Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung – und der Ver­fah­rens­feh­ler

§ 4 UmwRG unter­schei­det zwi­schen abso­lu­ten Ver­fah­rens­feh­lern nach Absatz 1 und rela­ti­ven Ver­fah­rens­feh­lern nach Absatz 1a.

Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung – und der Ver­fah­rens­feh­ler

Auf, bVer­fah­rens­feh­ler im Sin­ne von § 4 Abs. 1 UmwRGVer­fah­rens­feh­lerstellt § 4 Abs. 1a Satz 1 UmwRG klar, dass für sie § 46 VwVfG gilt mit der Fol­ge, dass die Auf­he­bung eines Ver­wal­tungs­akts nicht allein wegen die­ses Feh­lers bean­sprucht wer­den kann, wenn offen­sicht­lich ist, dass der Feh­ler die Ent­schei­dung nicht in der Sache beein­flusst hat. Zur Auf­klä­rung die­ser Fra­ge hat das Tat­sa­chen­ge­richt alle ver­füg­ba­ren Erkennt­nis­mit­tel aus­zu­schöp­fen, also die gesam­ten dem Gericht vor­lie­gen­den Akten und Plan­un­ter­la­gen; vom Vor­ha­ben­trä­ger oder der zustän­di­gen Behör­de vor­ge­leg­te Bewei­se sowie sonst erkenn­ba­re oder nahe­lie­gen­de Umstän­de [1].

Lässt sich durch das Gericht nicht auf­klä­ren, ob der Ver­fah­rens­feh­ler die Ent­schei­dung in der Sache beein­flusst hat, wird eine Beein­flus­sung ver­mu­tet (§ 4 Abs. 1a Satz 2 UmwRG). Danach ist ein nicht unter Absatz 1 fal­len­der Ver­fah­rens­feh­ler (nur) unbe­acht­lich, wenn es dem Gericht gelingt, sich auf der Grund­la­ge der vor­lie­gen­den Erkennt­nis­mit­tel davon zu über­zeu­gen, dass die Ent­schei­dung auch ohne den fest­ge­stell­ten Ver­fah­rens­feh­ler nicht anders aus­ge­fal­len wäre.

Gelingt ihm die­se Über­zeu­gungs­bil­dung nicht, greift die Ver­mu­tungs­re­ge­lung des § 4 Abs. 1a Satz 2 UmwRG; das heißt, das Gericht hat im Fall des non liquet die Kau­sa­li­tät des Ver­fah­rens­feh­lers zu unter­stel­len.

Damit ent­spricht § 4 Abs. 1a UmwRG den Vor­aus­set­zun­gen, die der Euro­päi­sche Gerichts­hof in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 07.11.2013 – C‑72/​12; und vom 15.10.2015 – C‑137/​14 – dafür genannt hat, dass das natio­na­le Recht eine Rechts­ver­let­zung im Sin­ne von Art. 11 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2011/​92/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.12 2011 über die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung bei bestimm­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Pro­jek­ten [2] ver­nei­nen kann [3].

Ob nach die­sen Maß­ga­ben in Ver­fah­rens­feh­ler bei der Durch­füh­rung der Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung unbe­acht­lich ist, ist eine Fra­ge der tatrich­ter­li­chen Über­zeu­gungs­bil­dung im Ein­zel­fall, die sich nicht fall­über­grei­fend beant­wor­ten lässt. Das gilt auch für die Gewich­tung der Schwe­re eines Feh­lers [4].

Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits ent­schie­den, dass ein Ver­stoß gegen die Unter­rich­tungs­pflicht nach § 9 Abs. 1a Nr. 2 UVPG nach sei­ner Art und Schwe­re nicht ohne wei­te­res mit den in § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 UmwRG genann­ten Fäl­len ver­gleich­bar ist [5].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Dezem­ber 2017 – 3 B 15.16

  1. BVerwG, Urteil vom 21.01.2016 – 4 A 5.14 [ECLI:DE:BVerwG:2016:210116U4A5.14.0], BVerw­GE 154, 73 Rn. 41 und 43; Beschluss vom 21.06.2016 – 9 B 65.15 [ECLI:DE:BVerwG:2016:210616B9B65.15.0], Buch­holz 406.254 UmwRG Nr.20 Rn. 5[]
  2. ABl. L 26 S. 1 – UVP-Richt­li­nie[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 21.01.2016 – 4 A 5.14 – a.a.O. Rn. 41 ff.; und vom 09.02.2017 – 7 A 2.15 [ECLI:DE:BVerwG:2017:090217U7A2.15.0], Buch­holz 445.5 § 14 WaStrG Nr. 14 Rn. 33; Beschluss vom 21.06.2016 – 9 B 65.15 – a.a.O. Rn. 5 und 21[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 21.06.2016 – 9 B 65.15, Buch­holz 406.254 UmwRG Nr.20 Rn. 7[]
  5. BVerwG, Urteil vom 21.01.2016 – 4 A 5.14, BVerw­GE 154, 73 Rn. 31, 47[]