Die Ein­künf­te einer Pro­sti­tu­ier­ten

Die Pro­sti­tu­ti­on ist zwar angeb­lich das ältes­te Gewer­be der Welt, aber im Bun­des­fi­nanz­hof steht wie­der ein­mal die Fra­ge an, ob die Ein­künf­te, die eine Pro­sti­tu­ier­te aus ihrer Tätig­keit erzielt, auch gewerb­li­che Ein­künf­te sind. Dem­ge­mäß hat nun der III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hof den Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs zur erneu­ten Klä­rung der Fra­ge ange­ru­fen, ob aus Eigen­pro­sti­tu­ti­on gewerb­li­che oder sons­ti­ge Ein­künf­te erzielt wer­den.

Die Ein­künf­te einer Pro­sti­tu­ier­ten

Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat­te sich mit die­ser Fra­ge bereits 1964 befasst und sei­ner­zeit ent­schie­den, dass Pro­sti­tu­ier­te kei­ne gewerb­li­chen Ein­künf­te erzie­len, weil sie sich nicht am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr betei­lig­ten. Die "gewerbs­mä­ßi­ge Unzucht" fal­le aus dem Rah­men des­sen, was das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz unter selb­stän­di­ger Berufs­tä­tig­keit ver­stan­den wis­sen wol­le; sie stel­le das Zerr­bild eines Gewer­bes dar. Pro­sti­tu­ier­te erziel­ten sons­ti­ge Ein­künf­te, die nicht der Gewer­be­steu­er unter­lie­gen.

Der III. Senat möch­te hier­an nicht län­ger fest­hal­ten und ver­tritt in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss die Auf­fas­sung, dass die­se Ein­ord­nung wegen der geän­der­ten tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se nicht mehr auf­recht zu erhal­ten sei: Das Gesetz zur Rege­lung der Rechts­ver­hält­nis­se der Pro­sti­tu­ier­ten habe deren Tätig­keit lega­li­siert. Sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen wür­den in der Bou­le­vard­pres­se und im Inter­net umfang­reich bewor­ben, Pro­sti­tu­ier­te wen­de­ten sich mit ihrem Ange­bot an ande­re Per­so­nen in deren Eigen­schaft als Markt­teil­neh­mer.

Im kon­kre­ten Fall kam für den III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hin­zu, dass die die Klä­ge­rin ihre Leis­tun­gen bewirbt und in einer eigens dafür ange­mie­te­ten Woh­nung erbringt. Damit hat nach Ansicht des III. Sena­tes des Bun­des­fi­nanzh­fos das Finanz­amt zu Recht Gewer­be­steu­er fest­ge­setzt.

Dies kann der Senat so jedoch nicht selbst ent­schei­den. Denn wenn ein Senat von der Ent­schei­dung eines ande­ren Senats oder – wie hier – des Gro­ßen Senats abwei­chen will, muss er die Rechts­fra­ge dem Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Ent­schei­dung vor­le­gen. Der Gro­ße Senat besteht aus dem Prä­si­den­ten des Bun­des­fi­nanz­hofs und je einem Rich­ter der Sena­te, in denen der Prä­si­dent nicht den Vor­sitz führt.

Bun­des­fi­nanz­hof. Beschluss vom 15. März 2012 – III R 30/​10