Heil­prak­ti­ker und die Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­schen Medi­zin

Zur Aus­übung von

Heil­prak­ti­ker und die Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­schen Medi­zin
  • Aku­punk­tur,
  • Aku­pres­sur,
  • Puls­dia­gnos­tik,
  • Zun­gen­dia­gnos­tik,
  • Tui­na-Mas­sa­ge,
  • Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge und
  • Moxi­bus­ti­on
  • als the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin (TCM) bedarf es einer Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis (also einer Erlaub­nis zur Aus­übung der Heil­kun­de, ohne als Arzt bestallt zu sein) nach § 1 Heil­prG.

    Die Aus­übung die­ser Tätig­kei­ten ohne das Inne­ha­ben einer Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis ver­stößt gegen § 1 Heil­prG. Denn die­se unter­sag­ten Tätig­kei­ten stel­len eine Aus­übung der Heil­kun­de im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Heil­prG dar.

    TCM als Heil­kun­de[↑]

    Aus­übung der Heil­kun­de nach § 1 Abs. 2 Heil­prG ist jede berufs- oder gewerbs­mä­ßig vor­ge­nom­me­ne Tätig­keit zur Fest­stel­lung, Hei­lung oder Lin­de­rung von Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen. Wegen der mit dem Erlaub­nis­zwang ver­bun­de­nen Beschrän­kung der Berufs­frei­heit des Art. 12 Abs. 1 GG fal­len dar­un­ter nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nur sol­che Heil­be­hand­lun­gen, die nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se erfor­dern und gesund­heit­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se kön­nen erfor­der­lich sein im Hin­blick auf das Ziel, die Art oder die Metho­de der Tätig­keit oder auch schon im Hin­blick auf die Fest­stel­lung, ob im Ein­zel­fall mit der Behand­lung begon­nen wer­den darf, ohne dass der Pati­ent durch die Ver­rich­tung selbst unmit­tel­bar Scha­den nimmt. Auch Tätig­kei­ten, die für sich gese­hen ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se nicht vor­aus­set­zen, fal­len unter die Erlaub­nis­pflicht, wenn sie nen­nens­wer­te Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen zur Fol­ge haben kön­nen. Dazu zäh­len auch mit­tel­ba­re Gefähr­dun­gen, wenn durch die Behand­lung ein früh­zei­ti­ges Erken­nen erns­ter Lei­den ver­zö­gert wird und die Wahr­schein­lich­keit einer sol­chen Gefähr­dung nicht nur gering­fü­gig ist. Eine sol­che Gefahr besteht dann, wenn die in Rede ste­hen­de Heil­be­hand­lung als eine die ärzt­li­che Berufs­aus­übung erset­zen­de Tätig­keit erscheint 1. Je wei­ter sich dabei das Erschei­nungs­bild des Hei­lers von der medi­zi­ni­schen Behand­lung ent­fernt, des­to gerin­ger wird das Gefähr­dungs­po­ten­ti­al im Hin­blick auf mit­tel­ba­re Gefah­ren. Wenn Tätig­kei­ten nicht mehr den Ein­druck erwe­cken, Ersatz für eine medi­zi­ni­sche Behand­lung sein zu kön­nen, weil sie nur auf eine spi­ri­tu­el­le Wir­kung ange­legt sind, unter­fal­len sie nicht mehr dem Erlaub­nis­zwang des Heil­prak­ti­ker­ge­set­zes 2.

    Hier­an gemes­sen stel­len die die Puls- und die Zun­gen­dia­gnos­tik, die Aku­punk­tur, die Aku­pres­sur und die Moxi­bus­ti­on, die Tui­na-Mas­sa­ge und die Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge eine Aus­übung der Heil­kun­de dar. Denn die Tätig­kei­ten sind auf die Fest­stel­lung, Hei­lung oder Lin­de­rung von Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen gerich­tet und erfor­dern ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se und/​oder kön­nen gesund­heit­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen.

