Eigen­über­wa­chung immis­si­ons­schutz­recht­li­cher Anla­gen durch exter­ne pri­va­te Sach­ver­stän­di­ge

Eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Neben­be­stim­mung, die dem Anla­gen­be­trei­ber eine Eigen­über­wa­chung mit­tels tur­nus­mä­ßi­ger Über­prü­fung des lau­fen­den Betriebs anhand sämt­li­cher recht­li­cher Anfor­de­run­gen durch einen exter­nen pri­va­ten Sach­ver­stän­di­gen auf­er­legt, ist nach einem aktu­el­len Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs rechts­wid­rig.

Eigen­über­wa­chung immis­si­ons­schutz­recht­li­cher Anla­gen durch exter­ne pri­va­te Sach­ver­stän­di­ge

Die Klä­ge­rin in dem vom BayVGH ent­schie­de­nen Fall ist Betrei­be­rin einer Asphalt­misch­an­la­ge. Im Rah­men einer Ände­rungs­ge­neh­mi­gung gab die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen ihr in einer Neben­be­stim­mung auf, die Asphalt­misch­an­la­ge in regel­mä­ßi­gen Abstän­den durch einen exter­nen pri­va­ten Gut­ach­ter vor Ort umfas­send auf Über­ein­stim­mung mit sämt­li­chen recht­li­chen Vor­ga­ben, nicht nur des Immis­si­ons­schutz­rechts über­wa­chen zu las­sen. Nach Auf­fas­sung des BayVGH war die Neben­be­stim­mung auf­zu­he­ben, da die Ver­pflich­tung zu einer Eigen­über­wa­chung durch exter­ne Sach­ver­stän­di­ge einer gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung bedür­fe, an der es jedoch feh­le. Eine recht­li­che Grund­la­ge hier­für fin­de sich weder im Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­setz (BIm­SchG) noch in einer auf Grund des BIm­SchG erlas­se­nen Ver­ord­nung. Viel­mehr bestehe hin­sicht­lich der behörd­li­chen Anord­nun­gen zur betrieb­li­chen Eigen­über­wa­chung ein sehr aus­dif­fe­ren­zier­tes Rege­lungs­sys­tem, das den Schluss auf eine abschlie­ßen­de gesetz­li­che Rege­lung nahe­le­ge. Dadurch sei­en die zustän­di­gen Lan­des­be­hör­den gehin­dert, über die gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Fäl­le hin­aus wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen zur betrieb­li­chen Eigen­über­wa­chung im Wege von Ein­zel­an­ord­nun­gen fest­zu­set­zen, wie dies im zu ent­schei­den­den Fall gesche­hen sei.

Abge­se­hen davon blei­be es den Immis­si­ons­schutz­be­hör­den grund­sätz­lich unbe­nom­men, sich aus fis­ka­li­schem Inter­es­se mit dem Ziel der Per­so­nal­ein­spa­rung für die Über­wa­chungs­form mit gerin­ge­rer behörd­li­cher Betei­li­gung (Anlei­tung zu betrei­b­er­ei­ge­ner Über­wa­chung) zu ent­schei­den, die – im Gegen­satz zur regel­mä­ßi­gen umfas­sen­den Eigen­über­wa­chung durch exter­ne pri­va­te Sach­ver­stän­di­ge – auch im Gesetz vor­ge­se­hen sei.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Febur­ar 2009 – 22 BV 08.1164