Der Wunsch des Schü­lers nach einer sau­be­ren Akte beim Schulwechsel

Die Schul­da­ten­ver­ord­nung des Lan­des Ber­lin sieht aus­drück­lich vor, dass ein Schul­wech­sel gera­de kei­nen Zweck­weg­fall für Ein­trä­ge in einer Schü­ler­ak­te begrün­det. Nach dem Ber­li­ner Schul­ge­setz dür­fen Schu­len per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten von Schü­lern und ihren Erzie­hungs­be­rech­tig­ten ver­ar­bei­ten, soweit dies zur Erfül­lung der ihnen durch Rechts­vor­schrif­ten zuge­wie­se­nen, schul­be­zo­ge­nen Auf­ga­ben erfor­der­lich ist.

Der Wunsch des Schü­lers nach einer sau­be­ren Akte beim Schulwechsel

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag auf Löschung von Ein­trä­gen in einer Schü­ler­ak­te zurück­ge­wie­sen. Den Antrag haben ein drei­zehn­jäh­ri­ger Schü­ler und sei­ne Eltern gestellt. Der Schü­ler besuch­te ab dem Schul­jahr 2018/​2019 ein Gym­na­si­um in Ber­lin, wel­ches er nach einem Gewalt­vor­fall ver­ließ; das Pro­be­jahr bestand er nicht. Sodann besuch­te er die ach­te Jahr­gangs­stu­fe einer ande­ren Ber­li­ner Schu­le, wobei es zu zahl­rei­chen, in sei­ner Schü­ler­ak­te doku­men­tier­ten Vor­fäl­len kam. Die­se Schü­ler­ak­te hal­ten die Antrag­stel­ler aus ver­schie­de­nen Grün­den für feh­ler­haft und dis­kri­mi­nie­rend. Deren Über­sen­dung in die­ser Form an die Pri­vat­schu­le, die der Schü­ler nun­mehr besu­chen wol­le, gefähr­de sei­ne Auf­nah­me. Die Antrag­stel­ler begeh­ren des­halb im Wege des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes im Wesent­li­chen die Ent­fer­nung bestimm­ter Sei­ten der Schülerakte.

In sei­ner Ent­schei­dung hat ds Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin aus­ge­führt, dass es zwar nach der DSGVO unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch auf Löschung von Daten gebe, ins­be­son­de­re, wenn die­se für die Zwe­cke, für die sie erho­ben oder auf sons­ti­ge Wei­se ver­ar­bei­tet wur­den, nicht mehr not­wen­dig sind oder die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten unrecht­mä­ßig ver­ar­bei­tet wur­den. Dies sei hier aber nicht der Fall. Die Daten sei­en wei­ter not­wen­dig. Die Schul­da­ten­ver­ord­nung des Lan­des Ber­lin sehe aus­drück­lich vor, dass ein Schul­wech­sel gera­de kei­nen Zweck­weg­fall begrün­de. Denn nur so kön­ne die Schü­ler­ak­te ihren Zweck erfül­len, die Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit und des Ver­hal­tens des Schü­lers über sei­ne Schul­lauf­bahn hin­weg sowie die Zusam­men­ar­beit mit den Erzie­hungs­be­rech­tig­ten über einen län­ge­ren Zeit­raum nach­voll­zieh­bar zu machen.

Dar­über hin­aus sei­en die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten aber auch nicht unrecht­mä­ßig ver­ar­bei­tet wor­den. Nach dem Ber­li­ner Schul­ge­setz dürf­ten Schu­len näm­lich per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten von Schü­le­rin­nen und Schü­lern und ihren Erzie­hungs­be­rech­tig­ten ver­ar­bei­ten, soweit dies zur Erfül­lung der ihnen durch Rechts­vor­schrif­ten zuge­wie­se­nen, schul­be­zo­ge­nen Auf­ga­ben erfor­der­lich ist. Soweit es etwa um die Spei­che­rung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten von Schü­lern über Pflicht­ver­let­zun­gen und deren päd­ago­gi­sche und recht­li­che Fol­gen gehe, sei die Spei­che­rung für die Auf­ga­ben­er­fül­lung der Schu­le erfor­der­lich, da die Aus­wahl einer zukünf­ti­gen päd­ago­gi­schen Maß­nah­me stets auch von der Beur­tei­lung des Ver­hal­tens des Schü­lers in ver­gleich­ba­ren zurück­lie­gen­den Situa­tio­nen abhän­gig sei.

Aus die­sen Grün­den besteht der gel­tend gemach­te Anspruch auf Berei­ni­gung nicht. Der Antrag wur­de zurückgewiesen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 28. Febru­ar 2020 – VG 3 L 1028.19