Die befris­te­te Betriebs­un­ter­sa­gung eines Kern­kraft­wer­kes

Eine durch das Hes­si­sche Minis­te­ri­um für Umwelt, Ener­gie, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz ange­ord­ne­te vor­läu­fi­ge Betriebs­un­ter­sa­gung für Kraft­werks­blö­cke ist rechts­wid­rig, wenn die Betrei­be­rin des Kern­kraft­wer­kes vor Erlass der Anord­nung nicht den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen ent­spre­chend ord­nungs­ge­mäß ange­hört wor­den ist. Die Rechts­wid­rig­keit ist auch dann gege­ben, wenn das Umwelt­mi­nis­te­ri­um das ihm vom Atom­ge­setz für vor­läu­fi­ge Betriebs­ein­stel­lun­gen ein­ge­räum­te Ermes­sen nicht in einer Wei­se so pflicht­ge­mäß aus­übt, wie es recht­lich erfor­der­lich ist.

Die befris­te­te Betriebs­un­ter­sa­gung eines Kern­kraft­wer­kes

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len fest­ge­stellt, dass die auf drei Mona­te befris­tet gewe­se­nen Ein­stel­lun­gen des Leis­tungs­be­trie­bes für die Kern­kraft­wer­ke Bib­lis Block A und Block B rechts­wid­rig waren. Die Betriebs­un­ter­sa­gun­gen für die bei­den Kraft­werks­blö­cke waren vom Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Minis­te­ri­um für Umwelt, Ener­gie, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz am 18. März 2011 auf drei Mona­te befris­tet ange­ord­net wor­den, nach­dem sich Bund und Län­der auf­grund der Hava­rie des japa­ni­schen Kern­kraft­werks in Fuku­shi­ma auf eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se geei­nigt hat­ten. Dage­gen hat die Betrei­ber­ge­sell­schaft der Kern­kraft­wer­ke Bib­lis, die RWE Power Akti­en­ge­sell­schaft Essen, am 1. April 2011 Kla­ge erho­ben, zunächst mit dem Ziel, die Anord­nun­gen zur befris­te­ten Betriebs­un­ter­sa­gung auf­zu­he­ben.

Da sich nach Ablauf der Befris­tung im Juni 2011 die ange­ord­ne­ten Betriebs­un­ter­sa­gun­gen in der Sache erle­digt hat­ten, bean­trag­te RWE beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, die Rechts­wid­rig­keit der bei­den Anord­nun­gen des Lan­des Hes­sen fest­zu­stel­len, um u. a. auf der Grund­la­ge einer sol­chen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Fest­stel­lung Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen gegen das Land Hes­sen zivil­recht­lich durch­zu­set­zen.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sei­en die Anord­nun­gen des Hes­si­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­ums vom 18. März 2011 sowohl for­mell als auch mate­ri­ell rechts­wid­rig. Zum einen sei die kla­gen­de Betrei­be­rin der bei­den Kern­kraft­wer­ke vor Erlass der Anord­nun­gen nicht den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen ent­spre­chend ord­nungs­ge­mäß ange­hört wor­den. Dar­über­hin­aus habe das Umwelt­mi­nis­te­ri­um das ihm vom Atom­ge­setz für vor­läu­fi­ge Betriebs­ein­stel­lun­gen ein­ge­räum­te Ermes­sen nicht in einer Wei­se so pflicht­ge­mäß aus­ge­übt, wie es recht­lich erfor­der­lich gewe­sen wäre.

Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat mit die­sen Urtei­len aus­schließ­lich über die Recht­mä­ßig­keit der am 18.März 2011 ange­ord­ne­ten Betriebs­ein­stel­lun­gen des Minis­te­ri­ums ent­schei­den und nicht über die Fra­ge, ob der RWE Power Akti­en­ge­sell­schaft Essen mög­li­cher­wei­se Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz gegen des Land Hes­sen zuste­hen.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urtei­le vom 27. Febru­ar 2013 – 6 C 824/​11.T und 6 C 825/​11.T