Die Höhe der Ver­gnü­gung­steu­er

Die Recht­mä­ßig­keit der Höhe eines Steu­er­sat­zes beur­teilt sich nicht nach den für Ermes­sens­ver­wal­tungs­ak­te gel­ten­den Kri­te­ri­en, son­dern aus­schließ­lich danach, ob der Steu­er­satz mit höher­ran­gi­gen recht­li­chen Anfor­de­run­gen, ins­be­son­de­re dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­bot einer erdros­seln­den Wir­kung, über­ein­stimmt. Ein Steu­er­satz von 15% auf die Brut­to­kas­se liegt an der Ober­gren­ze des recht­lich höchs­tens Zuläs­si­gen und muss daher im Ein­zel­fall beson­ders sorg­fäl­tig auf einen Ver­stoß gegen das Erdros­se­lungs­ver­bot über­prüft wer­den.

Die Höhe der Ver­gnü­gung­steu­er

Die von der Gemein­de vor­zu­neh­men­de Fest­le­gung, wie hoch der Steu­er­satz sein soll, ist kei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung im Sin­ne der Leh­re vom Ver­wal­tungs­er­mes­sen, so dass die Anfor­de­run­gen an Ermes­sens­ver­wal­tungs­ak­te nicht auf die Fest­le­gung von Steu­er­sät­zen über­tra­gen wer­den kön­nen. Steu­er­sät­ze müs­sen sich hin­sicht­lich ihrer Höhe nicht dar­an mes­sen las­sen, wie die kom­mu­na­le Wil­lens­bil­dung abge­lau­fen ist. Auf die Erwä­gun­gen und Beweg­grün­de, also die Moti­va­ti­on des Sat­zungs­ge­bers kommt es bei der Beur­tei­lung ihrer Recht­mä­ßig­keit nicht an. Soweit von einem „Besteue­rungs­er­mes­sen“ gespro­chen wird, ist damit ledig­lich gemeint, dass die Kom­mu­nen hin­sicht­lich der Erhe­bung einer Steu­er sowie der Höhe des Steu­er­sat­zes eine weit­rei­chen­de Gestal­tungs­frei­heit haben, bei deren Aus­übung vor allem kom­mu­nal­po­li­ti­sche Über­le­gun­gen eine Rol­le spie­len.

Die Zuläs­sig­keit der Höhe des Steu­er­sat­zes ist somit ledig­lich am Inhalt der Steu­er­sat­zung selbst sowie dar­an zu mes­sen, ob er mit höher­ran­gi­gen recht­li­chen Anfor­de­run­gen über­ein­stimmt [1]. Dies bedeu­tet im Bereich der Ver­gnü­gung­steu­er man­gels zwin­gen­der Vor­schrif­ten des Haus­halts­rechts, dass regel­mä­ßig so lan­ge von der Recht­mä­ßig­keit des fest­ge­setz­ten Steu­er­sat­zes aus­ge­gan­gen wer­den darf, wie eine erdros­seln­de Wir­kung nicht nach­ge­wie­sen und fest­ge­stellt wor­den ist [2]. Für die Recht­mä­ßig­keit der Höhe des Steu­er­sat­zes ist ins­be­son­de­re ohne Belang, ob der Sat­zungs­ge­ber hin­sicht­lich der Höhe der Steu­er das Für und Wider sowie die Aus­wir­kun­gen auf den Steu­er­pflich­ti­gen abge­wo­gen hat. Letz­te­res ist im Übri­gen regel­mä­ßig unmög­lich, weil dem Sat­zungs­ge­ber die Ver­hält­nis­se der Steu­er­pflich­ti­gen meis­tens nicht bekannt sind.

Die Höhe des Steu­er­sat­zes hat erdros­seln­de Wir­kung, wenn sie es dem durch­schnitt­li­chen Spiel­au­to­ma­ten­auf­stel­ler im Erhe­bungs­ge­biet unmög­lich macht, den gewähl­ten Beruf des Auf­stel­lers von Spiel­au­to­ma­ten ganz oder teil­wei­se zur wirt­schaft­li­chen Grund­la­ge sei­ner Lebens­füh­rung zu machen [3]. Es obliegt dem Steu­er­pflich­ti­gen, den Nach­weis für das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zung zu erbrin­gen, indem er z. B. beweist, dass wegen der Höhe der Steu­er bei einem Durch­schnitts­be­trieb im Erhe­bungs­ge­biet die Ver­gnü­gung­steu­er nicht mehr auf den Spie­ler abge­wälzt wer­den kann bzw. die Auf­stel­lung von Spiel­au­to­ma­ten nicht mehr gewinn­brin­gend ist.

