Ver­ga­be außer­ka­pa­zi­tä­rer Stu­di­en­plät­ze

Stu­di­en­plät­ze in bestimm­ten stark nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen wie Medi­zin, Zahn­me­di­zin und Phar­ma­zie wer­den grund­sätz­lich in einem zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren von der in Dort­mund ansäs­si­gen Zen­tral­stel­le für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen (ZVS) zuge­teilt. Ein­be­zo­gen sind nur die­je­ni­gen Plät­ze, die als Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät der jewei­li­gen Hoch­schu­le in Gestalt einer „Zulas­sungs­zahl“ fest­ge­setzt wor­den sind. Erweist sich die­se Kapa­zi­täts­be­rech­nung im gericht­li­chen Ver­fah­ren auf Zulas­sung zum Stu­di­um als unzu­tref­fend, wer­den die auf­ge­deck­ten Rest­plät­ze unter den erfolg­rei­chen Klä­gern außer­halb des „ord­nungs­ge­mä­ßen“ Ver­fah­rens ver­ge­ben. Hier­für ist in der Ver­gan­gen­heit viel­fach auf das Los­ver­fah­ren zurück­ge­grif­fen wor­den.

Ver­ga­be außer­ka­pa­zi­tä­rer Stu­di­en­plät­ze

Sol­che „außer­ka­pa­zi­tä­ren“ Rest­stu­di­en­plät­zen wer­den zumin­dest in Baden-Würt­tem­berg künf­tig nicht mehr im Wege des Los­ver­fah­rens ver­ge­ben. Durch die Ände­rung der Ver­ga­be­ver­ord­nung ZVS hat das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um nun­mehr vor­ge­schrie­ben, dass auch die­se Stu­di­en­plät­ze in Anleh­nung an die im regu­lä­ren Ver­fah­ren gel­ten­den Kri­te­ri­en zu ver­ge­ben sind. Die­se vom Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um erlas­se­ne Ände­rung der Ver­ga­be­ver­ord­nung ZVS hat nun der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in einem Nor­men­kon­trol­l­ur­teil gebil­ligt. Die Rege­lung kann aber für das lau­fen­de Win­ter­se­mes­ter 2009/​2010 noch nicht ange­wen­det wer­den.

Nach­träg­lich auf­ge­deck­te Stu­di­en­plät­ze müs­sen daher in Baden-Würt­tem­berg zukünf­tig von der jewei­li­gen Uni­ver­si­tät ent­spre­chend der im Hoch­schul­aus­wahl­ver­fah­ren erstell­ten Rang­lis­te ver­ge­ben wer­den. Um die­ses Ver­fah­ren zu ermög­li­chen, bestimmt die Ver­ord­nung, dass die Bewer­bung um einen „außer­ka­pa­zi­tä­ren“ Stu­di­en­platz eine vor­he­ri­ge Bewer­bung im regu­lä­ren Ver­fah­ren für den betref­fen­den Stu­di­en­ort vor­aus­setzt. Stu­di­en­platz­kla­gen sind dem­nach in Baden-Würt­tem­berg nur noch zuläs­sig, wenn der Bewer­ber sich auch im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren für eine Zulas­sung an die­ser Hoch­schu­le bewor­ben hat­te.

Die­se Neu­re­ge­lung hat der baden-würt­tem­ber­gi­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof mit sei­nem Nor­men­kon­trol­l­ur­teil grund­sätz­lich gebil­ligt, weil die Stu­di­en­platz­ver­ga­be damit chan­cen­ge­rech­ter aus­ge­stal­tet und die vom Gesetz­ge­ber beton­te Bedeu­tung der Orts­wahl für ein Hoch­schul­stu­di­um beach­tet wer­de. Ein Anspruch, bun­des­weit alle Hoch­schu­len ver­kla­gen zu kön­nen, bestehe nicht. Viel­mehr ent­spre­che die ange­ord­ne­te Beschrän­kung den Bedin­gun­gen des „regu­lä­ren“ ZVS-Aus­wahl­ver­fah­rens. Der vom Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um vor­ge­se­he­nen Anwen­dung der Neu­re­ge­lung bereits für das Win­ter­se­mes­ter 2009/​2010 ste­he jedoch der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ent­ge­gen. Denn die Ver­ord­nung sei nur eine Woche vor Ablauf der Bewer­bungs­frist ver­kün­det wor­den; mit einer ent­spre­chen­den Ände­rung der Rechts­la­ge hät­ten die Stu­di­en­be­wer­ber aber nicht rech­nen müs­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 29. Okto­ber 2009 – 9 S 1611/​09