Mode­de­si­gne­rin und die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung

Eine Mode­de­si­gne­rin unter­liegt nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz. Weder ent­spricht ihre Tätig­keit der einer Desi­gne­rin im Sin­ne des KSVG, noch hat sie sich aus dem ange­stamm­ten Bereich des (Kunst-)Hand­werks gelöst und ist als in Kunst­krei­sen aner­kann­te Künst­le­rin anzu­se­hen.

Mode­de­si­gne­rin und die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung

Nach § 1 KSVG wer­den selbst­stän­di­ge Künst­ler und Publi­zis­ten in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung, in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­si­chert, wenn sie eine künst­le­ri­sche oder publi­zis­ti­sche Tätig­keit erwerbs­mä­ßig und nicht nur vor­über­ge­hend aus­üben (Nr 1) und im Zusam­men­hang mit der künst­le­ri­schen oder publi­zis­ti­schen Tätig­keit nicht mehr als einen Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen, es sei denn, die Beschäf­ti­gung erfolgt zur Berufs­aus­bil­dung oder ist gering­fü­gig iS des § 8 SGB IV (Nr 2). Nach § 2 Satz 1 KSVG ist Künst­ler im Sin­ne die­ses Geset­zes, wer Musik, dar­stel­len­de oder bil­den­de Kunst schafft, aus­übt oder lehrt. Im vor­lie­gen­den Fall kommt ersicht­lich nur das "Schaf­fen von bil­den­der Kunst" iS des § 2 Satz 1 KSVG in Betracht. Die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift sind hier aber nicht erfüllt.

In § 2 Satz 1 KSVG wer­den drei Berei­che künst­le­ri­scher Tätig­keit jeweils in den Spiel­ar­ten des Schaf­fens, Aus­übens und Leh­rens umschrie­ben, näm­lich die Musik sowie die bil­den­de und die dar­stel­len­de Kunst. Eine wei­ter­ge­hen­de Fest­le­gung, was dar­un­ter im Ein­zel­nen zu ver­ste­hen ist, ist im Hin­blick auf die Viel­falt, Kom­ple­xi­tät und Dyna­mik der Erschei­nungs­for­men künst­le­ri­scher Betä­ti­gungs­fel­der nicht erfolgt. Der Gesetz­ge­ber spricht im KSVG nur all­ge­mein von "Künst­lern" und "künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten", auf eine mate­ri­el­le Defi­ni­ti­on des Kunst­be­griffs hat er hin­ge­gen bewusst ver­zich­tet 1. Die­ser Begriff ist des­halb aus dem Rege­lungs­zweck des KSVG unter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­auf­fas­sung und der his­to­ri­schen Ent­wick­lung zu erschlie­ßen 2. Aus den Mate­ria­li­en zum KSVG ergibt sich, dass der Begriff der Kunst trotz sei­ner Unschär­fe auf jeden Fall sol­che künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten umfas­sen soll, mit denen sich der "Bericht der Bun­des­re­gie­rung über die wirt­schaft­li­che und sozia­le Lage der künst­le­ri­schen Beru­fe (Künst­ler­be­richt)" aus dem Jah­re 1975 3 beschäf­tigt 4. Der Gesetz­ge­ber hat damit einen an der Typo­lo­gie von Aus­übungs­for­men ori­en­tier­ten Kunst­be­griff vor­ge­ge­ben, der in aller Regel dann erfüllt ist, wenn das zu beur­tei­len­de Werk den Gat­tungs­an­for­de­run­gen eines bestimm­ten Kunst­typs (zB Thea­ter, Male­rei, Musik) ent­spricht. Bei die­sen Berufs­fel­dern ist das sozia­le Schutz­be­dürf­nis der Betrof­fe­nen zu unter­stel­len, ohne dass es auf die Qua­li­tät der künst­le­ri­schen Tätig­keit ankommt oder eine bestimm­te Werk- und Gestal­tungs­hö­he vor­aus­ge­setzt wird 5. So liegt es im Fal­le der Klä­ge­rin aber nicht, weil sie weder wie eine Desi­gne­rin tätig ist noch in Kunst­krei­sen über eine Aner­ken­nung als Künst­le­rin ver­fügt.

