Pira­ten für Kenia

Die Über­ga­be eines „Pira­ten“ an kenia­ni­sche Behör­den im Rah­men der EU-Mili­tär­ope­ra­ti­on "Ata­lan­ta" war nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln rechts­wid­rig.

Pira­ten für Kenia

Im März 2009 war eine Fre­gat­te der Bun­des­wehr im Golf von Aden vor der Küs­te Soma­li­as an der EU-Mili­tär­ope­ra­ti­on „Ata­lan­ta“ zur Abschre­ckung und Bekämp­fung von see­räu­be­ri­schen Hand­lun­gen betei­ligt. Der Klä­ger und wei­te­re acht Per­so­nen wur­den von der deut­schen Fre­gat­te wegen des Ver­dachts fest­ge­setzt, einen deut­schen Frach­ter ange­grif­fen zu haben. Der Klä­ger wur­de nach Kenia gefah­ren und den dor­ti­gen Behör­den zur Straf­ver­fol­gung über­ge­ben. Mit einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil stell­te das Ver­wal­tungs­ge­richt fest, dass zwar die Fest­nah­me des Klä­gers recht­mä­ßig war, nicht jedoch des­sen Über­ga­be an kenia­ni­sche Behör­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln stün­den die Fest­nah­me mit den Vor­ga­ben des Völ­ker­rechts, ins­be­son­de­re dem See­rechts­über­ein­kom­men und mit dem Grund­ge­setz in Ein­klang. Die Über­ga­be des Klä­gers an die Repu­blik Kenia zur Straf­ver­fol­gung sei jedoch rechts­wid­rig, weil die Haft­be­din­gun­gen in dem kenia­ni­schen Gefäng­nis jeden­falls bei der Über­ga­be des Klä­gers erkenn­bar nicht völ­ker­recht­li­chen Min­dest­stan­dards ent­spro­chen hät­ten. Die Zusi­che­rung Keni­as an die EU, men­schen­wür­di­ge Haft­be­din­gun­gen zu gewähr­leis­ten, sei jeden­falls damals noch nicht umge­setzt gewe­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 11. Novem­ber 2011 – 25 K 4280/​09