Kom­mu­nal­recht­li­ches Not­haus­halts­recht – und die Wahr­neh­mung eines höher­wer­ti­gen Amtes

Die haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 46 Abs. 1 BBesG sind nicht gege­ben, wenn eine Gemein­de dem Not­haus­halts­recht unter­liegt (hier gemäß den §§ 76, 79, 80 und 82 GO NRW) und die­ses die Begrün­dung von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der Kom­mu­ne infol­ge der Beför­de­rung eines Beam­ten aus­schließt [1].

Kom­mu­nal­recht­li­ches Not­haus­halts­recht – und die Wahr­neh­mung eines höher­wer­ti­gen Amtes

Gemäß § 46 Abs. 1 Satz 1 BBesG in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung, die gemäß Art. 125a Abs. 1 GG für den hier rele­van­ten Zeit­raum noch als Bun­des­recht fort­galt, ist einem Beam­ten, dem die Auf­ga­ben eines höher­wer­ti­gen Amtes vor­über­ge­hend ver­tre­tungs­wei­se über­tra­gen wer­den, nach 18 Mona­ten der unun­ter­bro­che­nen Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­ben eine Zula­ge zu zah­len, wenn in die­sem Zeit­punkt die haus­halts­recht­li­chen und lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung die­ses Amtes vor­lie­gen.

Die haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes im Sin­ne von § 46 Abs. 1 BBesG sind erfüllt, wenn der Beför­de­rung des betref­fen­den Beam­ten kein haus­halts­recht­li­ches Hin­der­nis ent­ge­gen­steht. Für sei­ne Beför­de­rung muss eine freie Plan­stel­le der ent­spre­chen­den Wer­tig­keit zur Ver­fü­gung ste­hen. Maß­geb­lich sind die ein­schlä­gi­gen Vor­ga­ben des jewei­li­gen Haus­halts­ti­tels des Haus­halts­plans. Ent­schei­dun­gen der Exe­ku­ti­ve sind hier nur von Bedeu­tung, wenn sie auf ent­spre­chen­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben oder Ermäch­ti­gun­gen beru­hen, wie etwa "kw-Ver­mer­ke" oder eine Haus­halts­sper­re. Haus­halts­recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen im vor­ste­hen­den Sin­ne sind z.B. auch die kom­mu­nal­auf­sichts­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Lan­des­rechts und dar­auf beru­hen­de Ver­fü­gun­gen der Auf­sichts­be­hör­den mit der Fol­ge der Ein­schrän­kung der gemeind­li­chen Haus­halts­be­fug­nis­se (sog. Not­haus­halts­recht). Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt vor kur­zem aus­drück­lich ent­schie­den [2].

Dar­aus folgt, dass die haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen i.S.v. § 46 Abs. 1 BBesG nicht gege­ben sind, wenn die betref­fen­de Gemein­de dem Not­haus­halts­recht unter­liegt und die­ses die Begrün­dung von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der Kom­mu­ne infol­ge der Beför­de­rung eines Beam­ten aus­schließt. Ein sol­cher Fall liegt hier vor.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len [3] hat in Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des nord­rhein-west­fä­li­schen Gemein­de­haus­halts­rechts (§§ 76, 79, 80 und 82 der Gemein­de­ord­nung für das Land Nord­rhein-West­fa­len) als irre­vi­si­blem Lan­des­recht ange­nom­men, dass die Beklag­te in den frag­li­chen Zeit­räu­men man­gels bekannt gemach­ter Haus­halts­sat­zung den Beschrän­kun­gen der vor­läu­fi­gen Haus­halts­füh­rung unter­lag und des­halb nur Auf­wen­dun­gen ent­ste­hen las­sen durf­te, zu denen sie recht­lich ver­pflich­tet war.

Die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zur Gleich­be­hand­lung von bei Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men und bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit beschäf­tig­ten Beam­ten mit sons­ti­gen Beam­ten und zur Anwend­bar­keit des § 46 BBesG für bei Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men und bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit beschäf­tig­ten Beam­ten sind für den Streit­fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Im Übri­gen las­sen sie sich auf der Grund­la­ge der vor­han­de­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ohne Durch­füh­rung eines Revi­si­ons­ver­fah­rens beant­wor­ten.

Selbst wenn die bei einem Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men oder der Bun­des­agen­tur für Arbeit beschäf­tig­ten Beam­ten gegen­über den bei den ande­ren Dienst­her­ren beschäf­tig­ten Beam­ten Vor­tei­le im Hin­blick auf die Erfül­lung haus­halts­recht­li­cher Vor­aus­set­zun­gen für eine Beför­de­rung haben soll­ten bzw. durch die Mög­lich­keit einer Insich­be­ur­lau­bung prak­tisch leich­ter in den Genuss einer der höher­wer­ti­gen Tätig­keit adäqua­ten Ver­gü­tung kom­men soll­ten, erfor­dert der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) kei­ne Absen­kung der für ande­re Beam­te gel­ten­den Anfor­de­run­gen im Rah­men des § 46 Abs. 1 BBesG.

