Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be für Öffent­lich­keits­ar­beit

Ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein wird zur Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be her­an­ge­zo­gen, soweit er im Rah­men sei­ner Öffent­lich­keits­ar­beit nicht nur gele­gent­lich Auträ­ge an selb­stän­di­ge Künst­ler ver­gibt.

Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be für Öffent­lich­keits­ar­beit

Dies ent­schied das Sozi­al­ge­richt Dort­mund im Fal­le des For­schungs­in­sti­tuts Gerago­gik e.V. in Wit­ten auf des­sen Kla­ge gegen einen ent­spre­chen­den Her­an­zie­hungs­be­scheid der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund (DRV). Das Insti­tut hat­te u.a. die Erstel­lung von Tagungs- und Ein­la­dungs­fly­ern, Brief­bö­gen, Visi­ten­kar­ten, Logos, Bild­be­ar­bei­tun­gen und Pla­ka­ten sowie das Design und die Pro­gam­mie­rung des Inter­net­auf­tritts bei ver­schie­de­nen Fir­men in Auf­trag gege­ben. Die DRV errech­ne­te aus den Rech­nungs­be­trä­gen die Abga­be, weil das For­schungs­in­sti­tut Wer­bung und Öffent­lich­keits­ar­beit für das eige­ne Unter­neh­men betrei­be und dabei nicht nur gele­gent­lich Auf­trä­ge an selb­stän­di­ge Künst­ler ertei­le.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge des For­schungs­in­sti­tuts wies das Sozi­al­ge­richt Dort­mund ab. Die Klä­ge­rin sei ein abga­be­pflich­ti­ges Unter­neh­men, weil sie künst­le­ri­sche Leis­tun­gen zur Öffent­lich­keits­ar­beit und Wer­bung ver­wer­te. Die Rechts­form und die Aus­ge­stal­tung der Finan­zie­rung des Ver­eins durch öffent­li­che Mit­tel sei­en in die­sem Zusam­men­hang uner­heb­lich. Eine direk­te Ein­nah­me­er­zie­lung durch die Maß­nah­men der Wer­bung oder Öffent­lich­keits­ar­beit und damit eine unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit im enge­ren Sin­ne sei nicht erfor­der­lich.

Arbei­ten wie Satz­ge­stal­tung, Lay­out, gra­fi­sche Arbei­ten, Bild­be­ar­bei­tun­gen, Rein­zeich­nun­gen, Ent­wür­fe und Gestal­tung von Logos und Fol­dern, Erstel­lung von Pla­kat­bil­dern, Bear­bei­tung von Fotos unter­lie­gen nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts als künst­le­ri­sche Leis­tun­gen eben­so der Abga­be­pflicht wie das Web-Design. Im Rah­men des Web-Designs ste­he die krea­ti­ve Gestal­tung der Web­sei­te im Vor­der­grund. Die tech­ni­sche Umset­zung, bei der die ein­zel­nen Ele­men­te des Gesamt­de­signs in die Inter­net­sei­te ein­ge­fügt und gepflegt wür­den, die­ne eben­so der Voll­endung des Gesamt­werks und kön­ne nicht iso­liert betrach­tet wer­den. Auf den künst­le­ri­schen Cha­rak­ter ein­zel­ner Arbeits­schrit­te kom­me es des­halb bei der Berech­nung der Abga­be nicht an.

Sozi­al­ge­richt Dort­mund, Urteil vom 25. Febru­ar 2010 – S 34 R 321/​08