Zunächst ent­spricht die Tätig­keit der Klä­ge­rin nicht der einer Desi­gne­rin iS des KSVG. Soweit der Ent­wurf von Mode­ar­ti­keln sowie von Gebrauchs- und Indus­trie­pro­duk­ten betrof­fen ist, gilt als Desi­gner/-in nur die­je­ni­ge Per­son, die ihre Ent­wür­fe ganz oder zumin­dest über­wie­gend durch die Ver­ga­be von Lizen­zen ver­wer­tet. Wer hin­ge­gen sol­che Güter nach eige­nen Ent­wür­fen selbst fer­tigt oder im eige­nen Namen fer­ti­gen lässt und sie anschlie­ßend ver­mark­tet, ist nach der Wer­tung des KSVG als Pro­du­zent und nicht als Desi­gner anzu­se­hen.

Grund­sätz­lich zählt aller­dings auch das Design zu den in den Schutz­be­reich des KSVG ein­be­zo­ge­nen Berufs­fel­dern. Desi­gner sind zwar im Künst­ler­be­richt nicht als eige­ne Berufs­grup­pe geson­dert auf­ge­führt, jedoch ist das "Design" im Künst­ler­be­richt der bil­den­den Kunst umfas­send gleich­be­rech­tigt gegen­über­ge­stellt, dar­un­ter mit beson­de­rer Nen­nung der Berufs­grup­pen der Gra­fik-Desi­gner, der Indus­trie-Desi­gner sowie der Foto-Desi­gner 6. Die­sem Ver­ständ­nis ent­spre­chend hat­te auch der Ver­ord­nungs­ge­ber der zwi­schen­zeit­lich wie­der auf­ge­ho­be­nen "Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des KSVG" 7 die Grup­pe ua der Mode-Desi­gner dem Bereich der bil­den­den Kunst zuge­rech­net (vgl § 2 Abs 2 Nr 9 KSVGDV). In die­sem Sin­ne ist der erken­nen­de Senat in sei­ner Recht­spre­chung wie selbst­ver­ständ­lich von der Künst­ler­ei­gen­schaft der Mode-Desi­gner aus­ge­gan­gen, weil die Tätig­keit mit der von Gra­fik-Desi­gnern, Foto-Desi­gnern oder Lay­ou­tern ver­gleich­bar sei 8. Dem ent­spricht in der Recht­spre­chung des BSG des Wei­te­ren auch die Zuord­nung jeg­li­cher ande­rer Design-Beru­fe zum Typus des bil­den­den Künst­lers iS des KSVG 9.

