Die spä­te­re Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die bereits erfüll­ten Bewäh­rungs­auf­la­gen

Die Anrech­nung der erfüll­ten Bewäh­rungs­auf­la­ge steht in den Fäl­len des § 58 Abs. 2 Satz 2 StGB, anders als in denen des § 56f Abs. 3 Satz 2 StGB, nicht im Ermes­sen des Gerichts, son­dern hat in der Regel zu erfol­gen 1.

Die spä­te­re Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die bereits erfüll­ten Bewäh­rungs­auf­la­gen

Sofern alle erfor­der­li­chen Tat­sa­chen im ange­foch­te­nen Urteil mit­ge­teilt wer­den, hat der Bun­des­ge­richts­hof den Rechts­feh­ler auf die Sach­rü­ge zu berück­sich­ti­gen und kann die Anrech­nungs­ent­schei­dung in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 354 Abs. 1 StPO selbst nach­ho­len 2.

Er bemisst den Anrech­nungs­maß­stab (hier: in einem aus Baden-Würt­tem­berg stam­men­den Fall) in Ori­en­tie­rung an § 7 Abs. 1 Satz 1 der Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­ver­ord­nung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über die Abwen­dung der Voll­stre­ckung von Ersatz­frei­heits­stra­fen durch freie Arbeit vom 30.06.2009 3. Es ist aus­zu­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt zu einem für den Ange­klag­ten güns­ti­ge­ren Anrech­nungs­maß­stab gelangt wäre, zumal da die erbrach­ten Arbeits­stun­den bereits bei der Gesamt­stra­fen­be­mes­sung straf­mil­dernd berück­sich­tigt wur­den.

Dem­entspre­chend wur­den im vor­lie­gen­den Urteil die vom Ange­klag­ten auf die Bewäh­rungs­auf­la­ge aus dem Urteil des Amts­ge­richts Stutt­gart vom 16.10.2017 erbrach­ten 120 Stun­den gemein­nüt­zi­ger Arbeit auf die hier ver­häng­te Gesamt­frei­heits­stra­fe mit 30 Tagen ange­rech­net.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2019 – 1 StR 192/​19

  1. BGH, Urteil vom 20.03.1990 – 1 StR 283/​89, BGHSt 36, 378, 381; Beschlüs­se vom 02.04.2009 – 2 StR 11/​09; und vom 18.07.2007 – 2 StR 256/​07[]
  2. BGH, Urteil vom 03.11.2000 – 2 StR 274/​00, NStZ 2001, 163, 164 mwN[]
  3. GBl 2009, S. 338[]