Stu­fen­ta­rif bei der Zweit­woh­nungs­steu­er

Die Zweit­woh­nungs­steu­er­sat­zun­gen der Gemein­den Schlier­see und Bad Wies­see sind nach jetzt ver­kün­de­ten Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts rechts­wid­rig, da sie im Hin­blick auf den dar­in gere­gel­ten Steu­er­satz zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ungleich­be­hand­lung füh­ren.

Stu­fen­ta­rif bei der Zweit­woh­nungs­steu­er

Die Zweit­woh­nungs­steu­er wird in bei­den Gemein­den nach dem jähr­li­chen Miet­auf­wand berech­net. Die Steu­er beträgt – nach sie­ben Miet­auf­wands­stu­fen gestaf­felt – zwi­schen 110 € und 7 200 €.

Hier­ge­gen wand­ten sich Eigen­tü­mer von Zweit­woh­nun­gen in Schlier­see bzw. Bad Wies­see. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen hat in bei­den Fäl­len die Steu­er­be­schei­de auf­ge­ho­ben 1. Auf die Beru­fung der beklag­ten Gemein­den hat dage­gen der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen die Kla­gen abge­wie­sen 2. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer hat­ten nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg:

Der in bei­den Sat­zun­gen vor­ge­se­he­ne Stu­fen­ta­rif weicht vom Grund­satz der gleich­mä­ßi­gen Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit ab. Bei der Zweit­woh­nungs­steu­er spie­gelt der Miet­auf­wand die Leis­tungs­fä­hig­keit der Woh­nungs­in­ha­ber wider. An der Gren­ze zwi­schen den Miet­auf­wands­stu­fen wer­den Steu­er­pflich­ti­ge unter­schied­lich behan­delt, obwohl sie annä­hernd gleich leis­tungs­fä­hig sind. Steu­er­pflich­ti­ge, deren Miet­auf­wand sich an der Unter­gren­ze einer Stu­fe bewegt, schul­den trotz annä­hernd glei­cher Leis­tungs­fä­hig­keit einen dop­pelt so hohen Steu­er­satz wie Steu­er­schuld­ner, deren Miet­auf­wand an der Ober­gren­ze der vor­her­ge­hen­den Auf­wands­stu­fe liegt. Zudem wer­den inner­halb der Miet­auf­wands­stu­fen weni­ger leis­tungs­fä­hi­ge Steu­er­pflich­ti­ge mit einem bis zu dop­pelt so hohen Steu­er­satz belas­tet wie leis­tungs­fä­hi­ge­re Steu­er­pflich­ti­ge. Die damit ein­her­ge­hen­den erheb­li­chen Ungleich­be­hand­lun­gen ste­hen außer Ver­hält­nis zu der dadurch erziel­ten Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 14. Dezem­ber 2017 – 9 C 11.16 und 9 C 3.17

  1. VG Mün­chen Urtei­le vom 29.10.2015 – M 10 K 14.5589 und M 10 K 15.51[]
  2. BayVGH, Urtei­le vom 02.05.2016 – 4 BV 15.2777 und 4 BV 15.2778[]