Re­kul­ti­vie­rungs­an­ord­nung und die Erben des Depo­nie­be­trei­bers

Eine be­stands­kräf­ti­ge ab­fall­recht­li­che Re­kul­ti­vie­rungs­an­ord­nung kann im Wege der Ge­samt­rechts­nach­fol­ge auf den Erben des De­po­nie­be­trei­bers über­ge­hen. Eine De­po­nie­ge­neh­mi­gung nach §§ 31, 32 KrW-/Ab­fG kann nicht durch Rechts­ge­schäft ohne Be­tei­li­gung der Be­hör­de wirk­sam auf einen Drit­ten über­tra­gen wer­den.

Re­kul­ti­vie­rungs­an­ord­nung und die Erben des Depo­nie­be­trei­bers

Die Be­hör­de muss je­den­falls dann nicht er­wä­gen, die Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung aus einem be­stands­kräf­ti­gen Grund­ver­wal­tungs­akt ein­zu­stel­len, wenn die Her­an­zie­hung eines nach dem Er­lass des Grund­ver­wal­tungs­akts hin­zu­ge­tre­te­nen wei­te­ren Ver­ant­wort­li­chen wegen des­sen Leis­tungs­un­fä­hig­keit und Un­zu­ver­läs­sig­keit sowie des­sen ver­gleichs­wei­se ge­ring­fü­gi­gen Ver­ur­sa­chungs­bei­trags nicht ernst­haft in Be­tracht kommt.

Das Kreis­lauf­wirt­schafts- und Abfall­ge­setz sieht eine befrei­en­de Pflich­ten­über­tra­gung ohne behörd­li­che Betei­li­gung bewusst nicht vor. Ein sol­cher gesetz­li­cher Rechts­nach­fol­ge­tat­be­stand hin­sicht­lich der Rekul­ti­vie­rungs­pflicht wäre aber neben der Über­gangs­fä­hig­keit der Pflicht erfor­der­lich, um die Sin­gu­lar­suk­zes­si­on in eine durch Ver­wal­tungs­akt kon­kre­ti­sier­te Ord­nungs­pflicht wirk­sam wer­den zu las­sen. Die befrei­en­de Über­tra­gung öffent­lich­recht­li­cher Ord­nungs­pflich­ten durch Rechts­ge­schäft ohne Betei­li­gung der zustän­di­gen Behör­de ist ansons­ten aus­ge­schlos­sen 1. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung wür­de es etwa – ent­ge­gen der § 415 BGB zu ent­neh­men­den Wer­tung – einem Depo­nie­be­trei­ber ermög­li­chen, sich durch Ver­äu­ße­rung sei­nes Betriebs der ihm gegen­über bereits bestands­kräf­ti­gen abfall­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen auf Kos­ten der All­ge­mein­heit zu ent­le­di­gen, indem er – wie hier – der Behör­de einen unzu­ver­läs­si­gen und mög­li­cher­wei­se nicht oder weni­ger leis­tungs­fä­hi­gen Rechts­nach­fol­ger auf­drängt.

Zwar mag ein ent­spre­chen­der Ver­trag zwi­schen dem Depo­ni­e­in­ha­ber und einem Drit­ten auch bei Pflich­ten aus Ver­hal­tens­ver­ant­wort­lich­keit gül­tig sein, wenn – wie hier – die kon­kre­te Ver­pflich­tung nicht höchst­per­sön­lich ist, son­dern eine ver­tret­ba­re Hand­lung zum Gegen­stand hat, also über­gangs­fä­hig ist 2; die sach­ge­rech­te Erfül­lung durch den Drit­ten mag dann die Ver­pflich­tung gegen­über der Behör­de zum Erlö­schen brin­gen. Das zivil­recht­li­che Rechts­ge­schäft als sol­ches – ohne ent­spre­chen­de gesetz­li­che Ermäch­ti­gung – kann aber aus den oben genann­ten Grün­den kei­ne befrei­en­de Pflich­ten­über­tra­gung bewir­ken; der ursprüng­lich Ver­pflich­te­te behält die­se Stel­lung viel­mehr – wie der Ver­tre­ter des Bun­des­in­ter­es­ses zutref­fend dar­ge­legt hat – jeden­falls bis zur Erfül­lung der Pflicht.

