Verfassungsbeschwerde – und die nicht ordnungsgemäße Rechtswegerschöpfung

Wenn ein an sich gegebenes Rechtsmittel mangels Nutzung der verfahrensrechtlichen Möglichkeiten erfolglos bleibt, ist eine Verfassungsbeschwerde regelmäßig unzulässig1.

Verfassungsbeschwerde –  und die nicht ordnungsgemäße Rechtswegerschöpfung

Es ist verfassungsrechtlich grundsätzlich unbedenklich, die Beschreitung des Rechtswegs von der Erfüllung bestimmter formaler Voraussetzungen abhängig zu machen2.

Es ist jedoch Sache der Fachgerichte, auch die Vereinbarkeit der jeweils herangezogenen Rechtsgrundlagen mit dem Grundgesetz zu prüfen, gegebenenfalls vorläufigen Rechtsschutz zu gewähren und bei negativem Ausgang der Prüfung die Sache im Verfahren der konkreten Normenkontrolle (Art. 100 Abs. 1 GG) dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen. Die Verfassungsmäßigkeit einer gesetzlichen Eingriffsgrundlage kann von den Fachgerichten überdies von Amts wegen – unabhängig von einer entsprechenden Rüge des jeweiligen Klägers – zu prüfen sein3.

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 30. Oktober 2019 – 2 BvR 620/19

  1. vgl. BVerfGE 74, 102, 114; BVerfG, Beschluss vom 23.05.2018 – 1 BvR 97/14, 1 BvR 2392/14, Rn. 65; BVerfGK 1, 222, 223; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 10, 264, 267 f.; 60, 253, 268 f.; 77, 275, 284; 146, 71, 146 Rn. 211; BVerfG, Beschluss vom 23.05.2018 – 1 BvR 97/14, 1 BvR 2392/14, Rn. 65[]
  3. vgl. BVerfGE 146, 294, 317 f. Rn. 44; BVerfGK 19, 286, 287; BVerfG, Urteil vom 24.07.2018 – 2 BvR 309/15, 2 BvR 502/16, Rn. 113 m.w.N.[]

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