Ungleich­be­hand­lung ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaf­ten bei der Grund­er­werb­steu­er

Das Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts holt eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dar­über ein, ob § 3 Nr. 4 Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes in der bis zum Inkraft­tre­ten des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 1 gel­ten­den Fas­sung inso­weit mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar ist, als zwar der Grund­stücks­er­werb durch den Ehe­gat­ten, nicht aber durch den ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner des Ver­äu­ße­rers von der Grund­er­werb­steu­er befreit ist. Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt sieht in der Besteue­rung einer Grund­stücks­über­tra­gung unter ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern aus dem Novem­ber 2009 einen Gleich­heits­ver­stoß gegen­über der Steu­er­be­frei­ung unter Ehe­gat­ten.

Ungleich­be­hand­lung ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaf­ten bei der Grund­er­werb­steu­er

Hin­ter­grund:
Der Gesetz­ge­ber hat im Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 zwar eine grund­er­werb­steu­er­li­che Gleich­stel­lung von ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern und Ehe­gat­ten gere­gelt. Die Neu­fas­sung des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes gilt jedoch – anders als eine ver­gleich­ba­re Rege­lung im Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er­recht – nicht rück­wir­kend für alle noch nicht bestands­kräf­ti­gen Fäl­le ab Inkraft­tre­ten des Lebens­part­ner­schafts­ge­set­zes (1.8.2001), son­dern erst ab Inkraft­tre­ten des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 am 14.12.2010.

In der Sache folgt das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt den neue­ren Ent­schei­dun­gen des 1. Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Gleich­be­hand­lung von ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern und Ehe­gat­ten bei der betrieb­li­chen Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung 2 und bei der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er 3 und über­trägt die dor­ti­gen recht­li­chen Wer­tun­gen auf das gesam­te Steu­er­recht, damit auch auf die Grund­er­werb­steu­er.

Zur Begrün­dung hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den genann­ten Ent­schei­dun­gen dar­auf ver­wie­sen, dass für die Schlech­ter­stel­lung der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner gegen­über Ehe­gat­ten kei­ne Unter­schie­de von sol­chem Gewicht bestehen, die eine unter­schied­li­che betrieb­li­che Hin­ter­blie­ben­ver­sor­gung sowie erb­schaft- und schen­kungsteu­er­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts ist die­se Begrün­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf die gesam­te Rechts­ord­nung zu über­tra­gen.

Die Ungleich­be­hand­lung sei im Übri­gen auch nicht dadurch legi­ti­miert, dass nur aus einer Ehe gemein­sa­me Kin­der her­vor­ge­hen könn­ten, denn das gel­ten­de Recht mache die Pri­vi­le­gie­rung von Ehe­gat­ten gera­de nicht vom Vor­han­den­sein gemein­sa­mer Kin­der abhän­gig. Das Finanz­ge­richt hat­te dem Klä­ger zuvor bereits vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gewährt. 4.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Beschluss vom 26. August 2011 – 7 K 65/​10

  1. vom 08.12.2010, BGBl. I S. 1768[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 07.07.2009 – 1 BvR 1164/​07, BVerfGE 124, 199[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07, 1 BvR 2464/​07, BVerfGE 126, S. 400[]
  4. Nds. FG, Beschluss vom 06.01.2011 – 7 V 66/​10, EFG 2011, 827[]