Künst­ler­sta­tus im Sin­ne des KSVG hat im Bereich des Ent­wurfs von Mode­ar­ti­keln sowie von Gebrauchs- oder Indus­trie­pro­duk­ten aller­dings nur der Desi­gner, der sei­ne Tätig­keit auf das Ent­wer­fen beschränkt und mit der Produktion/​Ver­mark­tung der ent­wor­fe­nen Güter nicht befasst ist. Als Künst­ler anzu­se­hen im Sin­ne von § 2 Satz 1 KSVG ist ein Desi­gner aus­schließ­lich um sei­ner gestal­ten­den Tätig­kei­ten wegen. Design ist die form­ge­rech­te und funk­tio­na­le Gestal­tung von Gegen­stän­den aller Art unter künst­le­risch-ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten. Dabei wird unter dem Begriff Pro­dukt- oder Indus­trie­de­sign eine den Erfor­der­nis­sen der (hand­werk­li­chen, gewerb­li­chen oder indus­tri­el­len) Pro­duk­ti­on ange­pass­te Gestal­tung von Gebrauchs­ge­gen­stän­den aller Art ver­stan­den 10. Dem­ge­mäß hat der Senat als cha­rak­te­ris­ti­sches Merk­mal des Indus­trie­de­signs den Ent­wurf der äuße­ren Gestalt von Gegen­stän­den (ein­schließ­lich der Farb­ge­bung) nach ästhe­ti­schen, den vor­ge­se­he­nen Ver­wen­dungs­zweck und die Funk­ti­on unein­ge­schränkt wah­ren­den Gesichts­punk­ten (Gestal­tung der "schö­nen Form") ange­se­hen und dies als eine eigen­schöp­fe­risch gestal­ten­de, der "bil­den­den Kunst" im Sin­ne des § 2 KSVG zuzu­rech­nen­de Tätig­keit gewer­tet 11. Des­halb hat er die Erstel­lung von Ent­wür­fen für Tür- und Fens­ter­be­schlä­ge durch Desi­gner als künst­le­ri­sche Tätig­keit iS des KSVG qua­li­fi­ziert und dem Bereich "bil­den­de Kunst" zuge­ord­net, solan­ge damit nicht die hand­werk­li­che oder indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on der Gegen­stän­de durch die den Ent­wurf erstel­len­de Per­son ver­bun­den ist 12. Ver­gleich­bar hat er die Tätig­keit eines Tat­too-Desi­gners als künst­le­risch qua­li­fi­ziert, sofern die­ser sich auf das Ent­wer­fen und Zeich­nen von Tat­too-Moti­ven und Vor­la­gen als Arbeits­mit­tel für Tat­too-Stu­di­os beschränkt, ohne selbst die Ent­wür­fe auf die mensch­li­che Haut zu über­tra­gen 13.