    Puls­dia­gnos­tik und Zun­gen­dia­gnos­tik[↑]

    Die Puls- und die Zun­gen­dia­gnos­tik sind neben der Ana­mne­se und der kör­per­li­chen Unter­su­chung Dia­gno­se­tech­ni­ken in der TCM, die Infor­ma­tio­nen über den Zustand der inne­ren Orga­ne geben und so der Fest­stel­lung von Erkran­kun­gen die­nen sol­len 3. Eine sol­che dia­gnos­ti­sche Tätig­keit ist eine typisch ärzt­li­che Tätig­keit, die ärzt­li­ches Fach­wis­sen vor­aus­setzt. Der Pro­zess der Dia­gno­se­fin­dung ist auch in der chi­ne­si­schen Medi­zin ein zen­tra­les Pro­blem, das grund­le­gen­de und siche­re ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se der Phy­sio­lo­gie sowie der abzu­stu­fen­den Begrif­fe und Phä­no­me­ne erfor­dert 4, wobei beson­ders die Puls­dia­gno­se regel­mä­ßig schwer zu erler­nen­de sub­jek­ti­ve Fer­tig­kei­ten vor­aus­setzt 5.

    Neben die­sen Fach­kennt­nis­sen kann die (feh­ler­haf­te) Puls- oder Zun­gen­dia­gno­se auch zu nicht uner­heb­li­chen Gesund­heits­ge­fah­ren füh­ren. Denn wenn sie, wie aus­ge­führt, dar­auf gerich­tet ist, Krank­hei­ten zu erken­nen und fest­zu­stel­len, ist es nicht unwahr­schein­lich, dass bei feh­ler­haf­ter Dia­gnos­tik behand­lungs­be­dürf­ti­ge Krank­hei­ten nicht fest­ge­stellt und in der Fol­ge auch nicht (ärzt­lich) behan­delt wer­den und das Aus­blei­ben einer not­wen­di­gen (ärzt­li­chen) Behand­lung zu Gesund­heits­ge­fah­ren führt.

    Aku­punk­tur[↑]

    Die Aku­punk­tur im enge­ren Sin­ne ist als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren ein Teil­ge­biet der TCM und wird den Umsteue­rungs- und Regu­la­ti­ons­the­ra­pi­en zuge­ord­net. Durch das Ein­ste­chen von Nadeln an defi­nier­ten Punk­ten des Kör­pers ent­lang von Leit­bah­nen (Meri­dia­ne) soll der Ener­gie­fluss (Qi) ver­än­dert wer­den 6. Nach natur­wis­sen­schaft­li­chem Ver­ständ­nis wird die Wir­kung der Aku­punk­tur unter ande­rem mit einer Sti­mu­la­ti­on schmerz­lei­ten­der Ner­ven­fa­sern und dadurch aus­ge­lös­te Rück­kopp­lungs­pro­zes­se erklärt 7.

    Das Ziel einer The­ra­pie der TCM ist zwar regel­mä­ßig die Behand­lung des gan­zen Men­schen und nicht nur einer loka­len Krank­heit 8. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) hat gleich­wohl eine Lis­te kon­kre­ter Indi­ka­tio­nen für Aku­punk­tur ver­öf­fent­licht, wonach die Aku­punk­tur zur Behand­lung ins­be­son­de­re neu­ro­lo­gi­scher und ortho­pä­di­scher Erkran­kun­gen, aber auch Atemwegs‑, Mundhöhlen‑, Lungen‑, Magen-Darm- oder Augen­er­kran­kun­gen geeig­net sein und the­ra­peu­ti­sche Wir­kung haben kann 9. Mit Beschluss vom 18. April 2006 hat auch der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (vgl. § 91 SGB V) jeden­falls die Nade­l­aku­punk­tur ohne elek­tri­sche Sti­mu­la­ti­on für die Indi­ka­tio­nen "chro­ni­sche Schmer­zen der Len­den­wir­bel­säu­le, die seit min­des­tens 6 Mona­ten bestehen und gege­be­nen­falls nicht-seg­men­tal bis maxi­mal zum Knie­ge­lenk aus­strah­len (pseu­do­ra­di­ku­lä­rer Schmerz)", und "chro­ni­sche Schmer­zen in min­des­tens einem Knie­ge­lenk durch Gonar­thro­se, die seit min­des­tens 6 Mona­ten bestehen" in die ver­trags­ärzt­li­che Ver­sor­gung in die Anla­ge I (Aner­kann­te Unter­su­chungs- und Behand­lungs­me­tho­den) der Richt­li­nie Metho­den ver­trags­ärzt­li­che Ver­sor­gung auf­ge­nom­men. Die Aku­punk­tur als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren ist damit – unge­ach­tet der Fra­ge ihrer tat­säch­li­chen the­ra­peu­ti­schen Wirk­sam­keit – auf die Hei­lung oder Lin­de­rung von Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen gerich­tet.

