Leis­tungs­stei­ge­rung beim Fahr­zeug

Fin­det an einem Fahr­zeug ein Chip-Tuning statt, durch das sich das Abgas­ver­hal­ten des Motors ändert, muss das Tuning unver­züg­lich durch einen Sach­ver­stän­di­gen gemäß § 19 Abs. 3 S. 1Nr.4 c StVZO abge­nom­men und eine Bestä­ti­gung nach § 22 Abs. 1 S. 5 StVZO erteilt wer­den.

Leis­tungs­stei­ge­rung beim Fahr­zeug

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass durch den Ein­bau eines leis­tungs­stei­gern­den Chips zur Steue­rung der Motor­elek­tro­nik die Betriebs­er­laub­nis erlo­schen ist. Hier hat­te ein Kfz-Händ­ler das so umge­bau­te Fahr­zeug ver­kauft. Durch den Ein­bau des Chips änder­te sich der für das Abgas­ver­hal­ten bei Die­sel­mo­to­ren eine Rol­le spie­len­de Absorp­ti­ons­ko­ef­fi­zi­ent. Damit hat das ver­kauf­te Fahr­zeug nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he einen Man­gel im Sin­ne des § 459 S. 1 BGB a. F. auf­ge­wie­sen. Außer­dem kam es durch den Ein­bau des Chips zum Erlö­schen der Stra­ßen­ver­kehrs­zu­las­sung des Fahr­zeugs. Dar­über hin­aus hat das Ober­lan­des­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zulas­sung nicht auto­ma­tisch wie­der auf­lebt, wenn der Ein­bau rück­gän­gig gemacht wird. Hät­te das chip­ge­tun­te Fahr­zeug ord­nungs­ge­mäß eine neue Zulas­sung erhal­ten, wäre auch dann eine neue Zulas­sung not­wen­dig gewe­sen, wenn der Chip wie­der ent­fernt wor­den wäre. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he argu­men­tier­te, dass kein Anlass bestehe, eine tech­ni­sche Ände­rung, die unter Ver­let­zung gesetz­li­cher Vor­schrif­ten vor­ge­nom­men wur­de, dadurch zu pri­vi­le­gie­ren, dass aus der ein­mal erlo­sche­nen Zulas­sung für den Fahr­zeug­hal­ter güns­ti­ge Rechts­fol­gen abge­lei­tet wer­den.

Doch Chip­tu­ning kann durch­aus vor­teil­haft sein. Um die­se rich­tig ein­schät­zen zu kön­nen, ist es not­wen­dig, genau zu ver­ste­hen, was man als Chip­tu­ning defi­niert: Die heu­ti­ge Genera­ti­on von Kraft­fahr­zeu­gen besitzt im Ver­gleich zu den ers­ten his­to­ri­schen Fahr­zeu­gen sehr viel Elek­tro­nik. So erfol­gen z.B. durch das Motor­steu­er­ge­rät sämt­li­che Ein­grif­fe in die Funk­ti­on und den Betrieb des Motors. Von Sei­ten der Fahr­zeug­her­stel­ler wird die Leis­tungs­gren­ze des Aggre­gats häu­fig nicht exakt bei der Pro­gram­mie­rung des Motor­steu­er­ge­rä­tes erreicht. Die­se Unge­nau­ig­keit wird durch das Chip­tu­ning aus­ge­nutzt und mit einer Neu­ein­stel­lung des Steu­er­ge­rä­tes idea­ler­wei­se besei­tigt.

Durch die neue und exak­te Ein­stel­lung der Soft­ware des Fahr­zeugs ist eine enor­me Leis­tungs­stei­ge­rung mög­lich. Seriö­se Anbie­ter von Chip­tu­ning wei­sen dar­auf hin, dass durch die vor­zu­neh­men­de elek­tro­ni­sche Leis­tungs­stei­ge­rung eine neue Zulas­sung mög­lich wer­den kann. Chip­tu­ning kann sich durch­aus posi­tiv auf die Motor­leis­tung aus­wir­ken. Dar­über­hin­aus ermög­licht es einen gerin­ge­ren Kraft­stoff­ver­brauch. Aller­dings soll­ten die Ver­än­de­run­gen von pro­fes­sio­nel­len Werk­stät­ten durch­ge­führt wer­den, damit kei­ne unvor­her­ge­se­he­nen Schwie­rig­kei­ten auf­tau­chen und die ange­streb­te Leis­tungs­stei­ge­rung sich nicht ins Gegen­teil umkehrt. Attrak­tiv macht das Chip­tu­ning beson­ders der rela­tiv gerin­ge Arbeits­auf­wand: Auf­grund der rein elek­tro­ni­schen Leis­tungs­stei­ge­rung fällt der Aus­tausch bzw. die Ver­än­de­rung ein­zel­ner Motor­tei­le weg. Es han­delt sich eben nicht um ein Motor­tu­ning auf mecha­ni­sche Art. Das ver­führt dazu, selbst das Chip­tu­ning am Fahr­zeug durch­zu­füh­ren. Doch gera­de dar­in liegt das Risi­ko, denn min­der­wer­ti­ge Chips und feh­len­des Wis­sen kön­nen sich nega­tiv auf das End­ergeb­nis aus­wir­ken. Um das gewünsch­te Ziel zu errei­chen, soll­te man sich einer pro­fes­sio­nel­len Tuning-Werk­statt bedie­nen.

Neben der rela­tiv unkom­pli­zier­ten Rea­li­sa­ti­on spricht auch der Kos­ten­fak­tor für ein Chip­tu­ning im Ver­gleich zu einem mecha­ni­schen Motor­tu­ning. Der gerin­ge Arbeits­auf­wand ver­ur­sacht kei­ne enor­men Arbeits­zeit­kos­ten und die not­wen­di­gen Ersatz­tei­le wer­den rela­tiv güns­tig ange­bo­ten. Doch auch dabei soll­te man auf Qua­li­tät ach­ten, um kei­ne böse Über­ra­schung zu erle­ben. Unpro­fes­sio­nel­les, bil­li­ges Chip­tu­ning, das selbst durch­ge­führt wird, kann letzt­end­lich dem Fahr­zeug scha­den und sehr teu­er wer­den. Die Ver­wen­dung hoch­wer­ti­ger Chips in pro­fes­sio­nel­len Tuning-Werk­stät­ten ist dage­gen die Garan­tie für ein gelun­ge­nes Chip­tu­ning.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 24. März 2006 – 1 U 181/​05