Pick­up-Fahr­zeu­ge – und die Kraft­fahr­zeug­steu­er

Die für die kraft­fahr­zeug­steu­er­li­che Ein­ord­nung von Pick­up-Fahr­zeu­gen maß­ge­ben­den Grund­sät­ze ein­schließ­lich der nähe­ren Grund­sät­ze für die Gesamt­wür­di­gung der objek­ti­ven Beschaf­fen­heits­merk­ma­le eines Pick­up-Fahr­zeugs sind in der BFH-Recht­spre­chung1 geklärt. Grund­sätz­lich ist die Abgren­zung zwi­schen LKW und PKW nach der objek­ti­ven Beschaf­fen­heit des Fahr­zeugs vor­zu­neh­men.

Pick­up-Fahr­zeu­ge – und die Kraft­fahr­zeug­steu­er

Als für die Ein­stu­fung bedeut­sa­me Merk­ma­le sind von der Recht­spre­chung z.B. die Zahl der Sitz­plät­ze, die ver­kehrs­recht­lich zuläs­si­ge Zula­dung, die Grö­ße der Lade­flä­che, die Aus­stat­tung mit Sitz­be­fes­ti­gungs­punk­ten und Sicher­heits­gur­ten, die Ver­ble­chung der Sei­ten­fens­ter, die Beschaf­fen­heit der Karos­se­rie und des Fahr­ge­stells, die Moto­ri­sie­rung und die damit erreich­ba­re Höchst­ge­schwin­dig­keit, das äuße­re Erschei­nungs­bild und bei Seri­en­fahr­zeu­gen die Kon­zep­ti­on des Her­stel­lers aner­kannt wor­den2. Bei Pick­up-Fahr­zeu­gen kommt nach stän­di­ger Recht­spre­chung neben den ande­ren tech­ni­schen Merk­ma­len der Grö­ße der Lade­flä­che eine beson­de­re, wenn auch nicht allein aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zu3.

Die Recht­spre­chung des BFH4 hat klar­ge­stellt, dass der Begriffs­be­stim­mung des § 2 Abs. 2a des Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­set­zes in der hier maß­ge­ben­den Fas­sung (Kraft­StG) kei­ne kon­sti­tu­ti­ve, son­dern andern­falls eine klar­stel­len­de Bedeu­tung zukommt. Im Übri­gen trifft auch die Auf­fas­sung, es wer­de schon mit der Begriffs­be­stim­mung des § 2 Abs. 2a Satz 1 Nr. 1 Kraft­StG für ein als LKW ein­zu­stu­fen­des Fahr­zeug des­sen kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­che Eigen­schaft als PKW fin­giert, nicht zu. Viel­mehr ergibt sich aus § 2 Abs. 2a Sät­ze 2 und 3 Kraft­StG, dass die in § 2 Abs. 2a Satz 1 Kraft­StG genann­ten Fahr­zeu­ge nur dann als PKW gel­ten, wenn sie vor­ran­gig zur Per­so­nen­be­för­de­rung aus­ge­legt und gebaut sind. Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn die zur Per­so­nen­be­för­de­rung die­nen­de Boden­flä­che grö­ßer ist als die Hälf­te der gesam­ten Nutz­flä­che des Fahr­zeugs. Fehlt es ‑wie im Streit­fall- an der letzt­ge­nann­ten Vor­aus­set­zung, bleibt es daher bei den unter II. 1.a auf­ge­zeig­ten all­ge­mei­nen Abgren­zungs­merk­ma­len.

Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich auch nicht aus der zum 1. Janu­ar 2013 in Kraft getre­te­nen Novel­lie­rung des Kraft­StG. Zwar sind nach der Neu­fas­sung des § 2 Abs. 2 Nr. 2 Kraft­StG n.F. nun­mehr für die Ein­ord­nung eines Fahr­zeugs als PKW oder LKW die Fest­stel­lun­gen der Zulas­sungs­be­hör­den ver­bind­lich. Füh­ren die Fest­stel­lun­gen der Zulas­sungs­be­hör­den hin­sicht­lich der Fahr­zeug­klas­sen und Auf­bau­ar­ten jedoch ‑wie im Streit­fall- zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er als unter Berück­sich­ti­gung des § 2 Abs. 2a Kraft­StG in der am 1.07.2010 gel­ten­den Fas­sung, ist nach § 18 Abs. 12 Kraft­StG n.F. wei­ter­hin der Tarif des § 9 Abs. 1 Nr. 2 Kraft­StG anzu­wen­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2014 – II B 111/​13

  1. z.B. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 07.11.2006 – VII B 79/​06, BFH/​NV 2007, 778; vom 29.08.2012 – II R 7/​11, BFHE 239, 159, BSt­Bl II 2013, 93; und vom 05.12 2012 – II R 23/​11, BFH/​NV 2013, 992, jeweils m.w.N. []
  2. z.B. BFH, Urteil in BFHE 239, 159, BSt­Bl II 2013, 93, m.w.N. []
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 992, m.w.N. []
  4. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 09.04.2008 – II R 62/​07, BFHE 221, 252, BSt­Bl II 2008, 691; vom 13.04.2007 – IX B 14/​07, BFH/​NV 2007, 1352 []