Grund­sätz­lich kei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit ist dage­gen das Her­stel­len oder die Pro­duk­ti­on von Gebrauchs­gü­tern. Dies gilt zunächst stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats zufol­ge für die hand­werks­mä­ßi­ge Fer­ti­gung. Die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung ist nach ihrer Anla­ge als "Künst­ler"-Sozi­al­ver­si­che­rung aus­schließ­lich für künst­le­ri­sche und nicht für hand­werks­mä­ßig aus­ge­üb­te Beru­fe geschaf­fen wor­den 14. Dem­zu­fol­ge begrün­den schöp­fe­ri­sche Leis­tun­gen kei­ne Aner­ken­nung als künst­le­risch iS von § 2 Satz 1 KSVG, solan­ge sie über den Bereich des Hand­werk­li­chen nicht hin­aus­ge­hen 15. Nicht anders ver­hält es sich bei indus­tri­ell her­ge­stell­ten Pro­duk­ten, bei denen am Anfang ein Ent­wurf steht, der sodann in der Fer­ti­gung Gestalt annimmt und an des­sen Ende die – mög­lichst gewinn­brin­gen­de – Ver­mark­tung folgt. Ver­si­che­rungs­schutz im Sin­ne des § 2 Satz 1 KSVG genießt nicht der Pro­du­zent, son­dern nur der mit dem Ent­wurf betrau­te Desi­gner, weil des­sen Werk nach den für die Auf­stel­lung des Künst­ler­be­richts maß­ge­ben­den Kri­te­ri­en einem der drei Berei­che künst­le­ri­scher Tätig­keit zuzu­rech­nen ist. Die Abgren­zung ist unpro­ble­ma­tisch bei Desi­gnern, die sich auf das Ent­wer­fen der Pro­dukt­vor­la­gen beschrän­ken und ihre Ein­künf­te aus­schließ­lich oder zumin­dest weit über­wie­gend aus Lizen­zen für die Über­las­sung der Ent­wür­fe bezie­hen. In die­sem Fall ist das ver­wer­te­te Arbeits­er­geb­nis – der Pro­dukt­ent­wurf – einer der Kunst­gat­tun­gen der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung zuzu­rech­nen, näm­lich der bil­den­den Kunst. Anders liegt es indes, wenn jemand ein Pro­dukt nach eige­nen Ent­wür­fen selbst anfer­tigt und anschlie­ßend sogar die Ver­mark­tung vor­nimmt, also sei­ne Ein­künf­te nicht allein aus der Über­las­sung eines Ent­wurfs zur Ver­wer­tung durch Drit­te erzielt, son­dern viel­mehr aus der Pro­duk­ti­on und/​oder der anschlie­ßen­den Ver­äu­ße­rung der Gegen­stän­de. Dann mag der Ver­wer­tungs­er­folg zwar auch von der Güte des eige­nen Ent­wurfs abhän­gen, aber das vor­be­rei­ten­de Design ist nur ein Teil­be­reich des kom­ple­xen Tätig­keits­bil­des. In der Gesamt­schau prä­gend ist viel­mehr eine Ein­heit aus Ent­wurf, Pro­duk­ti­on und Ver­mark­tung, wobei dies glei­cher­ma­ßen für in klei­ner und in gro­ßer Serie pro­du­zier­te Gegen­stän­de gilt. Eben­so wie beim Kunst­hand­wer­ker steht auch bei der Herstellung/​Vermarktung selbst ent­wor­fe­ner Pro­duk­te die Ver­wer­tung der Pro­dukt­pa­let­te im Vor­der­grund, sodass wegen einer etwai­gen Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz nicht mehr allein auf die eigen­schöp­fe­ri­sche Leis­tung beim Ent­wurf ange­knüpft wer­den kann.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch im vor­lie­gen­den Fall einer Mode­de­si­gne­rin. Zwar hat die Klä­ge­rin sich zunächst auf das Ent­wer­fen der von ihr ver­trie­be­nen Mode­ar­ti­kel und Acces­soires beschränkt und an deren Her­stel­lung nicht unmit­tel­bar selbst mit­wirkt, son­dern dies durch freie Mit­ar­bei­ter und Prak­ti­kan­ten erle­di­gen lässt. Das ändert jedoch nichts dar­an, dass sie umfas­send in den Pro­duk­ti­ons­ab­lauf und die Ver­mark­tung der fer­ti­gen Pro­duk­te ein­ge­bun­den ist. Zum einen wer­den die Ent­wür­fe nach ihren Anga­ben und auf ihre Rech­nung gefer­tigt und es kann kei­nen Unter­schied machen, ob die Her­stel­lung durch sie selbst, durch eige­ne Ange­stell­te (dann ent­fie­le die Ver­si­che­rungs­pflicht womög­lich schon aus ande­ren Grün­den) (vgl § 1 Nr 2 KSVG) oder durch freie Mit­ar­bei­ter/-innen und Prak­ti­kan­ten erfolgt. Zum ande­ren ist die Klä­ge­rin Inha­be­rin eines Laden­ge­schäfts sowie Betrei­be­rin eines Inter­net­shops, wo sie die ent­wor­fe­nen Mode­ar­ti­kel und Acces­soires selbst anbie­tet und ver­kauft. Das schließt es aus, die Klä­ge­rin als Mode­de­si­gne­rin im Sin­ne von § 2 Satz 1 KSVG qua­li­fi­zie­ren zu kön­nen.

Die Klä­ge­rin hat sich auch nicht der­ma­ßen aus dem ange­stamm­ten hand­werk­li­chen Berufs­feld gelöst, dass sie als in Kunst­krei­sen aner­kann­te Künst­le­rin der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG unter­lie­gen könn­te.

