Grup­pen­kran­ken­ver­si­che­rung als Arbeits­lohn

Die Bei­trä­ge des Arbeit­ge­bers zu einer pri­va­ten Grup­pen­kran­ken­ver­si­che­rung sind Arbeits­lohn des Arbeit­neh­mers, wenn die­ser einen eige­nen unmit­tel­ba­ren und unent­zieh­ba­ren Rechts­an­spruch gegen den Ver­si­che­rer erlangt 1.

Grup­pen­kran­ken­ver­si­che­rung als Arbeits­lohn

Die Gewäh­rung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz ist in Höhe der geleis­te­ten Bei­trä­ge Sach­lohn, wenn der Arbeit­neh­mer auf­grund des Arbeits­ver­trags von sei­nem Arbeit­ge­ber aus­schließ­lich Ver­si­che­rungs­schutz und nicht auch eine Geld­zah­lung ver­lan­gen kann 2.

Bei­trä­ge für eine Kran­ken­ver­si­che­rung der Arbeit­neh­mer kön­nen steu­er­frei sein, wenn der Arbeit­ge­ber nach einer zwi­schen­staat­li­chen Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung, die ihrer­seits auf einer gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung beruht, zur Leis­tung ver­pflich­tet ist (§ 3 Nr. 62 Satz 1 Alt. 3 EStG).

Die Nach­for­de­rung von Lohn­steu­er beim Arbeit­ge­ber durch Steu­er­be­scheid kommt in Betracht, wenn die Lohn­steu­er vor­schrifts­wid­rig nicht ange­mel­det wor­den ist und es sich um eine eige­ne Steu­er­schuld des Arbeit­ge­bers han­delt. Eine eige­ne Steu­er­schuld des Arbeit­ge­bers liegt auch vor, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für eine Pau­scha­lie­rung der Lohn­steu­er nach § 40a Abs. 3 i.V.m. § 40a Abs. 5, § 40 Abs. 3 EStG gege­ben sind. Dies setzt vor­aus, dass den Arbeit­neh­mern der Arbeit­ge­be­rin durch die Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge steu­er­ba­rer und steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn zuge­flos­sen ist.

Arbeits­lohn ist jeder gewähr­te Vor­teil, der durch das indi­vi­du­el­le Dienst­ver­hält­nis ver­an­lasst ist. Zum Arbeits­lohn kön­nen auch Aus­ga­ben gehö­ren, die ein Arbeit­ge­ber leis­tet, um einen Arbeit­neh­mer oder die­sem nahe­ste­hen­de Per­so­nen für den Fall der Krank­heit, des Unfalls, der Inva­li­di­tät, des Alters oder des Todes abzu­si­chern –Zukunfts­si­che­rung– 3. Erlangt der Arbeit­neh­mer durch die Bei­trags­leis­tun­gen sei­nes Arbeit­ge­bers einen unmit­tel­ba­ren und unent­zieh­ba­ren Rechts­an­spruch gegen den Ver­si­che­rer bzw. die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung, fließt ihm mit der Bei­trags­leis­tung Arbeits­lohn zu 4.

Zum steu­er­ba­ren Arbeits­lohn gehö­ren auch Sach­be­zü­ge i.S. des § 8 Abs. 2 EStG. Die Fra­ge, ob Bar- oder Sach­lohn vor­liegt, ist im Hin­blick auf die Frei­gren­ze des § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG erheb­lich. Denn nach die­ser Vor­schrift blei­ben Sach­be­zü­ge außer Ansatz, wenn die sich nach Anrech­nung der vom Steu­er­pflich­ti­gen gezahl­ten Ent­gel­te erge­ben­den Vor­tei­le ins­ge­samt 50 DM (2001) bzw. 50 EUR (2002, 2003) im Kalen­der­mo­nat nicht über­stei­gen. Nach der neu­es­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist für die Abgren­zung von Bar- und Sach­lohn der Rechts­grund des Zuflus­ses ent­schei­dend 5. Auf Grund­la­ge der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen ist zu ermit­teln, wel­che Leis­tung der Arbeit­neh­mer vom Arbeit­ge­ber bean­spru­chen kann. Ein Sach­be­zug unter­schei­det sich von Bar­lohn durch die Art des arbeit­ge­ber­sei­tig zuge­sag­ten und daher arbeit­neh­mer­sei­tig zu bean­spru­chen­den Vor­teils selbst und nicht durch die Art und Wei­se der Erfül­lung die­ses Anspruchs. Kann der Arbeit­neh­mer ledig­lich die Sache selbst bean­spru­chen, lie­gen daher Sach­be­zü­ge i.S. des § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG vor, die unter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG außer Ansatz blei­ben. Uner­heb­lich ist dann, ob der Arbeit­neh­mer die Sache unmit­tel­bar vom Arbeit­ge­ber erhält oder ob der Arbeit­neh­mer die Sache von einem Drit­ten auf Kos­ten des Arbeit­ge­bers bezieht. Es kommt daher nicht dar­auf an, ob der Arbeit­neh­mer selbst Ver­trags­part­ner des Drit­ten gewor­den ist oder der Arbeit­ge­ber die Sach­leis­tung beim Drit­ten bezieht 6. Hat der Arbeit­neh­mer dage­gen auch einen Anspruch dar­auf, dass sein Arbeit­ge­ber ihm anstel­le der Sache den Bar­lohn in Höhe des Werts der Sach­be­zü­ge aus­be­zahlt, lie­gen auch dann kei­ne Sach­be­zü­ge, son­dern Bar­lohn vor, wenn der Arbeit­ge­ber die Sache zuwen­det.

Steu­er­frei nach § 3 Nr. 62 Satz 1 EStG sind Aus­ga­ben des Arbeit­ge­bers für die Zukunfts­si­che­rung des Arbeit­neh­mers, soweit der Arbeit­ge­ber dazu nach sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen oder ande­ren gesetz­li­chen Vor­schrif­ten oder nach einer auf gesetz­li­cher Ermäch­ti­gung beru­hen­den Bestim­mung ver­pflich­tet ist. Leis­tun­gen, die auf­grund einer frei­wil­lig begrün­de­ten Rechts­pflicht erbracht wer­den, sind dage­gen nicht steu­er­be­freit 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. April 2011 – VI R 24/​10

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 16.04.1999 – VI R 66/​97, BFHE 188, 338, BSt­Bl II 2000, 408[]
  2. Anschluss an BFH, Urteil vom 11.11.2010 – VI R 27/​09, BFHE 232, 56, BSt­Bl II 2011, 386[]
  3. z.B. BFH, Urteil vom 11.12.2008 – VI R 9/​05, BFHE 224, 70, BSt­Bl II 2009, 385[]
  4. BFH, Urteil vom 07.05.2009 – VI R 8/​07, BFHE 225, 68, BSt­Bl II 2010, 194[]
  5. grund­le­gend BFH, Urteil vom 11.11.2010 – VI R 41/​10, BFHE 232, 62, BSt­Bl II 2011, 389[]
  6. BFH, Urteil vom 11.11.2010 VI R 27/​09, BFHE 232, 56, BSt­Bl II 2011, 386[]
  7. vgl. BFH, Urtei­le vom 18.05.2004 – VI R 11/​01, BFHE 206, 158, BSt­Bl II 2004, 1014; vom 22.07.2008 – VI R 56/​05, BFHE 222, 442, BSt­Bl II 2008, 894[]