Der Pass des Sala­fis­ten

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat die Beru­fung eines 23jährigen Solin­gers zurück­ge­wie­sen, der gegen Ein­schrän­kun­gen sei­ner Aus­rei­se­frei­heit klag­te. Der Klä­ger gefähr­de erheb­li­che Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, da zu befürch­ten sei, dass er zur Unter­stüt­zung des mili­tan­ten "Jihad" in Syri­en aus­rei­sen wol­le.

Der Pass des Sala­fis­ten

Die Stadt Solin­gen hat­te ihm mit Ver­fü­gung vom 19. Dezem­ber 2013 den Rei­se­pass ent­zo­gen und den Gel­tungs­be­reich sei­nes Per­so­nal­aus­wei­ses auf das Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land beschränkt. Vor­aus­ge­gan­gen war den Maß­nah­men ein Aus­rei­se­ver­such des Klä­gers, der am 4. Dezem­ber 2013 dar­an gehin­dert wor­den war, mit zwei Beglei­tern, die die Behör­den eben­falls dem sala­fis­ti­schen Spek­trum zuord­nen, einen Flug Rich­tung Istan­bul anzu­tre­ten.

Die beklag­te Stadt hat ange­nom­men, dass der Klä­ger erheb­li­che Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gefähr­det, näm­lich deren aus­wär­ti­ge Bezie­hun­gen. Sie hat ihre Gefah­ren­ein­schät­zung, er wol­le zur Betei­li­gung am bewaff­ne­ten "Jihad" in Syri­en aus­rei­sen, auf eine Rei­he von Umstän­den gestützt. So befand der Klä­ger sich bei sala­fis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen in Solin­gen am 1. Mai 2012 am Ver­an­stal­tungs­ort und war nach Erkennt­nis­sen der Poli­zei wie sein älte­rer Bru­der bis zu des­sen Ver­bot im Juni 2012 regel­mä­ßi­ger Besu­cher des Moschee­ver­eins "Mil­la­tu Ibra­him e. V." in Solin­gen. In der Fol­ge betei­lig­te er sich an soge­nann­ten Kora­n­in­for­ma­ti­ons­stän­den und trat als Beglei­ter des isla­mis­ti­schen Pre­di­gers Hassan Kes­kin sowie im Zusam­men­hang mit der Ver­ei­ni­gung "Tau­hid Deutsch­land" in Erschei­nung, die das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um im März 2015 eben­falls ver­bo­ten hat.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter hat – wie in der Vor­in­stanz bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf [1] – die auf die­ser Grund­la­ge ver­füg­te Pass­ent­zie­hung und Per­so­nal­aus­weis­be­schrän­kung trotz der damit ver­bun­de­nen Ein­schrän­kung der Aus­rei­se­frei­heit für recht­mä­ßig gehal­ten.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Urteil vom 4. Mai 2015 – 19 A 2097 – /​14

  1. VG Düs­sel­dorf – 24 K 133/​14[]