Ver­ga­be­ver­fah­ren für Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen

Die Beschluss­fas­sung über die Ein­lei­tung eines Ver­ga­be­ver­fah­rens für die Erbrin­gung von Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen kann der zustän­di­gen Behör­de nicht bereits vor­beu­gend unter­sagt wer­den kann. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt – wie in der Vor­in­stanz bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver [1] – das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg einen ent­spre­chen­den Antrag gegen die Regi­on Han­no­ver zurück­ge­wie­sen.

Ver­ga­be­ver­fah­ren für Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen

Eine inhalt­li­che Ent­schei­dung zu der Fra­ge, ob und in wel­chen Kon­stel­la­tio­nen infol­ge des Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on [2] ein Ver­ga­be­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren ist und wel­che Rege­lun­gen im Ein­zel­nen gege­be­nen­falls zu beach­ten sind, hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt damit noch nicht getrof­fen.

Die DRK Hilfs­diens­te gGmbH in der Regi­on Han­no­ver ist eben­so wie drei ande­re Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen mit der Erbrin­gung von Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen beauf­tragt. Sie möch­te im Wege des vor­läu­fi­gen vor­beu­gen­den Rechts­schut­zes errei­chen, dass die Regi­on Han­no­ver für die Ver­ga­be von Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen im Zeit­raum von Janu­ar 2011 Dezem­ber 2015 ein ver­wal­tungs­recht­li­ches Aus­wahl­ver­fah­ren unter den bis­her Beauf­trag­ten und nicht ein bun­des­wei­tes ver­ga­be­recht­li­ches Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren durch­führt. Die­ses Begeh­ren hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver abge­lehnt, das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de nun­mehr zurück­ge­wie­sen. Dem Antrag fehlt, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, bereits das Rechts­schutz­be­dürf­nis und die erfor­der­li­che Dring­lich­keit.

Die Regi­on Han­no­ver prüft der­zeit, ob ange­sichts des Urteils des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes vom 29. April 2010 das (EU-)Ver­ga­be­recht anzu­wen­den ist. Es ist gegen­wär­tig aber nicht abzu­se­hen, wel­che Ent­schei­dung die zustän­di­ge Regi­ons­ver­samm­lung letzt­lich tref­fen wird. Soll­te abwei­chend von dem Beschluss der Regi­ons­ver­samm­lung vom 9. März 2010 ein Ver­ga­be­ver­fah­ren nach dem Gesetz gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen durch­ge­führt wer­den, wäre das DRK nicht gehin­dert, ein Nach­prü­fungs­ver­fah­ren bei der zustän­di­gen Ver­ga­be­kam­mer anzu­stren­gen. Auch hat es die Mög­lich­keit, an dem natio­na­len Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren teil­zu­neh­men und auf die­se Wei­se sei­ne Chan­ce auf Ertei­lung des Zuschla­ges zu wah­ren.

Dar­über hin­aus hat das DRK nach Ansicht der Lüne­bur­ger Rich­ter aber auch einen Anord­nungs­an­spruch nicht glaub­haft gemacht. Da die Beauf­tra­gungs­ver­trä­ge jeweils befris­tet waren, konn­te das DRK nicht dar­auf ver­trau­en, dass es auch künf­tig mit der Erbrin­gung von Ret­tungs­dienst­leis­tun­gen beauf­tragt wer­den wür­de. Ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Ver­ga­be­pra­xis lässt sich weder aus dem Nie­der­säch­si­schen Ret­tungs­dienst­ge­setz noch aus dem Grund­ge­setz her­lei­ten.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Juni 2010 – 11 ME 583/​09

  1. VG Han­no­ver, Beschluss vom 21.12.2009 – 7 B 6016/​09[]
  2. EuGH, Urteil vom 29.04.2010- C‑160/​08[]