    Zur Aus­übung der Aku­punk­tur bedarf es ver­tief­ter ärzt­li­cher Kennt­nis­se jeden­falls hin­sicht­lich der Dia­gnos­tik der chi­ne­si­schen Medi­zin, des Leit­bah­nen­sys­tems, der Aku­punk­tur­punk­te und der Behand­lungs­stra­te­gi­en in der Aku­punk­tur 10 und im Bereich der Behand­lung neu­ro­lo­gi­scher Erkran­kun­gen auch der psy­cho­so­ma­ti­schen Grund­ver­sor­gung 11, auch wenn ein ein­heit­li­ches Cur­ri­cu­lum zur Aus­bil­dung in der Aku­punk­tur in Deutsch­land bis­lang nicht exis­tiert 12.

    Neben die­sen erfor­der­li­chen ärzt­li­chen Fach­kennt­nis­sen kann die (feh­ler­haf­te) Aku­punk­tur auch zu nicht uner­heb­li­chen Gesund­heits­ge­fah­ren füh­ren. Die­se resul­tie­ren zum einen aus der mit der erfor­der­li­chen Dia­gno­se ver­bun­de­nen Mög­lich­keit einer Nicht­er­ken­nung und Nicht­be­hand­lung erns­ter Lei­den, da die Aku­punk­tur als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren nicht nur eine die ärzt­li­che Heil­be­hand­lung ergän­zen­de, son­dern die­se erset­zen­de Tätig­keit dar­stellt. Zum ande­ren kann abge­se­hen von Infek­ti­ons­ge­fah­ren bei Nicht­be­ach­tung hygie­ni­scher Grund­re­geln bei­spiels­wei­se ein zu tie­fer Ein­stich zu Ner­ven- und Gefäß­ver­let­zun­gen und im obe­ren Tho­rax­be­reich auch zu einem unter Umstän­den lebens­ge­fähr­li­chen Pneu­m­o­tho­rax füh­ren 13.

    Aku­pres­sur und Moxi­bus­ti­on[↑]

    Die Aus­füh­run­gen zur Aku­punk­tur im enge­ren Sin­ne kön­nen grund­sätz­lich auf die Aku­pres­sur und die Moxi­bus­ti­on über­tra­gen wer­den. Denn soweit die­se als the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren ange­wen­det wer­den, sind sie eben­so wie die Aku­punk­tur im enge­ren Sin­ne – unge­ach­tet der Fra­ge ihrer tat­säch­li­chen the­ra­peu­ti­schen Wirk­sam­keit – jeden­falls dar­auf gerich­tet, durch die Sti­mu­la­ti­on von Aku­punk­tur­punk­ten ent­lang der Meri­dia­ne den Ener­gie­fluss (Qi) zu ver­än­dern, die peri­phe­re Durch­blu­tung, den Gewe­be­stoff­wech­sel und Organ­funk­tio­nen über vis­ze­ro­ku­ta­ne Refle­xe anzu­re­gen und so Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen zu hei­len oder zu lin­dern. Anders als bei der Aku­punk­tur erfolgt die Sti­mu­la­ti­on der Aku­punk­tur- bzw. Aku­pres­sur­punk­te indes nicht durch Nadeln, son­dern durch manu­el­len Druck (Aku­pres­sur 14) oder durch mit­tels glim­men­den Bei­fuß­krauts erzeug­te Wär­me (Moxi­bus­ti­on 15).

