Der in Chi­na her­ge­stell­te Zahn­ersatz

Eine Kran­ken­kas­se ist nicht berech­tigt, Indi­vi­du­al­ra­batt­ver­trä­ge mit einem Dent­al­la­bor für u.a. in Chi­na her­ge­stell­ten Zahn­ersatz abzu­schlie­ßen.

Der in Chi­na her­ge­stell­te Zahn­ersatz

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und eine Ver­let­zung der Klä­ger als Dent­al­la­bor und deren Betrei­ber in ihrer Wett­be­werbs­frei­heit fest­ge­stellt. Gleich­zei­tig ist die Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Han­no­ver bestä­tigt wor­den. Ein Dent­al­la­bor schloss mit einer Kran­ken­kas­se (Beklag­te) für deren Ver­si­cher­te neben dem mit der zustän­di­gen Zahn­tech­ni­ker­innung (Klä­ge­rin) abge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­ver­trag für den­tal­tech­ni­sche Leis­tun­gen einen Indi­vi­du­al­ver­trag. Auf­grund die­ses Indi­vi­du­al­ra­batt­ver­tra­ges gewährt das Dent­al­la­bor den Ver­si­cher­ten der Beklag­ten einen Rabatt von min­des­tens 20 % auf die mit der Zahn­tech­ni­ker­innung abge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen über Zahn­ersatz. Für im Aus­land her­ge­stell­ten Zahn­ersatz, des­sen Prei­se durch­schnitt­lich 40 bis 60 % unter­halb der in Nie­der­sach­sen gel­ten­den Net­to-Höchst­prei­se lie­gen, wur­den wei­te­re 5 % Nach­lass ver­ein­bart. Die Beklag­te betrieb über die bestehen­den Rabatt­mög­lich­kei­ten Wer­be­maß­nah­men, wie z.B. durch Wer­be­bro­schü­ren, Pres­se­mit­tei­lung bzw. einen Bericht in einer Zeit­schrift, in denen die Namen der Dent­al­la­bo­re und die Höhe der ver­schie­de­nen Rabat­te genannt wur­den.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men gibt es kei­ne aus­drück­li­che gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge, die es der beklag­ten Kran­ken­kas­se erlau­be, mit dem bei­gela­de­nen Dent­al­la­bor einen Rabatt­ver­trag abzu­schlie­ßen. Auch wenn Kran­ken­kas­sen das Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot nach den §§ 2 Abs. 4 und 12 Abs. 1
SGB V als zen­tral zuge­wie­se­ne gesetz­li­che Auf­ga­be beach­ten und wahr­neh­men müs­sen, so sind sie doch zugleich ver­pflich­tet, aus­schließ­lich in dem ihnen gesetz­lich zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben­be­reich zu han­deln und die­sen nicht aus­zu­wei­ten. § 88 Abs. 2 SGB V regelt ledig­lich eine Infor­ma­ti­ons­pflicht der Kran­ken­kas­se, ihre Ver­si­cher­ten und die Zahn­ärz­te zuvor über bestehen­de preis­güns­ti­ge Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten zu infor­mie­ren. Aus die­ser Vor­schrift ergibt sich dage­gen kei­ne Mög­lich­keit, Rabatt­ver­trä­ge mit ein­zel­nen Dent­al­la­bo­ren abzu­schlie­ßen. Im Gesetz­be­bungs­ver­fah­ren für die­se Vor­schrift wur­de zwar auch die kon­kre­te Mög­lich­keit zum Abschluss von Indi­vi­du­al­ra­batt­ver­ein­ba­run­gen dis­ku­tiert. Der Gesetz­ge­ber hat jedoch eine Abwä­gung vor­ge­nom­men, sich bewusst gegen die­se Mög­lich­keit aus­ge­spro­chen und damit eine kla­re Rechts­la­ge geschaf­fen. Da im SGB V für eine Viel­zahl von Leis­tungs­be­rei­chen Ein­zel­ver­trä­ge mög­lich sind, z.B. für Heil­mit­tel (§ 125 Abs. 2 SGB V), für Hilfs­mit­tel (§ 127 Abs. 1 SGB V), im Bereich der häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge (§ 132a Abs. 2 SGB V) und für Arz­nei­mit­tel (§ 130a Abs. 8 SGB V), dür­fen – so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt – in den Berei­chen, in denen Ein­zel­ver­trä­ge nicht aus­drück­lich vor­ge­se­hen sind, die­se nicht abge­schlos­sen wer­den, wenn sie Rech­te Drit­ter betref­fen. Durch den Abschluss der Indi­vi­du­al­ra­batt­ver­ein­ba­rung zwi­schen der beklag­ten Kran­ken­kas­se und dem bei­gela­de­nen Dent­al­la­bor sind die Klä­ger zu 1. und 2. als Dent­al­la­bor und deren Betrei­ber in ihrer Wett­be­werbs­frei­heit ver­letzt.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 25. Novem­ber 2014 – L 4 KR 244/​10