Der Elek­tro-Rol­ler von der Kran­ken­kas­se

Ein Elek­trorol­ler ist ein sog. Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens, der nicht in die Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se fällt. Er ist kein Hilfs­mit­tel der Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se.

Der Elek­tro-Rol­ler von der Kran­ken­kas­se

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und dem Begeh­ren eines 80 Jah­re alten Man­nes kei­nen Erfolg beschie­den. Der geh­be­hin­der­te Mann aus dem Land­kreis Cel­le woll­te von sei­ner Kran­ken­kas­se eine Bei­hil­fe zur Anschaf­fung eines klapp­ba­ren Elek­trorol­lers mit Sat­tel. Die­se bot ihm statt­des­sen die Ver­sor­gung mit einem Elek­troroll­stuhl an, den der Mann jedoch nicht haben woll­te. Ihm sei es wich­tig, dass das Gerät trans­por­ta­bel sei. Einen Rol­ler kön­ne er zusam­men­ge­klappt im PKW trans­por­tie­ren und auch in den Urlaub und auf Bus­rei­sen mit­neh­men. Mit einem Elek­troroll­stuhl gehe das nicht und auch sein Auto und Car­port sei­en für ein solch gro­ßes und schwe­res Hilfs­mit­tel unge­eig­net. Nach­dem das Sozi­al­ge­richt Lüne­burg [1] sei­ne Kla­ge abge­wie­sen hat­te, hat er sein Ziel mit der Beru­fung wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­drück­lich betont, dass ein Elek­trorol­ler kein Hilfs­mit­tel der GKV, son­dern ein sog. Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens sei, der nicht in die Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se fal­le. Zur Abgren­zung kom­me es dar­auf an, ob ein Pro­dukt für die spe­zi­el­len Bedürf­nis­se von Kran­ken und Behin­der­ten kon­zi­piert sei. Dies sei bei einem Elek­trorol­ler nicht der Fall, da er in sei­ner Funk­ti­on nicht medi­zi­nisch geprägt sei. Bereits der Name „Eco-Fun“ zei­ge, dass es sich um ein Frei­zeit­ge­rät han­de­le, das nicht für Behin­der­te kon­zi­piert sei. Im Übri­gen kön­ne es mit einer Geschwin­dig­keit von 20 km/​h für den Behin­der­ten­be­reich auch zu gefähr­lich sein.

Außer­dem, so erklär­te das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, habe der Mann den gesetz­li­chen Beschaf­fungs­weg nicht ein­ge­hal­ten, da er den Rol­ler schon vor der Ent­schei­dung der Kran­ken­kas­se bestellt habe und sie damit vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt habe. Anders als in der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) gel­te in der GKV das Sach­leis­tungs­prin­zip als Leis­tungs­ma­xi­me. Dies bedeu­te, dass der Mann sich grund­sätz­lich nicht auf ein bestimm­tes Pro­dukt fest­le­gen kön­ne um danach Kos­ten­er­stat­tung von der Kran­ken­kas­se zu ver­lan­gen.

Aus die­sen Grün­den ist die Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen wor­den.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 28. August 2020 – L 16 KR 151/​20

  1. SG Lüne­burg, Urteil vom 27.02.2020 – S 16 KR 257/​19[]