Aller­dings ist, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt schon wie­der­holt ent­schie­den hat, nicht schlecht­hin jede Tätig­keit, die dem Hand­werks­be­reich zuzu­ord­nen ist, aus der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG aus­ge­klam­mert. Zwar gilt im Grund­satz für alle hand­werk­li­chen Beru­fe, dass sie kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG begrün­den. Dar­un­ter fal­len alle Gewer­be, die als zulas­sungs­pflich­ti­ge Hand­wer­ke betrie­ben wer­den kön­nen (§ 1 Abs 2 HwO – Anla­ge A der HwO), sowie die in der Anla­ge B der HwO genann­ten Gewer­be, die als zulas­sungs­freie Hand­wer­ke oder hand­werks­ähn­li­che Gewer­be betrie­ben wer­den kön­nen (§ 18 Abs 2 HwO), aber dar­über hin­aus auch alle nicht in der HwO ver­zeich­ne­ten hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten im wei­te­ren Sin­ne 16. Jedoch kommt eine Ein­stu­fung als Künst­ler auch bei grund­sätz­lich hand­werk­li­cher Tätig­keit aus­nahms­wei­se dann in Betracht, wenn der Betrof­fe­ne mit sei­nen Wer­ken in ein­schlä­gi­gen fach­kun­di­gen Krei­sen als "Künst­ler" aner­kannt und behan­delt wird und des­halb den Bereich der rein hand­werks­mä­ßi­gen Berufs­aus­übung ver­las­sen hat 17.

Aner­ken­nung als Künst­ler kön­nen Ange­hö­ri­ge grund­sätz­lich hand­werk­lich gepräg­ter Beru­fe indes nur für sol­che Wer­ke erfah­ren, die ihrer­seits dem Kunst­be­griff des KSVG genü­gen und daher den Gat­tungs­an­for­de­run­gen eines bestimm­ten Kunst­typs (z.B. Thea­ter, Male­rei, Musik) ent­spre­chen. Dafür reicht es nicht aus, dass die Aus­füh­rung in Fach­krei­sen als beson­ders qua­li­täts­voll oder hoch­wer­tig ange­se­hen wird, wie das Revi­si­ons­vor­brin­gen mög­li­cher­wei­se zu ver­ste­hen sein könn­te 18. Viel­mehr ist eine Zuord­nung zum Bereich der Kunst nur dann anzu­neh­men, wenn der Betrof­fe­ne mit sei­nen Wer­ken in ein­schlä­gi­gen fach­kun­di­gen Krei­sen als "Künst­ler" aner­kannt und behan­delt wird 19. Wie der Senat bereits ent­schie­den hat, ist hier­für bei Ver­tre­tern der bil­den­den Kunst vor allem maß­ge­bend, ob der Betrof­fe­ne an Kunst­aus­stel­lun­gen teil­nimmt, Mit­glied von Künst­ler­ver­ei­nen ist, in Künst­ler­le­xi­ka auf­ge­führt wird, Aus­zeich­nun­gen als Künst­ler erhal­ten hat oder ande­re Indi­zi­en auf eine der­ar­ti­ge Aner­ken­nung schlie­ßen las­sen 20. Als ein sol­ches Indiz hat der Senat zB die Abbil­dung oder Bespre­chung einer Arbeit in einer Kunst­zeit­schrift ange­se­hen 21. Nicht aus­rei­chend dage­gen ist der Besuch von Ver­kaufs­mes­sen 22.

Die­se beson­de­ren Kri­te­ri­en sind im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt. Der vom LSG fest­ge­stell­te Sach­ver­halt gibt kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass die Arbei­ten der Klä­ge­rin durch Fach­krei­se der bil­den­den Kunst (z.B. Kunst­kri­ti­ker, Muse­ums­leu­te, Gale­ris­ten, Kunst­ver­ei­ne) die­ser Kunst­gat­tung zuge­rech­net wür­den. Soweit die Klä­ge­rin in die­sem Zusam­men­hang auf die regel­mä­ßi­ge Teil­nah­me an Aus­stel­lun­gen und die dem vor­ge­schal­te­te Aus­wahl durch Fach­ju­rys ver­weist, lässt sich nicht erken­nen, dass es sich dabei um Kunst­aus­stel­lun­gen han­deln könn­te, die zumin­dest im wei­te­ren Sin­ne der bil­den­den Kunst zuzu­rech­nen wären. Viel­mehr spricht alles dafür, dass es sich um kunst­hand­werk­li­che Ver­kaufs­aus­stel­lun­gen han­delt, denen für die Aner­ken­nung in Künst­ler­krei­sen kei­ne Indi­zwir­kung zukommt.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 10. März 2011 – B 3 KS 4/​10 R