Nichts ande­res gilt, wenn die ver­trag­li­che Über­tra­gung der Depo­nie­ge­neh­mi­gung ins­ge­samt auf Herrn I. in den Blick genom­men wird. Die­se ist ohne behörd­li­che Mit­wir­kung (etwa im Wege einer Ände­rungs­ge­neh­mi­gung) eben­falls nicht wirk­sam. Das ergibt sich, abge­se­hen von dem feh­len­den gesetz­li­chen Nach­fol­ge­tat­be­stand, über­dies aus den die­ser Geneh­mi­gung gemäß §§ 31, 32 KrW/​AbfG jeden­falls auch anhaf­ten­den per­so­na­len Ele­men­ten, die der Annah­me einer Über­gangs­fä­hig­keit ent­ge­gen­ste­hen (Erfor­der­nis der Zuver­läs­sig­keit, der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit, der Sach­kun­de etc., vgl. § 32 Abs. 1 Nr. 2 und 3, § 36 Abs. 2 KrW/​AbfG, § 19 Dep­VO) 3. Die­se gesetz­li­che Wer­tung wird bestä­tigt durch § 16 Abs. 1 KrW/​AbfG, der ledig­lich gestat­tet, sich bei der Füh­rung der Depo­nie der Hil­fe eines Drit­ten zu bedie­nen, die Ver­ant­wort­lich­keit für die Erfül­lung der Pflich­ten davon aber unbe­rührt lässt.

Ein befrei­en­der Pflich­ten­über­gang von dem Ehe­mann der Klä­ge­rin als dem Inha­ber der Depo­nie­ge­neh­mi­gung auf den Käu­fer I. kann auch nicht mit dem Hin­weis auf des­sen Stel­lung als „fak­ti­scher Betrei­ber“ 4 trag­fä­hig begrün­det wer­den. Ein sol­cher ille­ga­ler, ledig­lich fak­ti­scher Betrieb einer Depo­nie hat nur zur Fol­ge, dass neben dem ursprüng­li­chen lega­len Betrei­ber auch der neue fak­ti­sche Betrei­ber – grund­sätz­lich jeweils für den eige­nen "Abla­ge­rungs­bei­trag" – ver­ant­wort­lich wird 5. Durch die ledig­lich fak­ti­sche Fort­füh­rung einer Depo­nie wird der ursprüng­li­che Betrei­ber jeden­falls nicht von einer bestands­kräf­tig fest­ge­stell­ten Ord­nungs­pflicht befreit.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Janu­ar 2012 – 7 C 6.11

  1. vgl. Mar­tens, in: Drews/​Wacke/​Vogel/​Martens, Gefah­ren­ab­wehr, 9. Aufl.1985, S. 301; Den­nin­ger, in: Lisken/​Denninger, Hand­buch des Poli­zei­rechts, 4. Aufl.2007, Kap. E S. 353 Rn. 126; Ossen­bühl, Zur Haf­tung des Gesamt­rechts­nach­fol­gers für Alt­las­ten, 1995 S. 38; Sta­die, DVBl 1990, 501, 506[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 – 7 C 3.05, BVerw­GE 125, 325, Rn. 26 – 28 = Buch­holz 451.222 § 4 BBo­dSchG Nr. 5[]
  3. Hell­mann-Sieg, in: Jarass/​Petersen/​Weidemann, KrW/​AbfG, § 32 Rn. 58[]
  4. vgl. dazu BVerwG, Beschluss vom 22.07.2010 – 7 B 12.10, UPR 2010, 452 Rn. 17[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.06.2007 – 7 C 5.07, BVerw­GE 129, 93 Rn. 22 = Buch­holz 451.221 § 16 KrW/​AbfG Nr. 2[]