Der Gleich­heits­grund­satz gebie­tet, wesent­lich Glei­ches gleich, wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln. Es bleibt dem Norm­ge­ber über­las­sen, auf­grund auto­no­mer Wer­tun­gen die Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­le aus­zu­wäh­len, an die er eine Gleich- oder Ungleich­be­hand­lung anknüpft. Die Gleich­be­hand­lung von Sach­ver­hal­ten ist erst dann gebo­ten, wenn eine am Gerech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­te Betrach­tungs­wei­se ergibt, dass zwi­schen ihnen kei­ne Unter­schie­de bestehen, die nach Art und Gewicht eine Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Dies setzt vor­aus, dass sich im Hin­blick auf die Eigen­art des in Rede ste­hen­den Sach­be­reichs ein ver­nünf­ti­ger, ein­leuch­ten­der Grund für die Ungleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt. Im Bereich des Besol­dungs­rechts hat der Gesetz­ge­ber bei der Gewich­tung der Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­le für eine Gleich- oder Ungleich­be­hand­lung einen ver­hält­nis­mä­ßig wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, inner­halb des­sen er das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung anpas­sen darf [4].

Dem­zu­fol­ge ver­sto­ßen Unter­schie­de bei der Gewäh­rung von Funk­ti­ons­zu­la­gen nur dann gegen Art. 3 Abs. 1 GG, wenn sich die Aus­wahl der Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­le oder deren Gewich­tung als erkenn­bar sach­wid­rig erweist [5]. Dies ist weder bei der Beschrän­kung der Zula­gen­be­rech­ti­gung nach § 46 BBesG auf die Fäl­le der sog. Vakanz­ver­tre­tung und dem Aus­schluss der Fäl­le der sog. Ver­hin­de­rungs­ver­tre­tung der Fall [6] noch bei der Beschrän­kung der Zula­gen­be­rech­ti­gung nach § 46 BBesG auf beför­de­rungs­rei­fe Beam­te [7].

Der Fall, dass eine Grup­pe von Beam­ten bei einem sol­ven­te­ren und damit über mehr Plan­stel­len ver­fü­gen­den Dienst­herrn inner­halb des Gel­tungs­be­reichs eines Besol­dungs­ge­set­zes beschäf­tigt ist als eine ande­re Grup­pe von Beam­ten, steht wer­tungs­mä­ßig dem Fall der Bes­ser­stel­lung von Vakanz­ver­tre­tern gegen­über Ver­hin­de­rungs­ver­tre­tern gleich. In bei­den Fäl­len erhält ein Teil der Beam­ten eine Zula­ge nach § 46 BBesG, weil es für sie ent­spre­chen­de höher­wer­ti­ge besetz­ba­re Plan­stel­len gibt, ein ande­rer Teil der Beam­ten aber nicht, weil es für sie an sol­chen Plan­stel­len fehlt. So wie es den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG nicht ver­letzt, dass bei Feh­len einer höher­wer­ti­gen Plan­stel­le oder bei haus­halts­recht­li­chen Hin­der­nis­sen für ihre Beset­zung die Zula­ge nach § 46 BBesG aus­ge­schlos­sen ist, wür­de es auch den Gleich­heits­satz nicht ver­let­zen, wenn die bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit oder die bei den Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men beschäf­tig­ten Beam­ten wegen der Beson­der­hei­ten die­ser Insti­tu­tio­nen fak­tisch leich­ter in den Genuss einer Zula­ge nach § 46 BBesG kom­men könn­ten als ande­re Beam­te. Sach­li­cher und die Dif­fe­ren­zie­rung recht­fer­ti­gen­der Grund wäre jeweils die mit dem Tat­be­stands­merk­mal der haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Beför­de­rung bezweck­te Begren­zung der Zula­ge auf bereit­ste­hen­de Haus­halts­mit­tel [8].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Dezem­ber 2014 – 2 B 110.2013 -

  1. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, Rn. 13[]
  2. BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, Rn. 13[]
  3. OVG NRW, Urteil vom 18.09.2013 – 3 A 1168/​13[]
  4. stRspr; vgl. nur BVerfG, Beschlüs­se vom 04.04.2001 – 2 BvL 7/​98, BVerfGE 103, 310, 320; und vom 06.05.2004 – 2 BvL 16/​02, BVerfGE 110, 353, 364 f.; BVerwG, Urtei­le vom 01.09.2005 – 2 C 24.04, Buch­holz 240 § 40 BBesG Nr. 33 Rn. 22 m.w.N.; und vom 28.04.2011 – 2 C 30.09, BVerw­GE 139, 368 = Buch­holz 11 Art. 3 Abs. 1 GG Nr. 30, jeweils Rn. 27[]
  5. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 19.12 2008 – 2 BvR 380/​08, NVwZ 2009, 447, 448 m.w.N.; BVerwG, Urteil vom 28.04.2011 a.a.O[]
  6. BVerwG, Urtei­le vom 28.04.2005 – 2 C 29.04, Buch­holz 240 § 46 BBesG Nr. 3 S. 12 f.; und vom 28.04.2011 a.a.O. Rn. 12 ff.[]
  7. BVerwG, Urteil vom 28.04.2011 a.a.O. Rn. 26 ff.[]
  8. BVerwG, Urtei­le vom 28.04.2005 a.a.O. S. 11; vom 28.04.2011 a.a.O. Rn. 12; und vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, Rn.20, zur Ver­öf­fent­li­chung in BVerw­GE und Buch­holz vor­ge­se­hen[]