Novel­lie­rung des Tier­schutz­ge­set­zes

Die Bun­des­re­gie­rung hat einen Gesetz­ent­wurf zur Ände­rung des Tier­schutz­ge­set­zes in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht.

Novel­lie­rung des Tier­schutz­ge­set­zes

Anlass hier­für ist zunächst die Umset­zung einer EU-Richt­li­nie zu Tier­ver­su­chen: Am 9. Novem­ber 2010 ist die Richt­li­nie 2010/​63/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22. Sep­tem­ber 2010 zum Schutz der für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke ver­wen­de­ten Tie­re [1] in Kraft getre­ten. Sie ist von den Mit­glied­staa­ten bis zum 10. Novem­ber 2012 umzu­set­zen. Mit der Richt­li­nie wer­den EU-weit glei­che Rah­men­be­din­gun­gen für Indus­trie und For­schung zum Schutz der für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke ver­wen­de­ten Tie­re geschaf­fen. Der Schutz der Tie­re, die in der Euro­päi­schen Uni­on in wis­sen­schaft­li­chen Ver­fah­ren ein­ge­setzt wer­den, wird erhöht. Die Richt­li­nie hat ins­be­son­de­re das Ziel, die kon­se­quen­te Umset­zung des soge­nann­ten „3R-Prin­zips“ (Repla­ce­ment, Reduc­tion, Refi­ne­ment) zur Ver­mei­dung, Ver­min­de­rung und Ver­bes­se­rung der Ver­wen­dung von Tie­ren zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken sicher­zu­stel­len.

Im Zuge der Umset­zung der Richt­li­nie wer­den die im Tier­schutz­ge­setz bereits bestehen­den Vor­schrif­ten zum Schutz von Tie­ren, die für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke ver­wen­det wer­den, geän­dert, ergänzt oder durch neue Vor­schrif­ten ersetzt. Zudem wer­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­gen geschaf­fen, die das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz berech­ti­gen, wei­te­re, kon­kret aus­ge­stal­te­te Rege­lun­gen zum Schutz von Tie­ren, die für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke ver­wen­det wer­den, wie etwa zum Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für Tier­ver­su­che oder zur Sach­kun­de der am Tier­ver­such betei­lig­ten Per­so­nen, durch Ver­ord­nung zu schaf­fen. Zudem erstreckt sich der Anwen­dungs­be­reich bestimm­ter Rege­lun­gen des Geset­zes sowie einer auf­grund von Ermäch­ti­gungs­grund­la­gen im Gesetz geschaf­fe­nen Ver­ord­nung zukünf­tig auch auf Ver­suchs­vor­ha­ben, in denen Tie­re in einem Ent­wick­lungs­sta­di­um vor der Geburt oder dem Schlupf ver­wen­det wer­den. Die Ände­rung des Geset­zes sowie der Erlass einer Ver­ord­nung wer­den in der Fol­ge­zeit die Anpas­sung der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zur Durch­füh­rung des Tier­schutz­ge­set­zes erfor­der­lich machen. Im Zuge des­sen kön­nen dort, ins­be­son­de­re um eine ein­heit­li­che Hand­ha­bung der Rechts­vor­schrif­ten zu unter­stüt­zen, wei­te­re Ein­zel­hei­ten gere­gelt wer­den.

Dane­ben wer­den unter ande­rem fol­gen­de wei­te­re Ände­run­gen im Tier­schutz­ge­setz vor­ge­nom­men:

Im Bereich der Nutz­tier­hal­tung zu Erwerbs­zwe­cken soll der Eigen­ver­ant­wor­tung des Tier­hal­ters für die Sicher­stel­lung des Tier­schut­zes gemäß § 2 des Tier­schutz­ge­set­zes ein höhe­rer Stel­len­wert ein­ge­räumt wer­den. In § 11 wird daher ein Absatz ein­ge­fügt, der Rege­lun­gen zur tier­schutz­be­zo­ge­nen betrieb­li­chen Eigen­kon­trol­le ent­hält.

Die Richt­li­nie 2006/​123/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12. Dezem­ber 2006 über Dienst­leis­tun­gen im Bin­nen­markt [2] (Dienst­leis­tungs­richt­li­nie) ist am 28. Dezem­ber 2006 in Kraft getre­ten. In § 11 wer­den für das Ver­fah­ren zur Erlaub­nis­er­tei­lung für die dort gere­gel­ten Tätig­kei­ten eine Bear­bei­tungs­frist für die Behör­de sowie eine Geneh­mi­gungs­fik­ti­on gere­gelt. Wei­ter­hin wird ein § 16j ein­ge­fügt, der eine Rege­lung zur Ver­fah­rens­ab­wick­lung über die soge­nann­te „ein­heit­li­che Stel­le“ ent­hält.

Durch For­mu­lie­rungs­än­de­run­gen in § 11b wird der fach­lich gebo­te­ne Wahr­schein­lich­keits­maß­stab für das Auf­tre­ten von Qual­zucht­merk­ma­len in einer Zucht so defi­niert, dass das bestehen­de Ver­bot die vom Gesetz­ge­ber inten­dier­te Wir­kung auch tat­säch­lich ent­fal­ten kann. Zusätz­lich wird ein Aus­stel­lungs­ver­bot gere­gelt.

Außer­dem wird die Rege­lung zum Schen­kel­brand in § 5 Absatz 3 Num­mer 7 gestri­chen.

Die Ände­run­gen des Tier­schutz­ge­set­zes sowie die Vor­schrif­ten der Ver­suchs­tier­ver­ord­nung sind mit Uni­ons­recht ver­ein­bar. Mit der Über­ar­bei­tung der Vor­schrif­ten des Tier­schutz­ge­set­zes zum Schutz von Tie­ren, die zur Ver­wen­dung in Tier­ver­su­chen bestimmt sind oder deren Gewe­be oder Orga­ne dazu bestimmt sind, zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken ver­wen­det zu wer­den sowie dem Erlass der Tier­schutz-Ver­suchs­tier­ver­ord­nung wird die Richt­li­nie 2010/​63/​EU umge­setzt. Bereits bestehen­de, natio­nal stren­ge­re Rege­lun­gen wer­den bei­be­hal­ten, was gemäß Arti­kel 2 Unter­ab­satz 1 der Richt­li­nie zuläs­sig ist. Neue stren­ge­re Rege­lun­gen wer­den nicht erlas­sen.

  1. ABl.EU L 276 vom 20.10.2010, S. 33[]
  2. ABl.EU L 376 vom 27.12.2006, S. 36[]