Die Anmel­dung der Kern­brenn­stoff­steu­er

Ist das Kern­brenn­stoff­steu­er­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig und euro­pa­rechts­wid­rig, muss die Voll­zie­hung der Kern­brenn­stoff­steu­er-Anmel­dun­gen auf­ge­ho­ben wer­den.

Die Anmel­dung der Kern­brenn­stoff­steu­er

So hat das Finanz­ge­richt Ham­burg in 27 Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, mit denen sich fünf Kern­kraft­werks­be­trei­bern bean­tragt haben, von der Zah­lung der Kern­brenn­stoff­steu­er einst­wei­lig befreit zu wer­den bzw. deren Erstat­tung zu errei­chen.

Zum 1. Janu­ar 2011 trat das Kern­brenn­stoff­steu­er­ge­setz in Kraft, mit dem der Bund eine neue Steu­er auf die Ver­wen­dung von Kern­brenn­stof­fen ein­ge­führt hat. Die Betrei­ber von fünf Kern­kraft­wer­ken haben beim Finanz­ge­richt Ham­burg Kla­gen gegen das von Beginn an recht­lich umstrit­te­ne Gesetz erho­ben. Mit zwei Beschlüs­sen aus dem Jahr 2013 hat das Finanz­ge­richt Ham­burg bereits die höchst­rich­ter­li­che Über­prü­fung des Kern­brenn­stoff­steu­er­ge­set­zes ver­an­lasst und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he (Az. BVerfG 2 BvL 6/​13) und den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in Luxem­burg (Az. EuGH C‑5/​14) ange­ru­fen. Da das Finanz­ge­richt über die bei ihm anhän­gi­gen Kla­gen jedoch nicht ent­schei­den kann, solan­ge noch kei­ne Urtei­le aus Karls­ru­he und Luxem­burg vor­lie­gen, haben die Betrei­ber der Kern­kraft­wer­ke vor­läu­fi­gen Rechts­schutz bean­tragt, um von der Zah­lung der Kern­brenn­stoff­steu­er einst­wei­lig befreit zu wer­den bzw. deren Erstat­tung zu errei­chen.

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Ham­burg ist das Kern­brenn­stoff­steu­er­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig: Die Kern­brenn­stoff­steu­er besteue­re nicht den Ver­brauch von Kern­brenn­stof­fen oder elek­tri­schen Strom, son­dern sei eine Steu­er zur Abschöp­fung der Gewin­ne der Kraft­werk­be­trei­ber. Des­halb habe sich der Bund zu Unrecht auf sei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für Ver­brauch­steu­ern beru­fen.

Außer­dem spre­che eini­ges dafür, dass die Kern­brenn­stoff­steu­er euro­pa­rechts­wid­rig ist. Das in der euro­päi­schen Ener­gie­steu­er­richt­li­nie ver­an­ker­te Prin­zip der "Out­put-Besteue­rung" ver­bie­tet es, neben dem elek­tri­schen Strom selbst auch noch die Ener­gie­er­zeug­nis­se zu besteu­ern, die zu sei­ner Pro­duk­ti­on ein­ge­setzt wer­den. Da Finanz­ge­richt hält es für durch­aus mög­lich, dass die­ses Ver­bot auch die in der Richt­li­nie nicht aus­drück­lich genann­ten Kern­brenn­stof­fe erfasst.

Im Übri­gen spre­che eini­ges dafür, dass die euro­päi­sche Ver­brauch­steu­er­sys­tem­richt­li­nie den Mit­glied­staa­ten ver­bie­te, eine Steu­er wie die Kern­brenn­stoff­steu­er neu zu erfin­den. Aus die­sen Grün­den hat das Finanz­ge­richt Ham­burg die Voll­zie­hung der Kern­brenn­stoff­steu­er-Anmel­dun­gen auf­ge­ho­ben und die Haupt­zoll­äm­ter vor­läu­fig ver­pflich­tet, über 2,2 Mil­li­ar­den Euro Kern­brenn­stoff­steu­er zu erstat­ten.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschlüs­se vom 14. April 2014 – 4 V 154/​13