Einen sol­chen Nach­weis hat die Klä­ge­rin nicht erbracht. Zwar spricht zuguns­ten der Klä­ge­rin, dass ein Steu­er­satz von 15 % auf die Brut­to­kas­se an der obe­ren Gren­ze des­je­ni­gen liegt, was in der Recht­spre­chung unter den jeweils gege­be­nen Umstän­den noch als ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ein­ge­stuft wor­den ist. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat bis­her für Steu­er­sät­ze bis zu 12% ange­nom­men, dass sie in den ent­schie­de­nen Fäl­len ver­fas­sungs­ge­mäß sei­en [4]. Die Aus­wir­kun­gen des hier zu beur­tei­len­den Steu­er­sat­zes von immer­hin 15% auf die Berufs­frei­heit im Erhe­bungs­ge­biet müs­sen daher beson­ders sorg­fäl­tig geprüft wer­den [5].

Die­ser ver­schärf­te Prü­fungs­an­satz wirkt sich vor­lie­gend indes­sen letzt­lich nicht zuguns­ten der Klä­ge­rin aus. Denn sie hat weder durch die Vor­la­ge ihrer eige­nen Kal­ku­la­ti­on noch durch die Anga­be von Bezugs­fäl­len im Erhe­bungs­ge­biet deut­lich gemacht, dass dort Spiel­hal­len nicht mehr wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den kön­nen. Ins­be­son­de­re fehlt es an kon­kre­ten Unter­la­gen, auf­grund derer es für den Senat nach­voll­zieh­bar erscheint, dass der Ein­satz der Spie­ler im Erhe­bungs­ge­biet nicht mehr aus­reicht, den Steu­er­be­trag sowie die sons­ti­gen not­wen­di­gen Betriebs­kos­ten zu decken und dar­über hin­aus in der Regel noch Gewinn zu erwirt­schaf­ten [6].

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Novem­ber 2010 – 9 LA 199/​09

  1. vgl. auch BVerwG, Urteil vom 27.10.2010 – 8 C 43.09, wonach das Recht zur Sen­kung von Hebe­sät­zen durch Vor­schrif­ten in der Gemein­de­ord­nung ein­ge­schränkt sein kann[]
  2. so bereits Nds. OVG, Beschluss vom 22.03.2007 – 9 ME 84/​07, NVwZ-RR 2007, 551 = ZkF 2007, 210; eben­so Rosenzweig/​Freese, NKAG, Stand: August 2010, § 3 Rdnrn. 4 c und 4 d; VG Olden­burg, Urteil vom 22.10.2009 – 2 A 233/​09; anders Säch­si­sches OVG, Beschluss vom 19.12.2006 – 5 BS 242/​06, VG Göt­tin­gen, Urteil vom 01.02.2005 – 3 A 228/​03; und VG Köln, Urteil vom 13.05.2009 – 23 K 3425/​06[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.01.1998 – 8 B 228.97, KStZ 1998, 238 = NVwZ-RR 1998, 672; sowie Urtei­le vom 22.12.1999 – 11 CN 1.99, BVerw­GE 110, 237 = DVBl 2000, 910; und vom 13.04.2005 – 10 C 05.04, KStZ 2005, 172 = NStN 2005, 207 = NVwZ 2005, 1316; sie­he fer­ner Nds. OVG, Beschlüs­se vom 22.03.2007 – 9 ME 84/​07, a.a.O.; sowie vom 25.09.2008 – 9 LA 177/​07, 9 LA 178/​07 und 9 LA 179/​07; und Rosenzweig/​Freese, a. a. O., § 3 Rdnrn. 97 ff.[]
  4. Nds. OVG, Beschlüs­se vom 22.03.2007 – 9 ME 84/​07, a.a.O. zu einem Steu­er­satz von 12%, vom 25.09.2008 – 9 LA 177/​07, 9 LA 178/​07 und 9 LA 179/​07, zu Steu­er­sät­zen von 9% bzw. 10%; und vom 26.05.2009 – 9 LA 208/​08, 9 LA 209/​08 und 9 LA 210/​08, zu einem Steu­er­satz von 8%[]
  5. vgl. Birk, in Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Stand: Juli 2010, § 3 Rdnrn 181 und 184[]
  6. vgl. Rosenzweig/​Freese, a. a. O., § 3 Rdnrn. 97 ff.[]