  1. BT-Drucks 8/​3172 S 21[]
  2. vgl BSG SozR 4 – 5425 § 24 Nr 6 RdNr 13 und BSGE 83, 160, 161 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 9 S 33 – jeweils mwN; zum Kunst­be­griff des Art 5 GG vgl. BVerfGE 30, 173, 188 ff.; und 81, 108, 116; zur Ziel­rich­tung des KSVG vgl. BT-Drucks 9/​26, S 18; und BT-Drucks 8/​3172, S 19 ff.[]
  3. BT-Drucks 7/​3071[]
  4. BSGE 83, 160, 165 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 9 S 37 f; BSGE 83, 246, 250 = SozR 3 – 5425 § 1 Nr 5 S 23; vgl auch Finke/​Brachmann/​Nordhausen, KSVG, 04. Aufl 2009, § 2 RdNr 3 und 9; Schrie­ver "Der Begriff der Kunst im Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht" in: von Wulffen/​Krasney (Hrsg), Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­so­zi­al­ge­richt, 2004, S 709, 714 f.[]
  5. BSG aaO[]
  6. vgl BT-Drucks 7/​3071 S. 7[]
  7. KSVGDV vom 23.05.1984, BGBl I 709[]
  8. vgl BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 7 – Web-Desi­gner[]
  9. vgl BSG SozR 3 – 5425 § 25 Nr 9 – Gestal­tung von CD-Covern; BSG SozR 3 – 5425 § 2 Nr 11 – Indus­trie­de­si­gner; Urteil vom 04.03.2004 – B 3 KR 15/​03 R – Lay­ou­ter; BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 7 – Web-Desi­gner; Urteil vom 07.07.2005 – B 3 KR 7/​04 RBerufs­fach­schu­le für Design­be­ru­fe; BSG SozR 4 – 5425 § 24 Nr 8 – Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Design­kon­zep­te[]
  10. Brock­haus, Die Enzy­klo­pä­die, 20. Aufl 1996, Band 10, Stich­wort "Indus­trie­de­sign"[]
  11. vgl BSG SozR 3 – 5425 § 2 Nr 11 S 46 – Indus­trie­de­si­gner[]
  12. aaO S 45[]
  13. vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 21 – Täto­wie­rer; ähn­lich auch BSGE 82, 164, 167 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 30 – Fein­täsch­ner und BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 15 – Web-Desi­gner[]
  14. vgl dazu schon BSGE 80, 136, 138 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 15 – Cem­balo­bau­er[]
  15. vgl BSGE 82, 164, 165 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 28 – Fein­täsch­ner; BSG SozR 3 – 5425 § 25 Nr 11 S 56 – Gemäl­de­fo­to­gra­fie; BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 18 – Täto­wie­rer[]
  16. vgl zusam­men­fas­send zuletzt BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11 RdNr 18 – Täto­wie­rer[]
  17. vgl BSGE 80, 136, 140 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 17 – Cem­balo­bau­er; BSGE 82, 164, 168 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 31 – Fein­täsch­ner; BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 22 – Täto­wie­rer[]
  18. vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11 RdNr 22 – Täto­wie­rer[]
  19. vgl BSGE 80, 136, 140 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 16 – Cem­balo­bau­er[]
  20. vgl BSGE 82, 164, 168 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 31 – Fein­täsch­ner[]
  21. vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 22 – Täto­wie­rer[]
  22. vgl BSGE 82, 164, 169 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 32 – Fein­täsch­ner[]