    Die­se the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren erfor­dern ärzt­li­che Kennt­nis­se in ähn­li­chem Umfang wie bei der Aku­punk­tur, also jeden­falls hin­sicht­lich der Dia­gnos­tik der chi­ne­si­schen Medi­zin, des Leit­bah­nen­sys­tems, der Aku­punk­tur- bzw. Aku­pres­sur­punk­te und der Behand­lungs­stra­te­gi­en in der Aku­punk­tur, Aku­pres­sur und Moxi­bus­ti­on.

    Gesund­heits­ge­fah­ren kön­nen sich damit eben­so wie bei der Aku­punk­tur zum einen aus der mit der erfor­der­li­chen Dia­gno­se ver­bun­de­nen Mög­lich­keit einer Nicht­er­ken­nung und Nicht­be­hand­lung erns­ter Lei­den erge­ben. Zum ande­ren bestehen Gesund­heits­ge­fah­ren bei der (feh­ler­haf­ten) Anwen­dung der Aku­pres­sur bei vor­han­de­nen Erkran­kun­gen des Gefäß­sys­tems (Krampf­adern, Throm­bo­sen) oder schwe­ren Herz-Kreis­lauf-Lei­den. Die Behand­lung bestimm­ter Aku­pres­sur­punk­te kann zu uner­wünsch­ten und die Gesund­heit beein­träch­ti­gen­den Neben­wir­kun­gen füh­ren 16. Die Moxi­bus­ti­on birgt dane­ben die nicht uner­heb­li­che Gefahr von Ver­bren­nun­gen der Haut 17

    Tui­na-Mas­sa­ge[↑]

    Hin­sicht­lich der Tui­na-Mas­sa­ge geht das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus, dass die streit­ge­gen­ständ­li­che Unter­sa­gungs­ver­fü­gung aus­schließ­lich die Tui­na-Mas­sa­ge als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren betrifft, nicht aber die hier­von abzu­gren­zen­de blo­ße Well­ness-Tui­na als einer Behand­lung zur Gesund­erhal­tung, zur Vor­beu­gung von Krank­hei­ten und zur För­de­rung des all­ge­mei­nen Wohl­be­fin­dens.

    Die Tui­na-Mas­sa­ge als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren ist Teil der TCM und dort der Chi­ne­si­schen Manu­el­len The­ra­pie. Auch sie ist einer­seits dar­auf gerich­tet, unter Berück­sich­ti­gung der Meri­dia­ne des Leit­bahn­sys­tems Aku­punk­tur- und ande­re Kör­per­punk­te zu sti­mu­lie­ren, um so die Qi- und die Blut­zir­ku­la­ti­on im Kör­per anzu­re­gen. Sie schließt dabei ande­rer­seits aber auch die Behand­lung von Mus­keln, Seh­nen sowie Bän­dern und unter Umstän­den auch von Gelen­ken mit ein. Dabei kom­bi­niert sie Mas­sa­ge- und Griff­tech­ni­ken mit der Kennt­nis über Leit­bah­nen und Aku­punk­tur­punk­te sowie manu­al­the­ra­peu­ti­sche Manö­ver 18.

    Die Tui­na als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren ist – unge­ach­tet der Fra­ge ihrer the­ra­peu­ti­schen Wirk­sam­keit – dar­auf gerich­tet, Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen zu hei­len oder zu lin­dern. Indi­ka­tio­nen sind ins­be­son­de­re Erkran­kun­gen des Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes, inne­re Erkran­kun­gen (bspw. Hyper­to­nie, Asth­ma bron­chia­le, Gas­tri­tis, Obsti­pa­ti­on) oder neu­ro­lo­gi­sche und vege­ta­ti­ve Stö­run­gen 19.

