­den Kin­dern in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge. Die Betreu­ungs­zei­ten wur­den in Abspra­che zwi­schen der Tages­mut­ter und den Eltern fest­ge­legt. Für die Betreu­ung gewähr­te der beklag­te Land­kreis der Tages­mut­ter lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach § 23 SGB VIII in Höhe von 3,90 € pro Kind und Betreu­ungs­stun­de. Die­ser Aner­ken­nungs­be­trag wur­de pro Betreu­ungs­jahr für bis zu sechs Wochen Urlaub und bis zu zwei Wochen Krank­heit wei­ter­ge­zahlt.

Die Tages­mut­ter gebar im März 2014 ein Kind. Sie ver­langt vom beklag­ten Land­kreis für den Zeit­raum der Mut­ter­schutz­fris­ten von sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt die Zah­lung von Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld in Höhe der durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen lau­fen­den Geld­leis­tun­gen. Sie meint, sie sei Arbeit­neh­me­rin des beklag­ten Land­krei­ses, jeden­falls sei sie als eine sol­che zu behan­deln. Der Anspruch erge­be sich bei uni­ons­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung des Mut­ter­schutz­ge­set­zes, des § 23 SGB VIII sowie unmit­tel­bar aus der Richt­li­nie 2010/​41/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 7. Juli 2010 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Män­nern und Frau­en, die eine selb­stän­di­ge Erwerbs­tä­tig­keit aus­üben.

Wie in der Vor­in­stanz schon das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen [1] hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ie Kla­ge abge­wie­sen. Die Tages­mut­ter ist als Tages­pfle­ge­per­son kei­ne Arbeit­neh­me­rin des beklag­ten Land­krei­ses, und zwar auch nicht im Sin­ne des Uni­ons­rechts. Sie ver­rich­tet für die­sen nicht Tätig­kei­ten nach des­sen Wei­sung. Aus der Richt­li­nie 2010/​41/​EU folgt kein unmit­tel­ba­rer Anspruch auf die begehr­te Zah­lung gegen den beklag­ten Land­kreis, denn die Richt­li­nie bestimmt den Schuld­ner nicht hin­rei­chend kon­kret. Glei­ches gilt für die UN-Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Mai 2018 – 5 AZR 263/​17

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 29. März 2017 – 13 Sa 399/​16[]