Abschie­be­haft – und der nicht ange­zeig­te Auf­ent­halts­wech­sel

Nach § 62 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Auf­en­thG ist ein Aus­län­der zur Siche­rung der Abschie­bung in Haft zu neh­men, wenn die Aus­rei­se­frist abge­lau­fen ist und er sei­nen Auf­ent­halts­ort gewech­selt hat, ohne der Aus­län­der­be­hör­de eine Anschrift anzu­ge­ben, unter der er erreich­bar ist.

Abschie­be­haft – und der nicht ange­zeig­te Auf­ent­halts­wech­sel

Der nicht ange­zeig­te Auf­ent­halts­wech­sel begrün­det in die­sem Fall die Ver­mu­tung, dass die Abschie­bung ohne die Inhaft­nah­me erschwert oder ver­ei­telt wird.

Des­halb muss die Aus­län­der­be­hör­de dem Betrof­fe­nen in der Regel die Mel­de­pflicht und die ein­schnei­den­den Fol­gen ihrer Ver­let­zung durch einen Hin­weis in einer ihm ver­ständ­li­chen Spra­che deut­lich vor Augen füh­ren1.

Ent­spre­chen­des gilt für den Haft­grund der Flucht­ge­fahr nach § 62 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 Auf­en­thG, wenn die­se auf die Umstän­de des – dem § 62 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Auf­en­thG nach­ge­bil­de­ten – § 2 Abs. 14 Nr. 1 Auf­en­thG gestützt wird2.

Auf­grund der zwi­schen­zeit­lich erfolg­ten Abschie­bung des Betrof­fe­nen kann die feh­len­de Auf­klä­rung nicht mehr nach­ge­holt wer­den, da hier­für auch die per­sön­li­che Anhö­rung des Betrof­fe­nen zu dem Ergeb­nis der Ermitt­lun­gen erfor­der­lich wäre3. Das recht­li­che Gehör kann vor­lie­gend nicht aus­rei­chend dadurch gewährt wer­den, dass dem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Betrof­fe­nen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt wird4, da die Ertei­lung des Hin­wei­ses in einer für ihn ver­ständ­li­chen Spra­che einen Umstand betrifft, der sei­ner per­sön­li­chen Wahr­neh­mung unter­liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Janu­ar 2017 – V ZB 120/​16

  1. BGH, Beschluss vom 20.10.2016 – V ZB 167/​1420; Beschluss vom 20.10.2016 – V ZB 106/​15 6; Beschluss vom 12.10.2016 – V ZB 8/​15 11; Beschluss vom 14.01.2016 – V ZB 178/​14, FGPrax 2016, 87 Rn. 8
  2. BT-Drs. 18/​4097, S. 33; Bei­chel-Bene­detti in Huber, Auf­ent­halts­ge­setz, 2. Aufl. Rn. 32; Keß­ler in Hof­mann, Aus­län­der­recht, 2. Aufl., § 2 Auf­en­thG Rn. 37; vgl. zum Ver­hält­nis von § 62 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 und 5 Auf­en­thG aF BGH, Beschluss vom 19.06.2013 – V ZB 96/​1219; Beschluss vom 19.05.2011 – V ZB 37/​11, FGPrax 2011, 254 Rn. 12
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – V ZB 39/​15 10 mwN
  4. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 20.05.2016 – V ZB 24/​16, NVwZ 2016, 1582 Rn. 29