Die ukrai­ni­sche Leih­mut­ter und der deut­che Rei­se­pass

Einem Kind, das im Aus­land von einer aus­län­di­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen als Leih­mut­ter gebo­ren wor­den ist, darf der deut­sche Rei­se­pass ver­wei­gert wer­den, auch wenn das Kind gene­tisch von deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen abstammt.

Die ukrai­ni­sche Leih­mut­ter und der deut­che Rei­se­pass

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren eines im März 2012 in der Ukrai­ne gebo­re­nen Kin­des, dem die deut­sche Bot­schaft die Aus­stel­lung eines deut­schen Rei­se­pas­ses abge­lehnt hat­te, mit der Begrün­dung, die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit sei frag­lich. Das Kind ist in der Ukrai­ne von einer ukrai­ni­schen Leih­mut­ter gebo­ren wor­den. Gegen die Ableh­nung der Pass­aus­stel­lung rich­tet sich der Eil­an­trag des Kin­des.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin dür­fe ein deut­scher Rei­se­pass nur Deut­schen aus­ge­stellt wer­den. Schon Zwei­fel hier­an genüg­ten, um den Pass zu ver­wei­gern. Sol­che Zwei­fel bestün­den auch hier. Die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit wer­de zwar bereits dann ver­mit­telt, wenn ein Eltern­teil die­se Staats­an­ge­hö­rig­keit besit­ze. Ob aller­dings die sich als Eltern aus­ge­ben­den und das Kind ver­tre­ten­den Deut­schen, eine 1958 gebo­re­ne Frau und ein 1968 gebo­re­ner Mann, recht­lich als Eltern des Kin­des anzu­se­hen sei­en, sei zwei­fel­haft. Mut­ter im Rechts­sin­ne sei nach deut­schem Recht aus­schließ­lich die Frau, die das Kind gebo­ren habe, nicht aber die gene­ti­sche Mut­ter. Folg­lich sei nach deut­schem Recht die ukrai­ni­sche Leih­mut­ter als Mut­ter des Kin­des anzu­se­hen. Der Vater eines Kin­des sei nach deut­schem Recht grund­sätz­lich der Mann, der mit die­ser Frau ver­hei­ra­tet sei, folg­lich der Ehe­mann der Leih­mut­ter.

Dar­an ände­re auch das ukrai­ni­sche Fami­li­en­ge­setz nichts, nach des­sen Rege­lun­gen eine gene­ti­sche Eltern­schaft in Leih­mut­ter­schafts­fäl­len aner­kannt sei. Das ukrai­ni­sche Fami­li­en­ge­setz ver­sto­ße näm­lich gegen wesent­li­che Grund­sät­ze des deut­schen Rechts, da die Leih­mut­ter­schaft hier ver­bo­ten sei. Daher sei das ukrai­ni­sche Recht zur Klä­rung der Abstam­mung eines Kin­des in Leih­mut­ter­schafts­fäl­len im deut­schen Recht unan­wend­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 5. Sep­tem­ber 2012 – VG 23 L 283.12

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