    Die Anwen­dung der Tui­na als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren erfor­dert ärzt­li­che Kennt­nis­se jeden­falls hin­sicht­lich der Dia­gnos­tik der chi­ne­si­schen Medi­zin, des Leit­bah­nen­sys­tems, der Aku­punk­tur­punk­te und der Behand­lungs­tech­ni­ken in der Tui­na 20.

    Gesund­heits­ge­fah­ren kön­nen sich damit eben­so wie bei der Aku­punk­tur zum einen aus der mit der erfor­der­li­chen Dia­gno­se ver­bun­de­nen Mög­lich­keit einer Nicht­er­ken­nung und Nicht­be­hand­lung erns­ter Lei­den erge­ben. Zum ande­ren kann auch die (feh­ler­haf­te) Tui­na-Mas­sa­ge bedingt durch manu­al­the­ra­peu­ti­sche Manö­ver zu nicht uner­heb­li­chen Gesund­heits­ge­fah­ren füh­ren 21.

    Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge[↑]

    Auch hin­sicht­lich der Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge geht das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus, dass die streit­ge­gen­ständ­li­che Unter­sa­gungs­ver­fü­gung aus­schließ­lich die Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren betrifft, nicht aber Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge als blo­ße Wellness‑, also Wohl­fühl­be­hand­lung. Die Reflex­zo­nen-Mas­sa­ge als the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren ist Aus­übung der Heil­kun­de im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Heil­prG 22.

    Heil­hilfs­tä­tig­kei­ten[↑]

    Die unter­sag­ten Tätig­kei­ten sind schließ­lich kei­ne aus­nahms­wei­se erlaub­nis­frei­en sog. Heil­hilfs­tä­tig­kei­ten. Die­se Heil­hilfs­tä­tig­kei­ten erfor­dern regel­mä­ßig kein ärzt­li­ches Fach­wis­sen, las­sen sich von den den Ärz­ten vor­be­hal­te­nen Tätig­kei­ten klar abgren­zen und sind durch ein zwi­schen den nicht­ärzt­li­chen Hilfs­kräf­ten und den Ärz­ten bestehen­des Unter­ord­nungs­ver­hält­nis gekenn­zeich­net (8vgl. BVerwG, Urteil vom 25.06.1970 – 1 C 53.66, BVerw­GE 35, 308, 312)). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier offen­sicht­lich nicht erfüllt. Viel­mehr erfor­dern die unter­sag­ten Tätig­kei­ten, wie aus­ge­führt, regel­mä­ßig ärzt­li­che Fach­kennt­nis­se und wer­den vom Antrag­stel­ler nicht in einem zu einem Arzt bestehen­den Unter­ord­nungs­ver­hält­nis erbracht.

    Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 15. März 2011 – 8 ME 8/​11

    1. vgl. zu alle­dem BVerwG, Urteil vom 26.08.2010, a.a.O. (Syn­er­ge­tik); Urteil vom 26.08.2009 – 3 C 19.08, BVerw­GE 134, 345, 346; Urteil vom 11.11.1993, a.a.O., S. 274 (Heil­ma­gne­ti­sie­ren) jeweils m.w.N.[]
    2. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 03.06.2004 – 2 BvR 1802/​02, NJW 2004, 2890 f. (Wun­der­hei­ler); und vom 02.03.2004 – 1 BvR 784/​03, NJW-RR 2004, 705 f. (Geist­hei­ler) []
    3. vgl. Macio­cia, a.a.O., S. 311 ff., 353 ff., 361 ff.[]
    4. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 9[]
    5. vgl. Macio­cia, a.a.O., S. 353 ff.; Thews, Puls­dia­gno­sen nach TCM-Regeln: Puls­grup­pen, Puls­bil­der und Detail­deu­tung, S. 4 ff.[]
    6. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 327 ff.; Rudolph, Ver­ständ­nis und Aus­übung der Aku­punk­tur in der ärzt­li­chen Ver­sor­gung in Deutsch­land – eine reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge­stu­die, S. 1 m.w.N.[]
    7. vgl. Tra­gen­de Grün­de zum Beschluss des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses zur Aku­punk­tur vom 18.04.2006, Stand: 08.03.2011[]
    8. vgl. grund­le­gend Gre­ten, a.a.O., S. 8 ff.[]
    9. vgl. WHO, Acu­p­unc­tu­re: Review and Ana­ly­sis of Reports on con­trol­led cli­ni­cal tri­als, S. 9 ff. und 23 ff., Stand: 8.3.2011[]
    10. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 327 ff.; Macio­cia, a.a.O., S. 373 f., 782 ff.; die Richt­li­ni­en der WHO, Gui­de­li­nes on Basic Trai­ning and Safe­ty in Acu­p­unc­tu­re, Stand: 8.3.2011; das umfang­rei­che Cur­ri­cu­lum für klas­si­sche Aku­punk­tur der Arbeits­ge­mein­schaft für Klas­si­sche Aku­punk­tur und Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin e.V., Stand: 8.3.2011; und die Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te zum Erwerb der Zusatz­be­zeich­nung "Aku­punk­tur" nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sach­sen, dort Abschnitt C. Nr. 1, und all­ge­mein zur Aus­bil­dung in der TCM: Ham­bur­gi­sches OVG, Urteil vom 24.09.2004 – 1 Bf 47/​01[]
    11. vgl. Tra­gen­de Grün­de zum Beschluss des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses zur Aku­punk­tur vom 18.4.2006, a.a.O.[]
    12. vgl. Rudolph, a.a.O., S. 13[]
    13. vgl. Mel­chart u.a., Natur­heil­ver­fah­ren: Leit­fa­den für die ärzt­li­che Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung, S. 434[]
    14. vgl. Eckert, Das Tao der Aku­pres­sur und Aku­punk­tur, 3. Aufl., S. 44 f.[]
    15. vgl. Mel­chart u.a., a.a.O., S. 480 ff.; Stux u.a., Aku­punk­tur – Lehr­buch und Atlas, 7. Aufl., S. 205 ff.[]
    16. vgl. van den Berg u.a., Ange­wand­te Phy­sio­lo­gie Band 5 – Kom­ple­men­tä­re The­ra­pi­en ver­ste­hen und inte­grie­ren, S. 262[]
    17. vgl. Stux u.a., a.a.O., S. 206[]
    18. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 371 ff.; Meng, Lehr­buch der Tui­na-The­ra­pie: die tra­di­tio­nel­le chi­ne­si­sche Mas­sa­ge, 5. Aufl., S. 27 ff.; Arbeits­ge­mein­schaft für Klas­si­sche Aku­punk­tur und Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin e.V., Stand: 8.3.2011; Socie­tas Medi­ci­nae Sinen­sis – Inter­na­tio­na­le Gesell­schaft für Chi­ne­si­sche Medi­zin e. V., Infor­ma­tio­nen zum The­ra­pie­ver­fah­ren Tui­na, Stand: 8.3.2011[]
    19. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 376 ff.; Meng, a.a.O., S. 30 f.[]
    20. vgl. Gre­ten, a.a.O., S. 375 ff. und das umfang­rei­che Cur­ri­cu­lum zur Tui­na-Aus­bil­dung der WHO, Bench­marks for Trai­ning in Tui­na, S. 4, 7 ff.,, Stand: 08.03.2011, unter der Arbeits­ge­mein­schaft für Klas­si­sche Aku­punk­tur und Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin e.V., Stand: 08.03.2011[]
    21. vgl. auch die Zusam­men­stel­lung der Kon­tra­in­di­ka­tio­nen bei WHO, Bench­marks for Trai­ning in Tui­na, S. 13, Stand: 08.03.2011[]
    22. vgl. ein­ge­hend OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 08.11.1988 – 6 A 21/​88, MedR 1990, 283 ff.[]